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Militärbischof besuchte das Saarland
Militärbischof wünscht sich mehr Anerkennung für die Truppe

Militärbischof Sigurd Rink bei der Flüchtlingsrettung auf einem Tender der Deutschen Marine.
Militärbischof Sigurd Rink bei der Flüchtlingsrettung auf einem Tender der Deutschen Marine. FOTO: Militärseelsorge/Roger Töpelmann
Saarbrücken. Von Tabea Pohl

Militärbischof Sigurd Rink sitzt eigentlich in Berlin. Anlässlich der Amtseinführung des neuen saarländischen Militärpfarrers Karl-Martin Unrath ist er ins Saarland gekommen, um beim Festgottesdienst dabei zu sein: „Das war für uns ein besonders glücklicher Tag. Die Stelle war 40 Monate lang vakant." Rink hat die Dienstaufsicht für 106 evangelische Militärpfarrer in Deutschland. Deren Hauptaufgabe ist die Militärseelsorge an Standorten und in Einsätzen. Für mindestens sechs und maximal zwölf Jahre werden die Pfarrerinnen und Pfarrer für die Dauer ihres Dienstes bei der Bundeswehr Beamte auf Zeit. Auf einen Geistlichen kommen etwa 1500 Soldaten und Zivilpersonen der Bundeswehr, ein gutes Betreuungsverhältnis im Vergleich zu normalen Kirchengemeinden. Doch nur die Hälfte der Soldatinnen und Soldaten ist kirchlich gebunden. Welcher Glaubensrichtung man angehört, sei aber nicht ausschlaggebend für die Seelsorge. Evangelische und katholische Seelsorger weisen niemanden ab. Manche Soldaten lassen sich im Einsatz sogar taufen.


Der 57-Jährige hat das Amt der Evangelischen Kirche in Deutschland seit drei Jahren inne, war vorher Propst für die Propstei Süd-Nassau in Hessen mit rund 200 Gemeinden. „Das Thema, ,Ich werde Militärpfarrer', kann in einem Pfarrkonvent schon mal Irritationen auslösen", sagt er. Die seelische Unterstützung von Soldaten gerade in Auslandseinsätzen wie in Afghanistan ist für viele Pfarrer nicht vereinbar mit dem fünften Gebot „Du sollst nicht töten.“ Rink spricht aber mit Martin Luther von einer unbedingten „Schutzverantwortung" gegenüber Menschen, die bedroht sind und sich selbst nicht wehren können. Letztlich sei es die Gewissensentscheidung jedes Einzelnen, ob er Soldat werden will. „Als ich Militärbischof wurde, hat mich gerade das ethische Spannungsfeld dieser Berufung gereizt. Man ist auf der Nahtstelle zwischen Staat und Kirche." Rink trägt als Militärbischof keine Uniform, allenfalls eine Schutzweste über dem Lutherrock oder dem Anzug. Das ist in anderen Ländern ganz anders. „Wenn ich mich mit meinen Kollegen aus Frankreich, England oder Amerika treffe, bin ich eine Ausnahmeerscheinung, weil alle anderen komplett uniformiert sind. Die sind Teil der Streitkräfte von A bis Z."

Aktuell ist die Bundeswehr kein leichtes Arbeitsfeld. Der Truppe fehlt es an simpelster Ausrüstung wie Winterbekleidung und Schutzwesten. Viele Waffensysteme sind nicht einsatzbereit oder überaltert. Das schlägt auch auf die Stimmung. Den veränderten politischen Willen, die Bundeswehr zu verbessern und stabilisieren, merke jetzt auch die Truppe, berichtet Rink. „Die Bundeswehr ist jedoch ein Tanker, der ungefähr drei Kilometer Bremsweg hat. Bis da etwas gespürt wird – und es geht ja bei warmer Unterwäsche und Schuhwerk schon los und hört bei den U-Booten auf – dauert es wirklich lange." Was den Soldaten aber noch mehr zu schaffen mache, sei der Mangel an gesellschaftlicher Wertschätzung.

Bischof Rink fordert deswegen mehr Respekt für die Menschen in der Bundeswehr und mehr sicherheitspolitisches Bewusstsein. Es gebe schon wegen der deutschen Geschichte eine grundsätzlich andere Einstellung hier als in anderen Ländern. „Wenn ich in Amerika ins Disneyland gehe, läuft erstmal ein Werbebanner mit ,Save our troops'." In Deutschland dagegen gebe es kaum Anerkennung für die Soldaten. Die Skepsis gegenüber der Bundeswehr sei oft groß. „Die Soldaten sind schon froh, wenn man sich mehr für ihren Dienst interessiert und sich damit identifiziert", sagt Rink.

Besonders wichtig ist ihm auch eine verstärkte Einbindung des Themas „Institution Bundeswehr" in den Schulen. Es fehle oft schlicht am Wissen, was die Soldatinnen und Soldaten tatsächlich tun im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland.