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Neue Impulse für das Dorfleben

Urexweiler. Obwohl der Vetter Hanjob schon viele Jahrzehnte tot ist, lebt er in der Erinnerung der Urexweiler weiter. Nicht nur, dass die Einwohner scherzhaft "Die Hanjobbe" genannt werden. Die Gestalt des lebenslustigen Bäckers und Gastwirts ist wohl tagtäglich im Gespräch Von SZ-Mitarbeiter Gerhard Tröster

Urexweiler. Obwohl der Vetter Hanjob schon viele Jahrzehnte tot ist, lebt er in der Erinnerung der Urexweiler weiter. Nicht nur, dass die Einwohner scherzhaft "Die Hanjobbe" genannt werden. Die Gestalt des lebenslustigen Bäckers und Gastwirts ist wohl tagtäglich im Gespräch. Das trifft umso mehr zu, als im August vergangenen Jahres ein neuer Verein mit dem Namen "Hanjobs Dorfkultur" gegründet worden ist. Kein Geringerer als der Ur-Ur-Enkel des Vetter Hanjob hat den Vorsitz übernommen: Benjamin Staub. Seit Jahren ist er der Mann, der beim Beginn des Urexweiler Dorffestes das erste Fass Bier anschlägt."Wir waren ein Freundeskreis", erzählte der Vereinschef beim Besuch der SZ von den Hintergründen, wie es zu dem jüngsten Urexweiler Verein kam. "Auslöser war unser Dorffest, das in den vergangenen Jahren ein wenig geschrumpft ist. Wir wollen mithelfen, dass es auch in Zukunft erhalten bleibt."


So lag es nahe, dass der junge Verein seine erste Aktivität beim Dorffest 2011 entfaltete. Die Mitglieder und einige Freunde betrieben einen Getränkestand, für den der Karnevalverein seinen Pavillon zur Verfügung stellte. "Dafür haben wir uns dann bei der Kappensitzung revanchiert und beteiligten uns mit elf Personen und einer Dunkelnummer mit ultraviolettem Licht am Programm", erzählte Benjamin Staub. Dazwischen lag die Teilnahme mit einem Stand beim Weihnachtsmarkt im Brühl. Vorstandsmitglied Benjamin Groß hatte für die Namensgebung des Vereins eine plausible Erklärung: "Wir haben ganz bewusst den Hanjob gewählt. Er ist die Ikone des Dorfes, in Stadt und Land ist er bekannt und Teil unserer Kultur. Als Logo tragen unsere T-Shirts natürlich den Kopf des Hanjob."

In der Satzung ist festgelegt, dass sich der Verein die Förderung der Dorfkultur zum Ziel gesetzt hat. Diese allgemeine Formulierung ist inzwischen bereits ein wenig präzisiert worden. Neben der Mitgestaltung des Dorffestes will sich der Verein das Jahr über an Veranstaltungen und Vereinsfesten beteiligen und sie mitgestalten und den Zusammenhalt der Dorfjugend aktiv vorantreiben. Außerdem ist für Sommer ein Fest unter dem Motto "Straßenspiele der Kinder früher" vorgesehen. Dabei soll es Klickerspiele und Schnitzeljagden geben und "Hippelhäuschen" und "Kohlenklau" gespielt werden, nicht nur von den Kindern von heute, sondern auch von den Kindern von damals, die inzwischen erwachsen sind. Schatzmeister Oliver Bard ist mit seinen Vereinskollegen derzeit eifrig am Sammeln früherer Spiele: "Wir sind dankbar, wenn wir von älteren Bürgern noch ein paar Tipps bekommen, was die Kinder früher draußen gespielt haben."



Aus sieben Vereinsmitgliedern bei der Gründung sind inzwischen 15 geworden. "Hanjobs Dorfkultur" ist Mitglied im Urexweiler Vereinsring, wo "wir freundlich aufgenommen worden sind", bemerkte Benjamin Staub.

hanjobs-dorfkultur.de

Hintergrund

Der "Exweller Hanjob" hieß mit vollem Namen Johann Jakob Dörr. Er kam am 5. Mai 1845 als jüngstes von zehn Kindern zur Welt. Seine Eltern betrieben eine Bäckerei und eine Gastwirtschaft. 1879 heiratete er Margarethe Recktenwald aus dem Dorf. Das Ehepaar hatte 13 Kinder. Sechs davon starben früh. In zweiter Ehe heiratete er Maria Behles aus Weiskirchen. Auch sie schenkte ihm 13 Kinder, von denen acht frühzeitig starben. Bis 1910 betrieb der Hanjob, wie er genannt wurde, in Urexweiler eine Bäckerei und bis 1917 das Gasthaus Zum Bahnhof. Dieser Name kam 1890 auf. Verwundert fragten ihn die auswärtigen Gäste oft, warum die Wirtschaft Zum Bahnhof heiße, obwohl Urexweiler keine Bahnstation habe. Vetter Hanjob konnte es erklären: Zu allen Bahnhöfen in der Umgebung sei es von hier aus zwei Stunden Fußweg. Johann Jakob Dörr war eine Frohnatur, ein Freund der Kinder und ein begeisterter Musiker.

Viele Geschichten ranken sich bis heute um seine Person. Eine davon erzählt von dem Pastor Johann Heinrich Schwaab, der einmal mehrere Mitbrüder im Pfarrhaus zu Besuch hatte. Die geistlichen Herren hätten das Dorforiginal gerne kennengelernt und ließen ihn rufen. Der Hanjob wollte jedoch nicht kommen, weil er gerade beim Backen war. Erst auf Drängen des Pastors ging er im Bäckergewand dann doch in das Pfarrhaus. Die Dorfchronik schreibt dazu: "Es ergab sich eine lustige Plauderei, und erst der Abschied brachte das, worüber Pfarrer Schwaab noch nach Tagen lachte. Der Hanjob sagte beim Händedrücken: ,Dann muss ich Euch ja auch mei Sege genn'. Und flugs streute er eine Handvoll Mehl über die schwarz gekleideten Gäste." gtr

Auf einen Blick

Der Vorstand des Vereins "Hanjobs Dorfkultur": Vorsitzender Benjamin Staub, stellvertretender Vorsitzender Matthias Burg, Schatzmeister Oliver Bard, Schriftführer Michael Kurpas, Beisitzer Benjamin Groß, Tanieff Mansmann und Daniel Spang. gtr