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Entscheidung der Korrektoren-Konferenz
Petition zum Englisch-Abi ohne Erfolg

In Riedlingen in Baden-Württemberg hing ein Schild mit der Aufschrift „Abitur Bitte Ruhe!“ im Gang des Kreisgymnasiums, während Schüler zur Abiturprüfung vorbeigehen. Auch dort empfanden die Abiturienten die Englisch-Aufgaben als zu schwierig.
In Riedlingen in Baden-Württemberg hing ein Schild mit der Aufschrift „Abitur Bitte Ruhe!“ im Gang des Kreisgymnasiums, während Schüler zur Abiturprüfung vorbeigehen. Auch dort empfanden die Abiturienten die Englisch-Aufgaben als zu schwierig. FOTO: dpa / Thomas Warnack
Saarbrücken. Die Hoffnungen von Englisch-Abiturienten, die Probleme bei der Hörverstehens-Prüfung hatten, haben sich nicht erfüllt. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Die Englisch-Fachlehrer in der Abitur-Korrektoren-Konferenz haben sich am Freitag nicht von einer Petition auf der Internet-Plattform change.org beeindrucken lassen. „Die Schulen sind alle zufrieden, wie die Hörverstehens-Prüfung gelaufen ist“, sagte Marija Herceg, Sprecherin von Saar-Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) der SZ auf Anfrage. Die Korrektoren-Konferenz habe einstimmig entschieden, dass es keine Notenanhebung geben werde. Viele Englisch-E-Kurs-Schüler hatten bei der Hörverstehensprüfung am Freitag vergangener Woche erhebliche Probleme bekundet. „Die gestellten Aufgaben waren alle in Ordnung“, erklärte Herceg.


Die Commerçon-Sprecherin sagte, dass es Kritik seitens der Schüler an den Aufgaben in jedem Jahr bei den Abitur-Prüfungen geben werde. „Dieses Jahr lief es überraschend ruhig beim Abitur“, sagte Herceg. Es seien keine größeren Probleme aufgetaucht wie etwa vor ein paar Jahren, als Abitur-Aufgaben aus dem Tresor eines Saarbrücker Gymnasiums entwendet worden waren. Herceg riet den mit der Hörverstehens-Prüfung unzufriedenen Schülerinnen und Schülern, jetzt erst mal die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen abzuwarten. Diese werden nach SZ-Informationen am 31. Mai den Abiturienten bekannt gegeben. Wenn die Ergebnisse in den Augen der Schülerinnen und Schüler zu sehr von den erwarteten Noten abweichen, haben diese immer noch die Chance, in mündlichen Prüfungen die Noten zu verbessern.

Besonders wegen der Aufgaben eins und vier bei der Englisch-Hörverstehens-Prüfung hatten Schüler aus 15 saarländischen gymnasialen Oberstufen gemeinsam eine Petition auf der Internet-Plattform change.org untergebracht, um den Bildungsminister und die verantwortlichen Lehrer zu einer Anhebung der Noten oder zu einer anderen Gewichtung der Hörverstehensprüfung im Vergleich zur Englisch-Abitur-Klausur zu bewegen. Unter der Überschrift „Abiturprüfung im Saarland war unangemessen!“ hatten bis gestern Nachmittag knapp 1800 Personen zugestimmt. Die Petenten beschreiben auf der Internetseite eindringlich, wie schwierig es war, die gestellten Aufgaben korrekt zu erfüllen. Manche der Abiturienten hätten die Aufgaben wegen der Probleme „gar nicht bearbeiten“ können. Selbst Schüler, die bereits über ein Cambridge-Zertifikat verfügten, hätten erhebliche Probleme beim Hörverstehen gehabt. Und auch einige Englisch-Muttersprachler unter den Geprüften konnten den Anforderungen demnach nicht gerecht werden.



Nach Angaben des Bildungsministeriums hatten 2269 Schülerinnen und Schüler an der Englisch-Hörverstehens-Prüfung im Saarland teilgenommen. Und darauf hingewiesen, dass bei der Internet-Petition nicht nur die betroffenen Schülerinnen und Schüler ihren Haken machen könnten, sondern weltweit jedermann.

Vertreter der Petition, die aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes anonym bleiben wollen, aber der SZ bekannt sind, erklärten nach Bekanntgabe der Entscheidung der Korrektoren-Konferenz: „Es ist relativ komisch, dass das Ergebnis so ausgefallen ist.“ Denn nach Erkenntnissen dieser Schülerinnen und Schüler hätten sich auch saarländische Englisch-Fachlehrer kritisch zum Schwierigkeitsgrad der vorgegebenen Aufgaben geäußert. „Dass das Votum der Korrektoren-Konferenz vor diesem Hintergrund einstimmig gefasst wurde, macht uns nachdenklich“, hieß es. Aus den Reihen der Verfasser der Petition wurde eingewandt, dass die Haltung der Korrektoren-Konferenz, die Einwände nicht zu berücksichtigen, „unglaubwürdig“ sei.

Während die Zahl der Unterzeichner der Petition im Internet weiter wächst, wollen sich die Verfasser nun zunächst beraten und dann über ihr weiteres Vorgehen entscheiden.

Viele Englisch-Abiturienten des Jahrgangs 2013 werden mit den jetzigen Abiturienten fühlen können. Auch bei ihnen waren Probleme beim Hörverstehen aufgetreten, als die Stimme eines Englisch sprechenden Inders den Schülern Kopfzerbrechen bereitete. Eine Online-Petition wurde damals etwa 400 Mal geklickt. Sogar der Sprecher der SPD-nahen Elterninitiative für Bildung, Bernhard Strube, machte sich vor fünf Jahren für die Schüler stark. 2012 hatte es bei den schriftlichen Englisch-Prüfungen Fehler im Aufgabentext gegeben, die von der Korrektoren-Konferenz berücksichtigt wurden.