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Naturschützer für sauberen Strom

Saarbrücken Von SZ-Redaktionsmitglied Ivonne Schnell

Saarbrücken. Die Saarländerin mit dem bulgarischen Namen Svetoslava Maslinkova hat gestern extra ihre Vorlesungen an der Uni Karlsruhe geschwänzt: Die 22-jährige Studentin der Elektro- und Informationstechnik wollte unbedingt bei der ersten saarländischen Klimaschutzkonferenz mit dem Titel "Erneuerbare Energien als Chance für einen ökologischen um ökonomischen Strukturwandel" im VHS-Zentrum am Saarbrücker Schloss zu Gast sein. Denn das Saarland liege im Bereich der regenerativen Energien immer noch sehr weit zurück, sagte Maslinkova.


Das fanden auch die Veranstalter - der Bund für Umwelt und Naturschutz Saar (BUND), die Energiewende Saarland, der Naturschutzbund Saar (Nabu), die Interessengemeinschaft Umweltschutz Bexbach und die Agentur für Erneuerbare Energien - und haben deswegen die elfstündige Konferenz auf die Beine gestellt. "Wir wollen eine höhere Wahrnehmung des Themas erreichen - bei den Saarländern und insbesondere bei den Parteien", erklärte Nabu-Vorsitzender Uli Heintz. Und der stellvertretende Vorsitzende des BUND, Christoph Hassel, hoffte, dass von dieser Tagung eine Aufbruchstimmung ausgehen würde. Denn: "Für allzu viele ist das Saarland immer noch ein Kohleland." Aber nach Beobachtungen von Umweltminister Stefan Mörsdorf (CDU) sind die erneuerbaren Energien im Saarland "deutlich im Aufwind. Und dies trotz Wirtschafts- und Finanzkrise."

Ziel der Veranstalter sei es, dass bis zum Jahr 2030 der komplette Strombedarf im Saarland mit erneuerbaren Energien produziert wird. Wie in einigen der 15 Expertenvorträge anklang, soll die Windenergie dabei die Energiequelle Nummer eins sein (37 Prozent), gefolgt vom deutlichen Ausbau der Photovoltaik (34 Prozent), Bioenergie (20 Prozent), Grubengas (5 Prozent) und Geothermie (2 Prozent).

Der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke, Dieter Attig, rechnete für die Zukunft mit einer Halbierung des Stromverbrauchs. Trotzdem zeigte er sich überzeugt, dass die Stadtwerke im Saarland für "eine nachhaltige Energieversorgung sehr wichtig seien". Dennoch werde es in Zukunft weniger davon geben, sagte Attig über die Zukunft der Stadtwerke.

Einige Stuhlreihen von Svetoslava entfernt saß Lehramtsstudentin Isabell Hares (24) unter den rund 40 Zuhörern. Aus den Vorträgen nahm sie "neue Ansatzpunkte" für ihre Examensarbeit über erneuerbare Energien mit nach Hause.