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Öfter mal eine Auszeit

In den Kneipen und Restaurants der Saarlouiser Altstadt fühlt sich Reiner Calmund besonders wohl. Fotos: Dietze/dpa
In den Kneipen und Restaurants der Saarlouiser Altstadt fühlt sich Reiner Calmund besonders wohl. Fotos: Dietze/dpa
Saarlouis. Vor einem Jahr zog Reiner Calmund überraschend ins Saarland. In der neuen Heimat fühlt sich das Fußball-Schwergewicht rundum wohl. Auch wenn sein Terminkalender immer noch voll ist, ist der Manager schon etwas zur Ruhe gekommen. lrs

Reiner Calmund kommt kaum voran, ob im Saarlouiser Altstadt-Restaurant "Auberge Marechal Ney" oder beim Beach-Sports-Festival am Rande der Stadt. Das liegt weniger an seinem Körperumfang. Immer wieder muss er für ein Foto posieren - mal mit jungen Mädels, mal mit gestandenen Männern, mal mit betagten Senioren. Dennoch ist die Hoffnung, die der rastlose 64-Jährige und seine mehr als 20 Jahre jüngere Frau Sylvia mit ihrem Umzug von Köln ins Saarland verbunden haben, aufgegangen. "Entschleunigung ist schwer", sagt Calmund. "Aber hier sind wir glücklich."

Der Terminkalender des Ex-Fußballmanagers und TV-Moderators ist weiter prall gefüllt. Der Rheinländer reist immer noch durch die Republik: Talk-Shows, Kochshows, Interviews, Fernsehauftritte und Wohltätigkeits-Veranstaltungen. Jetzt nimmt er sich aber längere Pausen bei der Familie. "Er nimmt sich viel häufiger eine Auszeit. Hier kann er nicht mal kurz was dazwischenschieben", sagt seine Frau Sylvia.

Klar kann "Calli" auch im Saarland nicht einfach über die Straße gehen, ohne erkannt und fürs gemeinsame Foto gestoppt zu werden. "Aber das tut er gern. Und er weiß, dass der Fußball nichts ohne die Leute ist", sagt sein Freund und Manager Klaus Hoffmann. "Die Menschen sind weniger aufdringlich als im Rheinland", hat Calmund festgestellt. Und vor allem ist er im Kölner Raum "stark vernetzt" und konnte zum Schluss dort kaum mehr zur Ruhe kommen. "Ich kann schlecht Nein sagen", weiß der 64-Jährige um seine Schwäche.

Mit Saarlouis hat sich Calmund schon intensiv beschäftigt. Gern führt er Gäste durch die Altstadtgassen, wo sich unweit seines neuen Domizils Restaurants und Kneipen aneinanderreihen. Mit Leidenschaft erzählt er die Geschichte der früheren Garnisonsstadt. Stolz zeigt er das als Restaurant genutzte Geburtshaus von Napoleons Marschall Ney und die alten Festungsanlagen. Essen ist die große Leidenschaft des Rheinländers. Dabei fühlt er sich im Dreiländereck gut aufgehoben. Schließlich gibt es im Saarland nicht nur die größte Dichte an Sterneköchen, sondern der Genuss wird hier auch insgesamt hochgehalten. Für Calmund steht seine alte Freundin Lea Linster aus Luxemburg immer noch an der Tabellenspitze der Spitzenköche, gefolgt von Christian Bau (Perl-Nenning) und Klaus Erfort (Saarbrücken). Aber für den Genuss muss es für ihn nicht immer vom Feinsten sein. "Die Stimmung und das Ambiente ist für mich das Wichtigste." Er genießt genauso das Essen in einfacheren Restaurants. Auch eine Lieblingswurst hat Calmund im Saarland schon gefunden: die "grobe Bratwurst" aus der Metzgerei im Saarlouiser Kaufhaus Pieper.

Zum Familienglück trägt jetzt maßgeblich seine knapp dreijährige Adoptivtochter bei. Die schwarzäugige Nisha haben seine dritte Frau Sylvia und der bereits fünffache Vater bei einem Besuch in einem thailändischen Waisenhaus ins Herz geschlossen und Anfang des Jahres nach Saarlouis geholt.

Gewichtsmäßig bekommt dem bekennenden "Vielfraß" das Saarland "nicht gut". Aber dafür speckt er nach eigenen Worten immer wieder in Thailand ab, wenn er sich der 150-Kilo-Marke nähert. Dort besucht er zwei bis dreimal im Jahr Freunde, schwimmt nach eigenem Bekunden täglich im 60-Meter-Pool und speist zum Frühstück "Obst statt Eier und Speck". "Da nehme ich wieder 10 Kilo ab, ohne mich einzuschränken", freut sich Calmund auf seine gerade wieder anstehende fernöstliche Reise.


Calmund an der Theke der „Auberge Marechal Ney“ in Saarlouis.
Calmund an der Theke der „Auberge Marechal Ney“ in Saarlouis.