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Nur die Prärieauster ist ihr ein Greuel

Wimper für Wimper wird aus Sarah Bowden Sally Bowles. Fotos: Rolf Ruppenthal
Wimper für Wimper wird aus Sarah Bowden Sally Bowles. Fotos: Rolf Ruppenthal
Merzig. „Sally Bowles und ich haben viel gemeinsam“, sagt Darstellerin Sarah Bowden, die seit Mittwoch im Musical „Cabaret“ im Zeltpalast in diese Rolle schlüpft. „Wir lieben das Theater – und Berlin“, sagt die Australierin. Von SZ-Redakteurin Margit Stark

Der "liebe Herr" treibt Tiiu Luht unmittelbar vor die Bühne. Reichen die falschen Wimpern aus? Braucht Sally Bowles noch ein bisschen mehr Schminke? Fragen, die das grelle Scheinwerferlicht der versierten Maskenbildnerin auf Anhieb beantwortet. Die Norwegerin setzt auf Perfektion - nicht nur, weil Sarah Bowden erstmals bei der SZ-Aufführung im Merziger Zeltpalast spielt - neben Vasiliki Roussi die Zweite, die in die Rolle der Sally Bowles schlüpft. Die blonden Haare unter einer pechschwarzen Bubikopf-Perücke versteckt, die typische Frisur der frühen 30er Jahre, ebenso wie die Kopfbedeckung mit viel Glitzer, hochhackige Kurzstiefel mit Gold, nur das graue T-Shirt und die schwarze Hose hat die Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin noch nicht mit ihren "Cabaret"-Outfits vertauscht.

"A tiger is a tiger, not a lamb, mein Herr - ein Tiger ist ein Tiger, kein Lamm, mein Herr": Temperamentvoll, frech, erotisch, frivol schmettert die Australierin den berühmten Song aus dem Musical - eine Interpretation, die Bowden prompt das Kompliment des musikalischen Leiters Achim Schneider einbringt. "Sally Bowles ist eine Traumrolle", verrät die zierliche 30-Jährige. Zwar mag sie sich mit der Prärieauster, jenem legendären Kater-Vertreiber aus rohem Ei und Worchester-Sauce nicht anfreunden, wie sie gesteht. "Doch auf der Bühne schlucke ich das Zeug tapfer runter. Was tut man nicht alles für die Kunst?", lacht sie. "Ich trinke es bis einschließlich 26. August. So lange spiele ich hier die Sally." Die Figur, so findet sie, "ist so wie ich. Sie liebt das Theater, das Tanzen, das Singen".

Und noch etwas hat sie mit der Figur aus dem Broadway-Musical gemeinsam: "Ich lebe in Berlin, nur zwei Straßen vom Nollendorfplatz entfernt, wo Christopher Isherwood, der Autor von ‘Cabaret', gewohnt hat." Vor fünf Jahren ist die Weltenbummlerin, die in New York, Tokio und Toronto lebte, in die Bundeshauptstadt gekommen und hat sich auf Anhieb in die Metropole verliebt. "Ich hatte in London ein Engagement als Dance-Captain in Miami Night. Da hatten wir ein Gastspiel in dieser Stadt." Den kleinen englischen Akzent verleugnet sie nicht. "Ich rede gerne Deutsch. Ich liebe diese Sprache, ich habe auch ein Gefühl dafür", sagt die Tochter einer Malteserin und eines Australiers. Ob in "Kiss me Kate", "We will rock you", "Tanz der Vampire" oder "Ball im Savoy": In vielen Stücken stand sie in der Komischen Oper in Berlin auf der Bühne. Engagements hatte sie auch am Theater des Westens.

Ab kommendem Montag wird sie zwischen Wien und Merzig pendeln. Dann beginnen im Josefstadt-Theater die Proben für die deutsche Uraufführung für "Catch me, if you can". "In den nächsten zwei Wochen geht es überkreuz mit wenig Schlaf und ständig auf Tour. Aber ich liebe es, so zu arbeiten", verrät die junge Frau. "Premiere ist am 24. Oktober", sprudelt es aus der Darstellerin heraus, deren Traumrolle neben Sally Bowles Roxanne in dem Musical "Chicago" ist. Danach wird sie wieder in ihrer Wahlheimat Berlin arbeiten - in "Clivia". "Für die komische Oper hebt sich am 8. März kommenden Jahres der Vorhang." Gerne würde die Assistentin von Choreograf Christopher Tölle im kommenden Jahr ins Merziger Opernzelt zurückkehren. "Wer weiß, welches Musical dann aufgeführt wird. Vielleicht gibt es auch eine Rolle für mich." Denn ein bisschen verliebt hat sich die sympathische Darstellerin auch in diese Region. "Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir sehr."

www.sarahbowden.de



Temperamentvoll und erotisch spielt die Australierin die Rolle.
Temperamentvoll und erotisch spielt die Australierin die Rolle.