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Personalnot
Ab 2022 soll die Saar-Polizei wieder wachsen

FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Politik hat beim Stellenabbau den Schalter umgelegt. Doch bis die Anwärter ausgebildet sind, vergehen Jahre. Und es gibt Risiken. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

In der Diskussion um die innere Sicherheit im Saarland ist die Zahl der Neueinstellungen bei der Polizei zu einer entscheidenden Messgröße geworden. Bei genauem Hinsehen allerdings ist die Zahl der neuen Kommissaranwärter wenig aussagekräftig. Man muss sie vergleichen mit der Zahl jener Polizisten, die dreieinhalb Jahre später – wenn die Anwärter fertig ausgebildet und voll einsatzbereit sind – in Ruhestand gehen oder aus anderen Gründen aus dem Dienst scheiden.


Ein Beispiel: Die Zahl von 124 Neueinstellungen im Jahr 2018 wäre in der Relation hoch, wenn dreieinhalb Jahre später 100 Polizisten ausscheiden würden. Sie wäre aber gering, wenn 150 Polizisten wegfielen. Tatsächlich ist damit zu rechnen, dass 2022 nach heutigem Stand 112 Beamte wegfallen – unter dem Strich dürfte sich die Personalstärke der Polizei in jenem Jahr also erstmals seit langem wieder erhöhen. Das gilt besonders für das Jahr 2024, wenn den 124 fertig ausgebildeten Kommissaren nach heutiger Prognose 92 Abgänge gegenüberstehen – ein Plus von 32 Beamten. Für 2018 bis 2020 hat die CDU/SPD-Landesregierung die Einstellungszahl bereits auf 124 Kommissaranwärter festgelegt. „Der Personalaufwachs ist sehr real“, sagt Polizei-Vizepräsident Hugo Müller, der die Zahlen der Personalplaner auf Anfrage der SZ bekanntgab.

Hugo Müller, 
Vizepräsident der saarländischen Polizei
Hugo Müller, Vizepräsident der saarländischen Polizei FOTO: Norbert Becker

Ganz genau sagen lässt sich das aber nicht, weil die Zahl der Abgänge nur eingeschränkt prognostiziert werden kann. So ist etwa nicht planbar, wie viele Beamte in einem bestimmten Jahr in ein anderes Bundesland wechseln, aus dem Dienst entlassen werden oder sterben. In der Vergangenheit, sagt Müller, seien das durchschnittlich 15 im Jahr gewesen; man kalkuliere nun aber mit 20. Diese Zahl muss man also zu den planmäßigen Ruhestandsversetzungen addieren. Und nicht einmal diese an sich planbare Zahl ist haargenau vorherzusehen. Denn Beamte, die viele Jahre Wechselschicht gearbeitet haben, können abschlagsfrei etwas früher in Pension gehen – ohne dass sie dies Jahre im Voraus ankündigen müssen.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor betrifft die Ausbildung. Man kann nicht automatisch davon ausgehen, dass alle eingestellten Kommissaranwärter die Ausbildung an der Fachhochschule erfolgreich abschließen. Allein in diesem Jahr sind 34 der rund 120 Kommissaranwärter durch die Abschlussprüfung des Grundstudiums gefallen – die meisten von ihnen können die Klausuren nachschreiben, andere müssen hingegen darauf hoffen, dass sie das Grundstudium wiederholen dürfen.



Und eine weitere Unbekannte kommt hinzu: Niemand weiß, wie viele junge Polizisten in Zukunft Elternzeit nehmen oder Teilzeit arbeiten werden. Aber man kann davon ausgehen, dass die Zahl eher steigen als zurückgehen wird.

Fazit: Bis 2021 dauert der Stellenabbau in jedem Fall an, daran lässt sich nichts mehr ändern. Um gegenzusteuern, hätte man schon in den letzten Jahren mehr Kommissaranwärter für die dreieinhalbjährige Ausbildung einstellen müssen. Dies unterblieb aber, weil es seit 2011 politischer Wille war, 270 Beamtenstellen bei der Polizei (ursprünglich geplant waren 300) abzubauen. Die Chancen stehen aber gut, dass der Personalkörper bei der Polizei ab 2022 wieder wächst. Wie stark, lässt sich aber noch nicht genau sagen.