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Nach Anklage gegen OB
Narrenzunft in Homburg sagt Rathaussturm ab

Im mit Zuschauern vollbesetzten Sitzungssaal des Homburger Rathauses gab am Mittwoch Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind (SPD, rechts) ein kurzes Statements zu dem gegen ihn erhobenen Vorwurf der Staatsanwaltschaft ab. Bürgermeister Klaus Roth (CDU, links) äußerte sich nicht.
Im mit Zuschauern vollbesetzten Sitzungssaal des Homburger Rathauses gab am Mittwoch Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind (SPD, rechts) ein kurzes Statements zu dem gegen ihn erhobenen Vorwurf der Staatsanwaltschaft ab. Bürgermeister Klaus Roth (CDU, links) äußerte sich nicht. FOTO: BeckerBredel
Homburg. Die Homburger Narrenzunft hat ihre traditionelle Erstürmung des Rathauses am (heutigen) „fetten Donnerstag“ abgesagt. Hintergrund ist, dass die Staatsanwaltschaft Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind (SPD) jüngst wegen Untreue angeklagt hat. Zudem laufen Ermittlungen gegen Bürgermeister Klaus Roth (CDU) - wegen Untreue und Betrugs. dpa

„Es passt aktuell nicht in die Zeit“, sagte der Sprecher der Kreisstadt Homburg am Donnerstag zur Absage. Hinzu komme, dass Schneidewind erster Vorsitzender der Narrenzunft sei. „Man wollte ihn da ein bisschen aus der Schusslinie nehmen.“



Die Saarbrücker Staatsanwaltschaft hat Schneidewind wegen Untreue in Höhe von rund 100 000 Euro angeklagt. Er soll Mitarbeiter des städtischen Bauhofs wochenlang von Privatdetektiven aus Düsseldorf überwacht haben lassen, ohne den Stadtrat zu informieren. Anlass waren Missstände im Baubetriebshof, die Schneidewind aufdecken wollte. Der Oberbürgermeister habe eingeräumt, dass die Beauftragung des Detektivbüros und die Freigabe der Rechnungen „Fehler“ waren.

Sein Amt wolle er aber nicht ruhen lassen, erklärte Schneidewind laut Sprecher am Mittwoch erneut am Rande einer Stadtratssitzung. Dort hatten mehrere Fraktionen Schneidewind dazu aufgefordert. Im Fall von Roth hatten Ermittler am Mittwoch seine Privat- und Büroräume durchsucht und Beweismaterial sichergestellt. Er steht unter anderem im Verdacht, Ende 2012 einen Auftrag der Stadt zur EDV-Verkabelung im Rathaus Homburg in Höhe von rund 35 000 Euro zum Schein vergeben zu haben, um sich selbst zu bereichern.