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Gesundheit
Neues Ethik-Komitee berät Ärzte und Pfleger im Saarland

Saarbrücken. Ein zwölfköpfiges Team der Ärztekammer soll Medizinern bei Fragen im Zusammenhang mit der Betreuung schwerstkranker Patienten helfen. Von Mauritius te Dorsthorst

In der Betreuung schwerkranker Patienten stehen Ärzte oft alleine vor der Frage, wie sie angemessen mit den Bedürfnissen der Betroffenen umgehen sollen. Oder ob die Behandlung überhaupt noch sinnvoll ist. Auch angesichts der technischen Möglichkeiten, das Leben von Patienten künstlich zu verlängern. Doch das entspricht nicht immer dem Willen der Erkrankten. „Das betrifft nicht nur Menschen am Lebensabend, sondern kann auch in der Lebensmitte eintreten“, erklärt Dr. Bernhard Leyking, Mitglied des Vorstandes der Saar-Ärztekammer. „Etwa bei einer Chemotherapie oder lebensnotwendigen Transfusionen.“


Bislang hatten Ärzte und Pfleger in solchen Fragen niemanden, an den sie sich wenden konnten. Aber Leyking ist es gelungen, ein ambulantes Ethik-Komitee im Saarland aufzubauen. Zu seinem zwölfköpfigen Team gehören Haus- und Fachärzte, Pflegekräfte sowie ein Jurist und ein Theologe. Bisher gibt es in Deutschland erst wenige dieser Einrichtungen.

Im Wesentlichen richtet sich das Komitee an den jeweils behandelnden Arzt. Meist ist das der Hausarzt. Hieraus ergibt sich auch der Unterschied zur klinischen Ethikberatung, die meist in Krankenhäusern und nach klaren Richtlinien verläuft. Denn die ambulante Ethikberatung könne besser auch die individuellen Wünsche der Patienten und Angehörigen mit aufnehmen. „Häufig sind Hausärzte oder Pfleger viel näher am Patienten dran und kennen dadurch die Bedürfnisse besser“, sagt Leyking. Außerdem finden so auch religiöse oder moralische Bedenken Gehör. „Auch die Autonomie von Menschen mit Behinderungen“ könne ein solches Angebot berücksichtigen.



Beispielsweise könnten sich Ärzte an das Komitee wenden, wenn sie einen Patienten haben, der aufgrund seiner Erkrankung oder seines Alters nicht mehr essen will. Immer mal wieder, so Leyking, „werden Ärzte mit dem falschen Vorwurf von Angehörigen konfrontiert, sie hätten deren Mutter oder Vater verhungern lassen“. „Dies setzt die behandelnden Ärzte erheblich unter Druck“, so der Mediziner, „wir können dann im Einzelfall eine Empfehlung aussprechen“. Hier soll das neue Ethik-Komitee der Ärztekammer Entlastung schaffen.