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Nachwuchssorgen in der Pflege

Junge Leute für die Altenpflege zu finden, ist schwer. Foto: Fotolia
Junge Leute für die Altenpflege zu finden, ist schwer. Foto: Fotolia
Saarbrücken. Für die Fachleute waren die Zahlen längst nicht mehr neu. Doch erst eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat vor Tagen die Debatte darüber, wer die vielen Alten in den nächsten Jahren pflegen soll, wieder angeheizt. Im Jahr 2030, berechnete die Stiftung, sind rund 40 000 Saarländer auf Pflege angewiesen - damit 10 000 mehr als im Jahr 2009 Von SZ-Redakteur Daniel Kirch

Saarbrücken. Für die Fachleute waren die Zahlen längst nicht mehr neu. Doch erst eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat vor Tagen die Debatte darüber, wer die vielen Alten in den nächsten Jahren pflegen soll, wieder angeheizt. Im Jahr 2030, berechnete die Stiftung, sind rund 40 000 Saarländer auf Pflege angewiesen - damit 10 000 mehr als im Jahr 2009. Bis dahin werden rund 4800 Vollzeitpflegekräfte fehlen. Die Gewerkschaft Verdi spricht schon heute von einem "Pflegenotstand".Die Frage ist: Wo sollen die Fachkräfte der Zukunft herkommen? Der Arbeitsmarkt für Altenpfleger gilt als problematisch. "Die Besetzung offener Stellen ist in diesem Bereich besonders schwierig", heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit in Saarbrücken. Für junge Leute sei der Beruf nicht immer attraktiv. Schon in der Ausbildung könnten auf die Jugendlichen Wochenenddienste zukommen, außerdem könne die Arbeitsbelastung sehr hoch sein. Mit ihrem Vorschlag, zur Lösung des Fachkräfteproblems die Altenpflege-Ausbildung unter bestimmten Voraussetzungen von drei auf zwei Jahre zu verkürzen, hat die Bundesagentur erst einmal einen Sturm der Empörung ausgelöst. Die Präsidentin des Landespflegerates, Ursula Hubertus, sagte: "Ich möchte denjenigen hören, der sagt: Wir sind in einem Ärztemangel, lass' uns doch mal die Studienzeit der Ärzte ein bisschen reduzieren." Auch die Betreiber von Alten- und Pflegeheimen protestierten umgehend. "In die völlig falsche Richtung" gingen die Pläne, sie würden die Situation nur noch verschärfen, klagte Harald Kilian, Vorsitzender der Saarländischen Pflegegesellschaft. Sozialminister Andreas Storm (CDU) brachte eine neue Möglichkeit ins Gespräch: Er will jungen Menschen "neue Einstiegsperspektiven" in die Pflege eröffnen und regt an, bei einer Ausbildung bestimmte Vorqualifikationen etwa aus dem Bundesfreiwilligendienst anzurechnen. Dies dürfe aber keineswegs auf Kosten der Qualität gehen, betonte Storm.


Klar ist: Es gibt nicht die eine Lösung des Fachkräfteproblems. Eine wichtige Säule - vermutlich die wichtigste - ist, dass die Heimbetreiber und ambulanten Dienste im Saarland ihre Ausbildungskapazitäten auf hohem Niveau halten. Gab es im Jahr 2005 noch 146 Ausbildungsverträge, sind es im aktuellen Schuljahr schon 495. "Wir müssen schauen, dass wir die hohe Zahl nicht nur für zwei oder drei Jahre halten, sondern für 20 oder 30", fordert Storm. Dazu soll auch eine Imagekampagne für den Beruf beitragen. Allerdings ist bislang ungeklärt, wer die Kosten für das zusätzliche Personal trägt. Die Betreiber der Einrichtungen sehen die Politik in der Pflicht, diese Frage endlich zu klären.

Storm stellt klar, dass der Fachkräftebedarf in jedem Fall mit professioneller Pflege abgedeckt werden soll und nicht, wie eine seiner Äußerungen zunächst interpretiert worden waren, zum Teil mit Ehrenamtlichen. Ehrenamtliche benötige man auch, aber "außerhalb der eigentlichen Pflege", damit alte Menschen so lange wie möglich in ihrer Umgebung bleiben könnten.

Ein Teil der Lösung ist sicher auch, die im Vergleich zu anderen Berufen besonders kurze Verweildauer der Beschäftigten in der Branche zu verlängern. "Wir müssen dafür sorgen, dass die jetzigen und künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter körperlich und seelisch gesund bleiben und lange in ihrem Beruf bleiben. Sonst nutzen uns die besten Ausbildungszahlen rein gar nichts", sagt Kilian. Viele Beschäftigte fühlten sich ausgebrannt und vom "bürokratischen Wahnsinn" gegängelt.

Einige Betreiber suchen sich ihre Fachkräfte im Ausland, bevorzugt in südeuropäischen Krisenländern wie Spanien und Griechenland.