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Orthodoxe Gesangskultur

Wolfersweiler. Die vier sonoren Stimmen des Moskauer St.-Daniels-Chors erfüllten den Altarraum der evangelischen Kirche mit Leichtigkeit. Das russische Solistenensemble präsentierte zum vierten Mal ein Konzert mit gottesdienstlichen Sätzen und geistlichen russischen Volksweisen in Wolfersweiler. "Wir kommen sehr gerne hierher", sagte Vladislav Belikov, der Chef des Ensembles Von SZ-Mitarbeiter Frank Faber

Wolfersweiler. Die vier sonoren Stimmen des Moskauer St.-Daniels-Chors erfüllten den Altarraum der evangelischen Kirche mit Leichtigkeit. Das russische Solistenensemble präsentierte zum vierten Mal ein Konzert mit gottesdienstlichen Sätzen und geistlichen russischen Volksweisen in Wolfersweiler. "Wir kommen sehr gerne hierher", sagte Vladislav Belikov, der Chef des Ensembles. Er und Pfarrer Jörg Grates kennen sich schon seit 20 Jahren. "Sie sind schon in meiner alten Gemeinde in Wickenrodt aufgetreten", erzählte Pfarrer Grates.Der gut einstündige Konzertabend in Wolfersweiler war der vorletzte Auftritt des Quartetts während ihrer Deutschlandtournee. "Wir durften dabei auch zwei Mal Weihnachten feiern. Zuerst nach der westlichen Tradition, dann am 7. Januar, an dem die orthodoxe Kirche nach dem julianischen Kalender das Weihnachtsfest feiert", berichtete Chorleiter Belikov.


Den geistlichen Teil eröffneten sie mit dem Schöpfungspsalm "Lobe den Herrn, meine Seele". Die Leidenschaft eines tiefgläubigen Menschen skizzierte das Bußgebiet "Abendopfer" aus der Feder von Pavel Grigoriviech Chesnokow. In der altrussischen Klostervertonung dominierte Sergey Eliseevs schwermütige Baritonstimme. "Sehr ergreifend. Ich habe fantastische Stimmen gehört, die mich zu Tränen gerührt haben", beschrieb der langjährige Chorleiter Klaus Schweig aus Gimbweiler seine Eindrücke. Die liturgische Vertonung von Sergei Rachmaninows "Ave Maria" bestach durch die Farbigkeit der Melodiebögen. Als Symbol der Länder Deutschland und Russland interpretierten die Vokalisten die Version des "Großen Zapfenstreichs" von Dimitri Stepanovich Bortniansky. "Mit seinem Konzert will der Chor ja auch immer ein Zeichen der Einheit und der kirchlichen Konfessionen setzen", meinte Pfarrer Grates. Melancholisch verträumte russische Volksweisen prägten den zweiten Konzertabschnitt. "Wir sind aber kein Kosaken-Chor und singen nicht Kalinka", verdeutlichte Ensemblechef Beliakov. Die tiefe Bassstimme von Sergey Arkhangelskiy prägte das "Sibirische Steppenlied".

"Die Akustik hier in der Kirche hilft uns sehr beim Singen", erklärte Beliakov. Eine andere Version von Rachmaninows "Ave Maria" setzte den Schlusspunkt der Gesangskultur aus der orthodoxen Kirche. "Das Gehörte ist mit Worten für mich nicht zu beschreiben", sagte der überwältigte Konzertbesucher Manfred Lambert aus Namborn. Ihn hatte der Chor, wie die grandiosen Soli der Sänger gleichermaßen tief beeindruckt. "Und alle singen ohne Noten", sagte er noch. Belikov bedankte sich natürlich beim Publikum. Das geistliche Stündchen sei eine sehr schöne Begegnung gewesen. "Aus den einst gern gesehenen Gästen sind für uns längst gute Freunde geworden", stellte Pfarrer Grates abschließend fest.