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Noch Ruhe im Storchen

Homburg. Man schrieb den Januar 2012. Rund um den historischen Marktplatz schien sich in Sachen Belebung einiges zu tun: Pächter Chris Clemens übernahm das Stadtcafé im alten Rathaus. Der Saarpfalz-Kreis, die Kreissparkasse und die Stadt Homburg offenbarten: "Wir haben gemeinsam den Storje gekauft" - so Landrat Clemens Lindemann damals Von Merkur-Mitarbeiter Thorsten Wolf

Homburg. Man schrieb den Januar 2012. Rund um den historischen Marktplatz schien sich in Sachen Belebung einiges zu tun: Pächter Chris Clemens übernahm das Stadtcafé im alten Rathaus. Der Saarpfalz-Kreis, die Kreissparkasse und die Stadt Homburg offenbarten: "Wir haben gemeinsam den Storje gekauft" - so Landrat Clemens Lindemann damals. Nun, zwölf Monate später, sieht es in Sachen "attraktiver historischer Marktplatz" eher mau aus. Chris Clemens hat, verbunden auch mit Kritik an mangelnder Unterstützung seitens der Stadt, das Stadtcafé aufgegeben (wir berichteten). Und der "Storje" ist immer noch das, was er schon (zu) lange ist: ungenutzt.



Beim Saarpfalz-Kreis nahm man zum Stand des Projektes "Storchen" so Stellung: "Es ist zu Beginn des Monats Februar ein Treffen zwischen den Beteiligten, der Kreissparkasse Saarpfalz, der Stadt Homburg und dem Saarpfalz-Kreis geplant. Dort werden wir die grundsätzliche Konzeption beschließen." Im Anschluss soll mit den Planungen "und, auf alle Fälle in diesem Jahr, auch mit den Bauarbeiten begonnen werden", so Lindemann. "Detailliertere Auskünfte wird es in der ersten Hälfte Februar geben können. Alle Beteiligten haben das Ziel, das Projekt so schnell wie möglich umzusetzen." Im Ergebnis sei die Revitalisierung des Gasthauses "Zum Storchen", verbunden mit Ausstellungsräumen zur Geschichte der Stadt und der Freiheitsbewegung in der Region sowie eine Schließung der Baulücke, vorgesehen. Lindemann: "Aber alles Nähere im Detail wird Anfang Februar der Öffentlichkeit vorgestellt werden." Man darf also gespannt sein, wann der "Storje" wieder fliegt.

Unterdessen ringt die Stadt Homburg auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes um den Erhalt des Stadtcafés. Pressesprecher Jürgen Kruthoff blickte im Gespräch mit unserer Zeitung zurück und nach vorne. "Natürlich bedauern wir es außerordentlich, dass Chris Clemens' Engagement gescheitert ist. Das ist wirklich schade." Die unterschwellige Kritik, die Stadt habe sich zu wenig engagiert, könne man aber so nicht stehen lassen. So habe man aufgrund des bestehenden Denkmalschutzes keine Möglichkeit, das Café baulich umzugestalten. "Das werden wir in Zukunft wohl kaum ändern können." Das Stichwort hier: ein offener Zugang mit Einsehbarkeit des Cafés von außen. Ungeachtet dieser Schwierigkeiten sei man aber aktiv damit befasst, erneut eine Verpachtung an einen Gastronomen zu verwirklichen. Kruthoff: "Oberbürgermeister Karlheinz Schöner, Wirtschaftsförderin Dagmar Pfeiffer und der Beigeordnete Rüdiger Schneidewind haben, seit bekannt wurde, dass Chris Clemens das Stadtcafé verlässt, intensive Gespräche geführt."

Nach eben solchen mit der Altstadtgemeinschaft sei klar gewesen, dass man es weiterhin mit Gastronomie versuchen möchte. "Das ist Konsens. Und es gibt auch mehrere Interessenten, mit denen man jetzt konkret im Gespräch ist." Wer diese Interessenten sind, konnte Kruthoff nicht sagen. Nur so viel: "Die Bewerber, die es jetzt gibt, wollen, wenn sie zum Zuge kommen, kurzfristig eröffnen. Wenn also in den nächsten Wochen eine Entscheidung fällt, kann nach gewissen Umbaumaßnahmen zeitnah eine Wiedereröffnung erfolgen."

Meinung

Dornröschen muss aufwachen

Von Merkur-MitarbeiterinUlrike Stumm

Irgendwie tut sich Homburg mit seiner Altstadt schwer. Da kann die Stadt einen schnuckeligen Marktplatz mit historisch-ansehnlichen Häusern samt umliegenden Gassen plus Schlossberg vorweisen, doch außer den Einheimischen, die ohnehin hier unterwegs sind, bekommt das so richtig niemand mit. Nun schläft nicht nur der Stadtkern insgesamt (meistens) seinen Dornröschenschlaf, sondern auch die beiden Häuser, in die eine gute Kneipe, ein schönes Restaurant, ein ansprechendes Café passen könnten. Doch während der Storchen bisher gar nicht erst aufwacht, scheitert ein Prinz nach dem anderen beim Versuch, dem Stadtcafé Leben einzuhauchen. Hier sind gute Konzepte gefragt und ausreichend Startkapital, damit man erste Durststrecken überwinden kann. Schließlich müssen sich die Menschen erst wieder daran gewöhnen, dass man sich hier niederlassen und genießen kann. Und ein bisschen Werbung für Homburg überhaupt könnte auch nicht schaden.