| 20:21 Uhr

Saartalk
„Mundart ist nicht kleinzukriegen“

Die Autorin Deana Zinßmeister, der Mundart-Schriftsteller Georg Fox und der Kabarettist Detlev Schönauer diskutierten im Saartalk mit den Chefredakteuren Norbert Klein (SR) und Peter Stefan Herbst (SZ, v.l.n.r.)
Die Autorin Deana Zinßmeister, der Mundart-Schriftsteller Georg Fox und der Kabarettist Detlev Schönauer diskutierten im Saartalk mit den Chefredakteuren Norbert Klein (SR) und Peter Stefan Herbst (SZ, v.l.n.r.) FOTO: Oliver Dietze
Was steckt hinter dem Erfolg der Autoren Deana Zinßmeister und Georg Fox sowie des Kabarettisten Detlev Schönauer? Von Nora Ernst
Nora Ernst

Der Saartalk ist ein Format von Saarländischem Rundfunk und Saarbrücker Zeitung. Diesmal stellten sich die Romanautorin Deana Zinßmeister, der Kabarettist Detlev Schönauer und der Mundart-Schriftsteller Georg Fox den Fragen der Chefredakteure Norbert Klein (SR) und Peter Stefan Herbst (SZ). SZ-Redakteurin Nora Ernst hat das Gespräch in Auszügen dokumentiert.



Herbst: Frau Zinßmeister, haben Sie ein persönliches Erfolgsrezept, etwas, das Sie anders machen als andere Autoren historischer Bücher?

ZINSSMEISTER Ich möchte nicht so eingebildet sein und sagen, ich mache irgendetwas anders als andere Autoren. Jeder versucht, das Beste zu geben. Aber vielleicht liegt es an der Art der Recherche, weil ich mich da wirklich reinknie. Ich wäre gern Archäologin geworden, und das Graben in alten Schriften kommt ja irgendwo der Archäologie gleich. (...) Und ich bereise ja auch alle Orte, die in meinen Romanen eine Rolle spielen. So war ich jetzt für die Hugenotten-Romane in La Rochelle. (...) Ich versuche natürlich auch, kein neues Sach- oder Fachbuch zu schreiben, sondern ich versuche, Fakten mit meiner Fantasie zu verweben, so dass es eine spannende Lektüre ist. (...)

Klein: Können Sie an den Orten Ihre Fantasie direkt aufrufen? (…)

ZINSSMEISTER Ja genau, dann läuft die Fantasie einfach los. Das hört sich zwar für jemanden, der damit nichts zu tun hat, vielleicht ein bisschen affig an, aber auch wenn man die Gemäuer anfasst oder davor steht, dann hört man die Stimmen und nimmt die Gerüche wahr. (…) Ich glaube, das macht sehr viel aus, dass man das selber spürt. Wir wissen ja auch alle, was Angst ist, aber ich habe mich aussetzen lassen in einer eiskalten Vollmondnacht im Saarbrücker Urwald und habe da mehrere Stunden allein verbracht. Wenn Sie dann nach Hause kommen, können sie die Angst ganz anders beschreiben.

Klein: Herr Schönauer, wenn Sie in Ihrem Programm „Oma ist jetzt bei Facebook“ mit dem Gag kommen, „Am Rollator hätte ich gerne ein Navi und eine Halterung für mein iPhone“, kommt das gut an?

SCHÖNAUER Super. Auch die Älteren haben überhaupt kein Problem damit. Die Leute stehen zu ihrem Alter. Und wenn man es so aufbereitet, dass man sich nicht darüber lustig macht, sondern es ernst nimmt, dann funktioniert das gut.

Herbst: Und was hat das mit Facebook zu tun?

SCHÖNAUER Damit wollte ich auch ein bisschen was für die Jüngeren tun (lacht). Das ist das Eine. Und das Andere: Ich habe vor ein paar Jahren meinem Vater, der leider schon verstorben ist, einen Laptop mit Internetzugang geschenkt. Es hat ein Jahr gedauert, dann kannte er sich so gut aus, und das in seinem Alter. Das fand ich bemerkenswert, und da gibt es viele. Das darf man nicht unter den Tisch kehren. Deswegen habe ich versucht, das miteinander zu verknüpfen.

Herbst: Sie sind ein Mann, der gerne Klartext redet. Mischen Sie sich auf Facebook auch mal in einen Streit ein und heben, wenn Sitte, Moral und Anstand auf der Strecke bleiben, den Zeigefinger?

SCHÖNAUER Ich hebe auch den Zeigefinger gegen die Dummheit. Die macht sich besonders breit bei Facebook. Es gibt Leute, die sagen, sie sind nicht bei Facebook, weil es dumm macht. Das stimmt nicht. Aber es hilft vielen, ihre Dummheit überall bekannt zu machen. Und für mich ist es natürlich auch ein Pool an kreativen Ideen. Es gibt unglaublich viele Leute, die unglaublich kreativ sind, tolle Ideen haben. Da kann man sehr vieles finden für die eigene Arbeit. (...)

Klein: Herr Fox, die Mundart hat sogar in die internationale Politk Einzug gehalten, wenn Wolfgang Schäuble als Noch-Finanzminister in der EU Englisch gesprochen hat. Ziehen Sie daraus auch Ideen?

FOX Nicht direkt. Aber ich finde es amüsant. (...) Ich glaube, Mundart wird bei uns unterschätzt. Seit 200 Jahren sagt man, Mundart wäre tot, sie ginge zurück. Man hat vor 200 Jahren vielleicht sogar herbeigesehnt, dass die Mundarten in einer allgemeinen Hochsprache aufgehen. Und sie ist immer noch nicht kleinzukriegen. (...) Ich denke, Mundart hat eine Wellenbewegung, es geht immer auf und ab. Je mehr man sie aus dem Verkehr gezogen hat, desto mehr wurde sie aufgewertet. Das hat mir natürlich in der Nische, die ich bediene, sehr viel geholfen. (…)

Klein: Gibt es nicht zwei gegenläufige Bewegungen: einerseits das, was Sie beschreiben, aber andererseits, dass die jungen Leute ihre Großmutter, die Mundart schwätzt, nicht mehr verstehen?

FOX Die verstehen die Großmütter schon noch. Ich glaube, sobald die Saarländer aus dem Bus aussteigen dahemm, schwätze die Mundart. Es hängt von der Situation ab: Sie können nicht in die Bank gehen und sagen: „Kann isch ma ää halbe Million kriehn?“. Das geht nicht, da müssen Sie eine ganz andere Art von Zugang haben. Oder mit dem Rektor müssen sie vielleicht auch versuchen, auf Hochdeutsch zurechtzukommen. Aber insgesamt denke ich, ist die Mundart in der Alltagssprache noch sehr verankert im Saarland und wird auch noch sehr gerne gepflegt, auch oft als Türöffner. (...)