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Nachdenken über Architektur und das Leben

Franz Mörscher in seiner Fotoausstellung in der Stummschen Reithalle. Foto: Thomas Seeber
Franz Mörscher in seiner Fotoausstellung in der Stummschen Reithalle. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Neunkirchen. Franz Mörscher, der sich selbst als „Sucher des wahrhaft Schönen und Guten“ bezeichnet, stellte in der Stummschen Reithalle in Neunkirchen seine neuen Bild-Bücher „Bauwerke und ihr Leben in Utopia“ und „Finistère“ vor. Von SZ-Mitarbeiter Kevin Gauer

Seine Werke sind dabei mehr als nur Bild-Bücher im herkömmlichen Sinn. Sie sind Poesie über Architektur, den Menschen und das Leben. In "Bauwerke und ihr Leben in Utopia" setzt sich Mörscher unter anderem mit seiner Heimatstadt Neunkirchen auseinander. Dem Neunkircher Eisenwerk widmet er dabei ein ganzes Kapitel, das er "Erinnerungen an das Eisenwerk" nennt.

Darin erzählt er die Geschichte des Neunkircher Eisenwerkes von der entscheidenden Bedeutung beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu dessen Stilllegung und Abbau. Mörscher setzte sich das Ziel, dem Eisenwerk durch seine kunstvollen fotografischen Dokumentationen eine "kulturrelevante Form zu verleihen" und es in eine "dauerhafte Form des Weiterlebens" zu versetzen, um damit das Andenken an die einst prägende Industrielandschaft zu bewahren, von der heute nur noch ein kleiner Teil sichtbar ist.

In der Laudatio, die Otto Dietz zur Vorstellung von "Bauwerke" hielt, wurden Bilder des Buches gezeigt und mit den philosophischen Ansätzen Mörschers kommentiert. Der Laudator definierte die Intention des Bild-Bandes, als eine "kritische Auseinandersetzung mit der Architektur". Es geht nach Dietz vornehmlich, um die Auflösung der Begriffe "Bauwerk" und "Baukunst" und somit um die Unterscheidung dieses Wortpaares. Es regt den Leser aber auch zum Nachdenken an.

Mörscher zeigt beispielsweise Fotos von im Abriss befindlichen Häusern und schreibt dazu: "Aber nicht nur das Schöne, auch Abriss, Zerstörung, organisierte Unordnung haben eine zum Anschauen zwingende Wirkung." Dadurch wird der Leser dazu aufgefordert, über die Ästhetik, die selbst ein Berg Bauschutt haben muss, zu reflektieren.

Jedoch dürfte dem Leser die Auseinandersetzung mit den Worten Mörschers nicht immer leicht fallen. Mörscher bedient sich einer stilistisch ausgereiften, nahezu poetischen Sprache, die vom Leser verlangt, über das gelesene mehrfach nachzudenken.

Der zweite Laudator des Abends Meinrad Grewenig vom Völklinger Weltkulturebe brachte dies auf den Punkt, indem er sagte: "Man kann sich mit den Büchern Mörschers mehrmals bis zum Lebensende auseinandersetzen." Gerade in Mörschers Buch "Finistére - Die Tücken des ästhetischen Urteils in der Bilderwelt" ist diese wiederkehrende Auseinandersetzung zentral. Zwischen Fotos von Felsenlandschaften, Küsten, Booten und den Menschen des französischen Départements Finistère stehen oftmals kurze, prägnante Sätze, die dem Leser eine neue Welt eröffnen. Felsen beschreibt Mörscher als "Schauspieler in einer unveränderlichen Szene".

Grewenig forderte die Besucher dazu auf, diesen "großen Künstler ihrer Stadt" nicht mehr gehen zu lassen. Mörscher und seine Frau leben derzeit in Oberbayern, planen aber einen Umzug in die "Heimat" nach Neunkirchen.

Die Bücher sind zum Preis von jeweils 36,50 Euro im Internet unter www.franzmoerscher.de erhältlich.