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Krankenhäuser in wirtschaftlicher Not
Mehr Kliniken im Saarland droht das Aus

Symbolbild
Symbolbild FOTO: Patrick Seeger / dpa
Saarbrücken. Die Träger der landesweit 22 Einrichtungen sehen die Schließung des Standorts Wadern nur als „Spitze eines Eisbergs“. Sie rufen die Politik zu Hilfe. Von: Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Die zum Jahresende geplante Schließung des Krankenhauses Wadern wird nach Ansicht der saarländischen Klinikträger kein Einzelfall bleiben. Unter den Geschäftsführern und Verwaltungsdirektoren der 22 Kliniken mit 28 Standorten wird erwartet, dass in den nächsten Jahren weitere Häuser folgen werden. Derzeit schreibt jedes zweite Krankenhaus im Land rote Zahlen.



Der Vorsitzende der Saarländischen Krankenhausgesellschaft (SKG), Alfons Vogtel, teilte der SZ mit: „Wenn es nicht zu einer grundlegenden Änderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kommt, in denen sich Krankenhäuser heute bewegen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch im Saarland weitere Häuser in den nächsten Jahren geschlossen werden (müssen).“ Er fügte hinzu: „Wadern ist sicher nur die Spitze eines Eisberges und ein Indiz dafür, dass unter den derzeitigen finanziellen Rahmenbedingungen insbesondere freigemeinnützige und öffentlich-rechtliche Träger zu solchen Schritten gezwungen sind.“

Es könne ja per se ein vernünftiges politisches Ziel sein, die Zahl der Krankenhäuser zu reduzieren, um die Kosten des Gesundheitssystems in einem vernünftigen Rahmen zu halten. „Dieses Ziel korreliert aber immer mit dem übergeordneten Ziel einer vernünftigen und angemessenen  medizinischen Versorgung der Bevölkerung“, sagte Vogtel. Ob dies durch die aktuelle Politik im Bund erreicht werde, bezweifele er.

Das Saar-Gesundheitsministerium gibt keine Prognose ab: „Schließungen von Krankenhaus-Standorten liegen nicht in der Verantwortung des saarländischen Gesundheitsministeriums, sondern in der Verantwortung der Träger“, sagte ein Sprecher. Die Marienhaus GmbH, die das Krankenhaus in Wadern betreibt, lehnt unterdessen eine langfristige Bestandsgarantie für alle ihre Standorte – neben Wadern sind dies im Saarland noch sechs weitere – ab. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen hätten sich in den letzten Jahren so verschärft, dass es insbesondere für kleine Krankenhäuser immer schwerer werde, am Markt zu bestehen. Man kämpfe aber für die kleinen Standorte und wolle maßgeschneiderte Konzepte für sie entwickeln.

Vogtel kritisierte, die Krankenhäuser seien in einen „gnadenlosen Wettbewerb“ getrieben worden. Die Folge sei, dass sich das Leistungsangebot aller Häuser auf hochvergütete Leistungen konzentriere, unabhängig davon, was in einer Region notwendig sei. Die Träger fordern eine bessere Finanzierung. Das Land will die Krankenhaus-Investitionen von derzeit 28,5 Millionen Euro pro Jahr bis 2022 um bis zu zehn Millionen erhöhen. Wie hoch der tatsächliche Bedarf ist, ist umstritten. Die Träger gehen von bis zu 80 Millionen Euro aus.