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Muss der Bestohlene auch noch zahlen?

Saarbrücken. Diese Meldung sorgte für viel Aufregung: Ein Busfahrer wurde bestohlen, während er zu einem Unfall eilte. Jetzt kommt nach SZ-Recherche raus: Busfahrer half danach noch kollabiertem Fahrgast. Von SZ-Redakteur Fabian Bosse

Alles begann am Samstag in der Saarbrücker Straße in Brebach mit einem Auffahrunfall. Ein Busfahrer der Linie 120 (Bahnhof Brebach - Sportplatz Ensheim) konnte mit seinem Bus die Unfallstelle nicht passieren. Wie die Polizei berichtet, sei der Fahrer ausgestiegen und habe gefragt, ob schon die Polizei benachrichtigt worden sei. Als das von den unverletzten Unfallbeteiligten verneint wurde, sei der Busfahrer zu seinem Platz zurückgegangen und habe die Polizei über die Saarbahn-Leitstelle verständigt. Wegen der hohen Temperaturen im Bus kollabierte allerdings währenddessen ein Fahrgast. Der Busfahrer und eine herbeigeeilte Apothekerin kümmerten sich um den Mann, bis der Rettungsdienst ihn versorgte und ins Krankenhaus brachte. Als sich der Busfahrer nach zirka 20 Minuten wieder hinters Steuer setzte, habe er gemerkt, dass in seiner Geldbox am Fahrersitz insgesamt 550 Euro Bargeld fehlten. "Wir gehen davon aus, dass entweder jemand von außen oder Fahrgäste das Geld entwendet haben. Während der ganzen Zeit sind Leute im Bus ein- und ausgegangen. Wir brauchen jetzt Zeugenhinweise", sagt der Polizeihauptkommissar Sauer.

Sarah Schmitt, Sprecherin der Saarbahn, sagt zu dem Fall: "Wir sind schockiert, dass jemand eine solche Situation und die Hilfsbereitschaft des Fahrers ausnutzt, um ihm das Geld zu entwenden." Auf die Frage, wer nun für den Schaden aufkommen muss, antwortet Schmitt: "Grundsätzlich ist ein Fahrer, wenn er seinen Platz verlässt, verpflichtet, den Bus zu sichern. Das heißt unter anderem den Bus ordnungsgemäß abzustellen, die Handbremse zu ziehen und die Kasse herauszunehmen." Die Linie 120 sei zu diesem Zeitpunkt von einem Subunternehmen übernommen worden. Die Firma werde nun den Schaden der Versicherung melden. Sollte das erfolglos bleiben, wolle sie einen Teil übernehmen. "Der Fahrer ist ziemlich zerknirscht, weil er seine Kasse nicht nach Vorschrift gesichert hat und dadurch der Diebstahl wohl erst möglich war", sagt Schmitt. Eine Kameraüberwachung habe es nicht gegeben.

Hinweise: Tel. (06 81) 9 87 20.

Frank Durst: Kann doch echt nicht wahr sein! Ich bin fassungslos!

Pascal Schmidt: Ehrlich? Kein Anstand mehr. Das ist doch echt das Allerletzte.

Thomas Grau: Ich will diese Tat nicht gut heißen, ganz im Gegenteil. Allerdings sollten gerade Busfahrer wissen, dass man seine Einnahmen nicht unbeaufsichtigt zurücklässt. Schlimm genug, dass man so denken und handeln muss. Aber so ist unsere Gesellschaft mittlerweile verkommen.

Walter Ries: So was gibt's doch nicht! Da müssen theoretisch 29 Personen beim Klauen zugeschaut haben!

Norbert Huth: Die Welt ist schlecht, nicht nur in Saarbrücken.

Volker Müden: So etwas sollte es nicht geben. Unglaublich. Ich hätte ebenso wie der Busfahrer gehandelt. Er hat sich nichts vorzuwerfen. Toll, dass er geholfen hat.

Pia Charlotta Adamo: Tja, jede gute Tat wird sofort bestraft! (...)

Kirstin Lenjoint: Pfui! Habt Ihr keine Videoaufnahme? In Berlin, und Frankfurt am Main ist das normal in Bussen!

Marion Hafner: Unglaublich. Hoffentlich wird der Dieb geschnappt!

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