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Neubau der Talbrücke soll 2030 beendet sein
Neue Risse im Fechinger Brückenstahl

Am 14. März fällt die Entscheidung, ob der Denkmalschutz für die Fechinger Talbrücke – hier eine Aufnahme von April 2016 – aufgehoben wird.
Am 14. März fällt die Entscheidung, ob der Denkmalschutz für die Fechinger Talbrücke – hier eine Aufnahme von April 2016 – aufgehoben wird. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Verkehrsministerin Rehlinger gibt Entwarnung: „Die Sicherheit ist nicht in Gefahr“. Der Neubau soll bis 2030 fertig gestellt sein. Von Dietmar Klostermann

Die Fechinger A-6-Talbrücke bleibt das Dauerthema auf der Tagesordnung von Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD). „Wir haben bei unserem engmaschigen Prüfrhythmus an der Brücke auffällige Stellen gefunden“, sagte Rehlinger gestern vor Medienvertretern in ihrem Hause. Dabei handele es sich um Risse im Brückenstahl. „Die Sicherheit ist nicht in Gefahr“, betonte Rehlinger, die an Gründonnerstag 2016 die Talbrücke wegen der „Einsturzgefahr“ komplett dicht gemacht hatte. Bis zur Wiedereröffnung des Verkehrs nach Stützungsarbeiten im Herbst 2016 hatte besonders die Bürger im Saarbrücker Vorort Fechingen unter der erheblichen Verkehrslast auf den Umleitungen gelitten.


Die neuen Risse seien nicht unerwartet gekommen, so Rehlinger. „Wir haben das intensiv mit zerstörungsfreien Prüfverfahren untersucht“, betonte die Verkehrsministerin, die 2016 ihren Osterurlaub unterbrechen musste, um das durch die Brückenschließung entstandene Verkehrschaos rund um Saarbrücken zu managen. Auswirkungen der neuen Risse auf die Standsicherheit seien nicht zu erwarten. „2013 bei der letzten großen Prüfung waren die Risse noch nicht aufgefallen“, erklärte Rehlinger. Erst im Herbst 2017 hätten die Gutachter von zwei unabhängigen Büros die Risse entdeckt. „Daher kann man nicht exakt sagen, wann die Risse entstanden sind,“ erklärte die Sozialdemokratin aus Wadern. Der Vize-Chef des Neunkircher Landesbetriebs für Straßenbau (LfS), Werner Nauerz, sagte, dass die Schäden an den Stahlteilen derzeit ausgebessert würden. „Die Brücke ist an ihrem Lebensende angekommen“, sagte Rehlinger. Deshalb werde jetzt auf den Abriss und Neubau zugearbeitet.

Am 14. März steht eine wichtige Entscheidung im Landesdenkmalrat bevor. „Wir haben zusammen mit dem Landesdenkmalamt einen Antrag auf Aufhebung des Denkmalschutzes des Brücke an den Landesdenkmalrat gestellt“, erklärte die Verkehrsministerin. Seit 2010 stehe die 1963/64 erbaute Fechinger Autobahnbrücke unter Denkmalschutz. Und dass nicht etwa wegen der oft zitierten filigranen Stahlträger, sondern weil die Brücke „rechnergestützt“ erstellt worden sei, betonte Rehlinger. Welcher Groß-Computer vor 55 Jahren zum Einsatz gekommen ist, konnte Rehlinger nicht beantworten. Man habe durch die Computer-Berechnungen damals sparsamer bauen können, so Rehlinger. Jetzt sei jedoch der Verschleiß am Beton-Überbau der Brücke so groß, dass man nichts mehr zur Rettung des Bauwerks unternehmen könne.

Wenn der Landesdenkmalrat grünes Licht für den Abriss gibt, plant das Verkehrsministerium mit 126 Millionen Euro, die zum größten Teil der Bund zahlt, einen Neubau, der bis 2030 fertig gestellt sein soll. Dabei hat man sich für die Variante entschieden, den Neubau im inneren Radius der bisherigen Brücke zu errichten. „Ab 2024 wollen wir den ersten Teil des Neubaus beginnen“, sagte Rehlinger. Dieser Neubau solle bis 2026 fertig gestellt sein und jeweils zwei Spuren für jede Richtung aufweisen. Wenn dieser Teil steht, soll die alte Brücke abgeissen werden und an ihrer Stelle der zweite Teil der Brücke, ebenfalls vierspurig, errichtet werden.

„Wir werden uns nah an den Fechinger Friedhof begeben. Dort ist nur ein Baumgrab von den Baumaßnahmen betroffen“, erklärte LfS-Mann Nauerz. Man werde eine Stützmauer zum Friedhof hin errichten, umso wenig Friedhofsfläche wie möglich abknapsen zu müssen. Alle anderen Varianten der Brückenplanung hätten zur Folge gehabt, dass sowohl die Tankstelle als auch der Netto-Markt unter der Talbrücke hätten aufgegeben werden müssen.



Mit den Arbeiten am neuen Autobahnzubringer werde bereits ab 2022 begonnen, hieß es. Dieser werde in Richtung des Gartenbaubetriebs Storb versetzt, so dass auch eine neue Brücke über den Saarbach dazu komme. „Diese Umgestaltung der Anschlussstelle ist nicht ganz trivial“, räumte Rehlinger ein. Das lässt darauf schließen, dass die Planer hier mit Problemen auch bei den Anwohnern rechnen.

Probleme kann auch noch die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bereiten, die nach Rehlingers Angaben bereits eingeleitet ist. Denn hier gilt es eine Vegetationsperiode zu beobachten. „Ein Rotmilan ist noch nicht gesichtet worden“, erklärte Rehlinger auf SZ-Anfrage. In der Vergangenheit hatte das Vorkommen dieser seltenen Greifvögel manches Großprojekt im Windkraftanlagenbau gebremst oder verhindert. Die neue Brücke wird mit 423 Metern sogar noch um 23 Meter länger als die fast 55 Jahre alte Brücke, sagte LfS-Experte Nauerz.

„Der Neubau der Brücke soll bsondere Architekten- und Ingenieur-Leistungen zur Geltung bringen“, betonte Rehlinger. Der Bund habe die „erhöhte Baukultur“, mit der die neue Brücke glänzen solle, genehmigt. Eine „Fach-Jury“, die das Ministerium einsetze, werde über den Gewinner der Ausschreibung entscheiden. Wer in der Jury sitzen werde, stehe noch nicht fest. „Wir wollen den Wettbewerb jedoch bis zum ersten Quartal 2019 abschließen“, betonte Rehlinger. Das Planfeststellungsverfahren solle im Benehmen mit den betroffenen Kommunen bis Ende 2019 abgeschlossen sein, so dass die Vergabe der Aufträge an die Bauunternehmen beginnen könne.

Die Fechinger A-6-Talbrücke bleibt ihr Sorgenkind: Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD).
Die Fechinger A-6-Talbrücke bleibt ihr Sorgenkind: Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD). FOTO: dpa / Harald Tittel