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Rückkehrer aus Syrien-Krieg
Nato-Tiefflieger waren 2017 häufiger zu hören

16SZ-Übungsgebiete für Kampfjets
16SZ-Übungsgebiete für Kampfjets FOTO: SZ / Steffen, Michael
Saarwellingen/Berlin. Der Fluglärm von Nato-Kampfjets hat im Saarland im vergangenen Jahr wieder zugenommen. Die Nerven der Bewohner liegen blank. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Es gibt Konstanten im Saarland, die nervtötend sind. Dazu zählt der Fluglärm von Nato-Kampfjets, die von den Fliegerhorsten in der Eifel (Spangdahlem und Büchel) oder von Ramstein aus saarländische Orte überfliegen. „Was zurzeit bei uns militärisch passiert, ist unglaublich. Gestern Morgen um 10.30 Uhr düsten drei Eurofighter im Tiefflug, in 300 bis 400 Meter Höhe über unsere Köpfe hinweg. Soweit ich das gesehen habe mit Bewaffnung“, berichtet Waltraud Andruet aus Saarwellingen, die auch bei der katholischen Kriegsgegner-Gruppe Pax Christi und im Friedensnetz Saar engagiert ist. „Wir sind vom Friedensnetz dabei, einen Brief an unseren neuen Außenminister Heiko Maas zu schreiben. Ich schäme mich, dass so ein Politiker aus dem Saarland kommt. Hat Heiko denn nichts aus der Geschichte gelernt?“, sagt Andruet zutiefst verärgert.


Mit ihrem Ärger über das Unverständnis der CDU/CSU/SPD-Bundesregierung zu der Gesundheitsbelastung der Saarländer in der Kampf-Jet-Übungszone TRA Lauter steht Andruet nicht alleine da. Im Gebiet der TRA Lauter habe sich das Beschwerdeaufkommen von 2016 bis 2017 mehr als verdoppelt, nämlich von 1945 auf 4888 Eingaben, schreibt der parlamentarische Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber (CDU) an den grünen Bundestagsabgeordneten Markus Tressel aus dem Saarland, der zusammen mit anderen Fraktionskolleginnen im April eine detaillierte Anfrage zum von Nato-Jets auslösten Fluglärm an die Bundesregierung richtete. Über 70 Prozent der Beschwerden seien allerdings von weniger als 40 Einzelpersonen eingereicht worden, betonte Tauber in der Antwort auf die Grünen-Anfrage, die der SZ vorliegt.

Im Jahr 2017 war demnach ein verstärkter Übungsflugbetrieb über dem Saarland hör- und spürbar, wenn die F-16-US-Airforce-Jets aus Spangdahlem über den Bostalsee oder das Primstal donnerten. Der „Anstieg der Flugbewegungen“, wie es der Staatssekretär fast poetisch ausdrückt, habe 2017 jedoch das Niveau von 2014/15 nicht getoppt. Allein der Einsatz der US-Bomber in Syrien gegen die Kämpfer des Islamischen Staats sorgte 2016 für eine leichte Verschnaufpause bei den lärmgestressten Saarländern. Doch 2017 kehrte die Squadron (Aufgabe: „Suchen. Angreifen. Zerstören“) zurück in die Eifel. Tauber betonte, es gebe eine gleichmäßige Verteilung der Übungsflüge zwischen den einzelnen Test-Gebieten in Deutschland, was zwei Mal im Jahr von der Arbeitsgruppe Fluglärm, der auch Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU) angehört, überprüft werde. Dennoch gebe es 2018 einen weiteren Anstieg des Fluglärms über dem Saarland, räumte der Ex-CDU-Generalsekretär Tauber ein.

Grünen-Landeschef Tressel kritisierte in diesem Zusammenhang: „Bouillon kann sich beim Fluglärm nicht durchsetzen.“ Die Entlastungsmaßnahmen, die die Bundeswehr zusammen mit Bouillon vor zwei Jahren verkündet hatte, griffen immer noch nicht. Der Bundestagsabgeordnete warf der Bundesregierung vor, mit statistischen Tricks die Lärmbelastung der Saarländer zu kaschieren. So werde etwa nur die Zahl der Einsätze verglichen mit andern Übungsflugzonen, jedoch nicht die Länge der Einsatzzeiten.  Die Saarländer hätten ein Recht darauf, verbindliche Kontingente von Nutzungsstunden oder Nutzungstagen als Messgröße für die Fluglärmbelastung zu erfahren. Tressel forderte eine nachhaltige und dauerhafte Entlastung beim Fluglärm.