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Mehr Zeitreisen für Touristen

Perl. Dass viele Menschen Museumsbesuche als Anlass nehmen, zu reisen, haben mittlerweile Kulturschaffende ebenso wie die Tourismus-Branche erkannt. Es verwundert daher nicht, dass die Auftaktveranstaltung des Internationalen Museumstags in diesem Jahr unter dem Motto "Museen und Tourismus" stand Von SZ-Redaktionsmitglied Johannes Kloth

Perl. Dass viele Menschen Museumsbesuche als Anlass nehmen, zu reisen, haben mittlerweile Kulturschaffende ebenso wie die Tourismus-Branche erkannt. Es verwundert daher nicht, dass die Auftaktveranstaltung des Internationalen Museumstags in diesem Jahr unter dem Motto "Museen und Tourismus" stand.


Als diesjähriger Ausrichter hatte der Saarländische Museumsverband zur Pressekonferenz in die römische Villa Borg bei Perl geladen. Flankiert von zwei Römern in Kettenhemden stellte der Schirmherr der Veranstaltung, Ministerpräsident Peter Müller, die Bedeutung der Museen als wirtschaftliche Standortfaktoren heraus: Jährlich gingen mehr Menschen in Museen als in die Bundesliga-Stadien. Ähnlich sahen das Birgit Grauvogel, Sprecherin der touristischen Marketingorganisationen der Großregion, und Patrick Michaely von der Vereinigung der Museen der Großregion A.M.G.R.

Grauvogel verwies auf die Entwicklung von Marketing-Konzepten, die zu einer Stärkung des Kultur- und Städtetourismus im Saarland führen sollen. Michaely hob die Bedeutung der über 800 Museen der Großregion hervor, von denen sich 100 zur A.M.G.R. zusammengeschlossen haben. Die Rolle als grenzüberschreitender Kulturvermittler wolle man künftig weiter ausbauen.



Wo Vorteile, aber auch Schwierigkeiten der interkulturellen Zusammenarbeit liegen, wurde bereits kurz zuvor in einem benachbarten Saal deutlich. Hier trafen sich Mitglieder der A.M.G.R. zur sechsten Jahresversammlung. Die 2002 gegründete Vereinigung zur Förderung der Kommunikation der Museen in der Großregion befinde sich in einer Phase der Neustrukturierung, sagte Verwaltungsrat-Sekretär Hans-Peter Kuhnen. Die Erfahrungen im Kulturhauptstadtjahr 2007, als die Realisierung des transnationalen Ausstellungsprojekts "Vier Grazien" an fehlenden Strukturen scheiterte, hätten deutlich gemacht, dass nun dringend Nachhaltigkeit in der Zusammenarbeit nötig seien. In einer Resolution forderte die bislang ehrenamtlich geführte A.M.G.R. daher von der Politik Geld für eine hauptamtliche Geschäftsstelle.

Ein weiterer Saal bot derweil Platz für ein "Schaufenster Großregion", in dem sich 14 Projekte rund um die Themen "Museum" und "Tourismus" präsentierten. Besonders "digiCult", der bereits in Schleswig-Holstein erprobte Entwurf einer digitalen Datenbank zur Erfassung ausgesuchter Museumsbestände, stach dabei heraus. Im Saarland befindet sich "digiCult" mit den Beständen von insgesamt sieben Museen derzeit im Pilotbetrieb. Auf der Internetseite www.digicult-saarland.de können sich Museumsgänger über Bestände informieren und nach einzelnen Ausstellungsobjekten suchen. Besonders interessant sei das von EU und Bundesländern geförderte Portal jedoch für Ausstellungsmacher, sagt der Kieler "digiCult"-"Vater" Lütger Landwehr. Kürzlich habe etwa das Jüdische Museum Berlin über die Suchmaske von "digiCult" interessante Objekte im Bestand des Saarländischen Bäckereimuseums entdeckt.

Die Digitalisierung gehört zu den großen Herausforderungen der Museen. Das betonte auch der Ministerpräsident in seinem Schlusswort: "Museen sind keine Orte der Vergangenheit, sondern Orte der Gegenwart und der Zukunft."

Auf einen Blick

Der vom Internationalen Museumsrat (ICOM) ins Leben gerufene Internationale Museumstag findet seit 1977 jährlich statt. In Deutschland steht er unter der Schirmherrschaft des amtierenden Bundesratspräsidenten - in diesem Jahr ist das der saarländische Ministerpräsident Peter Müller. Mit zahlreichen Veranstaltungen soll am Museumstag auf die Vielfalt und Bedeutung von Museen aufmerksam gemacht werden. Der Museumstag 2009 findet am Sonntag statt. jkl