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Mit Tischtennis-Produkten an die Weltspitze

Völklingen. Erstes September-Wochenende 1966. Saisonbeginn für die Tischtennisspieler in ganz Deutschland. Für das Achterfeld der Bundesliga hatte sich der 1. FC Saarbrücken als Meister der Oberliga Südwest qualifiziert. Zu verdienen gab es für die Stars (fast) nichts. Das war bei den lokalen Größen des FCS natürlich nicht anders Von SZ-Mitarbeiter Erich Philippi

Völklingen. Erstes September-Wochenende 1966. Saisonbeginn für die Tischtennisspieler in ganz Deutschland. Für das Achterfeld der Bundesliga hatte sich der 1. FC Saarbrücken als Meister der Oberliga Südwest qualifiziert. Zu verdienen gab es für die Stars (fast) nichts. Das war bei den lokalen Größen des FCS natürlich nicht anders.Das einzige, was es zu "verdienen" gab, war ein Fahrtkostenzuschuss vom Deutschen Tischtennisbund (DTTB). Der FCS startete mit zwei Auswärtsspielen in Bayern. Das Team von Trainer Tibor Harangozo mit Karl-Heinz Russy, Friedel Hahn, Karlheinz Schreiner, Bruno Paulus, Wolfgang Liehn, Eberhard Oetzel und Erwin Berg musste in Augsburg und Milbertshofen antreten. Und die Saarländer rückten durch zwei Siege gleich an die Tabellenspitze. Unvergessen bleibt vielen, dass Russy beim 9:6 in Milbertshofen den neunmaligen deutschen Einzelmeister Conny Freundorfer bezwang. Dass dies nur ein Glücksmoment sein konnte, war klar, aber am Ende sprang ein achtbarer fünfter Platz heraus.Karlheinz Schreiner (heute 79) und Erwin Berg (69) haben ihr eigenes und das Hobby von Zigtausenden zum Beruf gemacht und damit gut verdient. Sie sind längst mit ihren Firmen Donic (Schreiner) und Tibhar (Berg) zu Top-Adressen in der Tischtennis-Welt geworden.Ein Weißrusse als ZugpferdDie Firma Tibhar besteht seit 40 Jahren. Gegründet wurde sie vom ehemaligen jugoslawischen Weltklassespieler und FCS-Trainer Tibor Harangozo. Der Firmenname blieb auch 1978 nach dem Tod von Harangozo erhalten. Erwin Berg, zuvor schon Mitarbeiter, gab seine Anstellung bei der Grube Warndt auf und wurde Geschäftsführer. Jetzt beschäftigt der Familienbetrieb am Stadtrand von Saarbrücken mit Erwin Berg und Sohn Roland (39) an der Spitze 20 Mitarbeiter. Natürlich ist auch Roland Berg mit Tischtennis groß geworden. Er spielte zehn Jahre in der 2. Liga (sieben Jahre ATSV Saarbrücken, drei Jahre Grenzau).Tibhar entwickelte anfänglich lediglich Beläge und Hölzer, auf die Bedürfnisse der Spieler abgestimmt. Schon bald allerdings wurde die Produktpalette weiter ausgedehnt, so dass Tibhar heute den kompletten Ausrüstungsbereich vom Hobby- bis zum Weltklasse-Tischtennis abdeckt. Kundschaft gibt es in mehr als 100 Ländern. Denkt man an Tibhar-Produkte, denkt man automatisch an den Top-Werbeträger Vladimir Samsonov. Der Weißrusse, heute 33 Jahre alt und in Spanien aktiv, war 13, als er erstmals Kontakt zu Erwin Berg hatte. Beobachten wollte Berg das Talent aus Minsk erstmals bei den Schüler-Europameisterschaften 1989 in Luxemburg. Er erinnert sich: "Ich hatte nur Zeit fürs Finale, doch wegen eines Staus am Grenzübergang kam ich 15 Minuten später in der Halle an. Da hatte Vladi den Titel schon in der Tasche." Trotz der guten Kontakte: Ein Engagement beim FCS in der jetzt anstehenden Bundesliga-Spielzeit hatte Erwin Berg schon vor dem Aufstieg ausgeschlossen: "Samsonov ist erstens noch unter Vertrag und zweitens unbezahlbar." Übrigens: Berg hatte erst mit knapp 17 Jahren das Tischtennis für sich entdeckt. Der Abwehrspieler mit dem Heimatverein TTC Wehrden war auch Trainer in Frankreich, hievte das Team aus Spichern von der 5. in die 1. Liga. Tibhar ist Marktführer in Frankreich, eines seiner Top-Talente ein Portugiese: Tiago Apolonia, gerade 23. Er war Spitzenspieler beim FCS in der Zweitligasaison 2006/2007. Demnächst kommt er mit Ochsenhausen in die Saarbrücker Joachim-Deckarm-Halle. Bei Ausrüster-Konkurrent Donic ist ein "alter Schwede" der Sympathie- und Werbeträger: Welt- und Olympiasieger Jan-Ove Waldner, mittlerweile 43 und von den Saarländern besonders seit seiner Zeit beim ATSV geschätzt, der mit "Waldi" an der Spitze 1986 Europapokalsieger der Landesmeister geworden war. Derzeit spielt Waldner in der Bundesliga für Fulda-Maberzell.Als Karlheinz Schreiner 16 war, hatte er noch nicht allzu große Bekanntschaft mit einem Tischtennis-Schläger gemacht. Schreiner: "Ich hatte bei Röchling gearbeitet, Tischtennis gelegentlich im Schlafhaus der Hütte probiert, wo immer auf Ablagetischen gespielt wurde."Erst mit 20 erwachte der Ehrgeiz. Schreiner schloss sich deshalb dem SV Völklingen an. Weitere Karriere-Eckdaten im Zeitraffer: Saarlandmeister-Titel mit 28, der Sprung in die Bundesliga mit 36 und wenig später die Gründung der Firma "Sport-Schreiner", die sich, salopp ausgedrückt, 1984 die Firma Donic "einverleibte" und ihr zu Weltgeltung verhalf.Starkes Schweden-TrioGeschäftsführer bei Donic sind Karlheinz Schreiner und sein Sohn Frank. Schon 1984 hatte sich die Donic einen starken Schweden geangelt: Mikael Appelgren. Das "Äpfelchen" war Europameister 1982, 1988 und 1990. Der dritte Super-Schwede im Donic-Bunde ist Jörgen Persson, ebenfalls ein Weltmeister, Europameister und Top-12-Sieger. Er spielte Anfang der Neunziger beim ATSV und hat jetzt in Plüderhausen angeheuert. Manch ein saarländischer Fan hätte Persson lieber beim FCS gesehen. Donic Namensgeber war 1977 Doktor (Do) Georg Nicklas (nic), Material-Experte mit Bundesliga-Erfahrung und dem ATSV Saarbrücken als Heimatverein, einst Spieler beim FCS unter Trainer Schreiner. Firmensitz war Hürth bei Köln. Mitte der Achtziger ging die Firma in den Besitz von Karlheinz Schreiner über. Bis 1991 blieb Nicklas als Produkt-Manager Firmen-Mitglied, dann trennten sich die Wege. Zwei Jahre zuvor bereits war der Firmensitz nach Völklingen verlagert worden, wo ein 2200 Quadratmeter großes Gebäude errichtet worden war, in dem sich etwa 30 Mitarbeiter um die Produkte kümmern, die in über 80 Länder exportiert werden. Wie rasant Donic weltweit Anerkennung gefunden hat, zeigt die Tatsache, dass bereits 1987 bei der WM in Neu Delhi auf Donic-Tischen gespielt wurde. Wer von den beiden benachbarten Firmen, die aus Wehrden (Schreiner mit Donic) oder die aus Klarenthal (Berg mit Tibhar) zu den stärksten "Verfolgern" des japanischen Weltmarktführers "Butterfly" gehört, will keiner sagen. Erwin Berg sagt bescheiden, dass "wir sicher zu den Top Fünf gehören", Schreiner lässt sich nur entlocken, "dass "wir gut positioniert sind". Auf internationalen Schauplätzen sind sie heute noch gemeinsam so präsent wie vor 43 Jahren in der Bundesliga. </bu_text> "Samsonov ist erstens noch unter Vertrag und zweitens unbezahlbar." Erwin Berg,Geschäftsführer von Tibhar