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Neue Funde für Hütten-Archiv

Dillingen. Viele Dillinger sind einem Aufruf der Dillinger Hütte gefolgt, anlässlich des 325. Geburtstags der Hütte, persönliche Erlebnisse oder Eindrücke zu schildern. "Wir hatten erstaunlich viel Rücklauf", berichtet Antje Fuchs, Historikerin und Archivarin der Dillinger Hütte. Etwa 30 Rückmeldungen habe es gegeben, vor allem von Frauen Von SZ-Redakteurin Dörte Grabbert

Dillingen. Viele Dillinger sind einem Aufruf der Dillinger Hütte gefolgt, anlässlich des 325. Geburtstags der Hütte, persönliche Erlebnisse oder Eindrücke zu schildern. "Wir hatten erstaunlich viel Rücklauf", berichtet Antje Fuchs, Historikerin und Archivarin der Dillinger Hütte. Etwa 30 Rückmeldungen habe es gegeben, vor allem von Frauen. Die älteste Zeitzeugin feiert im Jubiläumsjahr ihren 90. Geburtstag. Fuchs: "Die Frauen haben oft nur kurz hier geschafft und davon erzählt."Immer wieder erstaunt die Mitarbeiter, wie sehr sich die Menschen auch nach Jahrzehnten noch mit der Dillinger Hütte identifizieren. Das ist auch einer der Punkte, den Klaus-Peter Otto, Direktor Bildung und Interne Kommunikation bei der Dillinger Hütte und Leiter des Projektes 325 Jahre Dillingen, in der Chronik herausheben will. Otto: "Es gibt wenige Unternehmen, die so alt geworden sind. Schon gar nicht in unserer Region." Immer an einem Standort, mit demselben Namen und dem Stadtnamen im Firmennamen und mit einer kontinuierlichen Produktion seien Grund genug, stolz auf die Hütte zu sein.Diese Ansicht scheint auch früher schon verbreitet gewesen zu sein, weis Nicole Munninger, verantwortlich für interne Kommunikation. Munninger: "Eine Dame war bei uns. Sie hat selbst in der Abnahme der Hütte gearbeitet. Dann wollte sie einen selbstständigen Schreinermeister heiraten. Ihre Mutter war mit der Wahl der Tochter aber gar nicht zufrieden. Sie solle lieber einen von der Hütte heiraten. Das wäre eine bessere Partie." Sie sei aber bei ihrem Schreinermeister geblieben.Neben vielen kleinen Erzählungen gab es auch zwei überraschende Funde. Zum einen überreichte eine Familie den Mitarbeiterinnen Verträge der Dillinger Hütte mit Fuhrleuten, Zimmermeistern und anderen Handwerkern aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zum anderen ist die Dillinger Hütte jetzt im Besitz der Lebenserinnerungen eines Hüttendirektors, der 1818 seinen Dienst angetreten und das Unternehmen jahrelang geleitet hat. Antje Fuchs: "So einen Fund erhält man nicht alle Tage." Die Lebenserinnerungen bekam die Hütte von der Witwe eines "historisch interessierten Mannes", beschreibt Fuchs den Sammler. Der habe die Dokumente einem verarmten Verwandten des ehemaligen Hüttendirektors abgekauft. Fuchs: "Die Witwe wollte die Dokumente dort, wo sie hingehören." Die Lebenserinnerungen sind in altdeutscher Schrift geschrieben. Vermutlich litt der Mann zudem an der Parkinson-Krankheit als er die Erinnerungen aufschrieb, so Fuchs. Die Aufzeichnungen zeigen unter anderem, wie die Dillinger Hütte Forschung und Entwicklung vorangetrieben hat und wie die Firma damals geführt wurde. Ein Punkt, der Klaus-Peter Otto auch für die Chronik wichtig ist: "Wir wollen das Unternehmen in seiner Kontinuität und seiner Zukunftsfähigkeit zeigen." Der Name des Hüttendirektor bleibt vorerst ein Geheimnis. "Ein anderer Mann hat uns seine ganzen Lohnzettel hinterlassen mit den Worten: Bei ihnen weiß ich, dass sie gut aufgehoben sind", berichtet Nicole Munninger. Ein weiterer Mitarbeiter, dessen Familie bereits in fünfter Generation auf der Hütte arbeitet, hat eine Kiste mit Dokumenten übergeben. Darunter waren auch zahlreiche Postkarten. Munninger: "Wir haben jetzt eine beeindruckende Postkartensammlung von 1888 bis 2005." Die Dillinger Hütte hat nach dem Aufruf so viel Material bekommen, dass Nicole Munninger und Antje Fuchs erst die Hälfte abarbeiten konnten. Doch Munninger verspricht: "Wir melden uns noch." "Es gibt wenige Unternehmen, die so alt geworden sind, schon gar nicht in unserer Region."Klaus Peter Otto, Direktor Bildung und Interne Kommunikation




HintergrundDie Gründungsurkunde der Dillinger Hütte ist datiert auf das Jahr 1685. Marquis Charles Henri de Lénoncourt erhielt vom französischen König die Erlaubnis "in seiner Herrschaft Dillingen Eisenhütten, Stahlwerke und Schmelzen einzurichten." 1690 wurde das Werk fertig gebaut.