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Serie Nachgehakt
Mehr Einsätze durch Rauchmelder

Seit einem Jahr gilt im Saarland die Rauchmelderpflicht für alle privat genutzten Wohnungen und Häuser. Die Zahl der Einsätze für die Feuerwehr ist seitdem gestiegen. Oft konnten so schlimme Schäden verhindert werden.
Seit einem Jahr gilt im Saarland die Rauchmelderpflicht für alle privat genutzten Wohnungen und Häuser. Die Zahl der Einsätze für die Feuerwehr ist seitdem gestiegen. Oft konnten so schlimme Schäden verhindert werden. FOTO: Rainer Jensen / picture alliance / dpa
St. Ingbert/Saarbrücken. Die Feuerwehren im Saarland ziehen ein Jahr nach Einführung der Pflicht zum Einbau der Geräte eine positive Bilanz.  Von Ute Kirch
Ute Kirch

Ein schriller Alarmton schreckt Anfang Dezember eine Familie in St. Ingbert-Rohrbach aus dem Schlaf. Sofort bemerken die Eltern den Brandgeruch. Sie nehmen ihre zwei kleinen Kinder und bringen sich unverletzt in Sicherheit. Der Feuerwehr gelingt es, ein Übergreifen des Feuers auf das gesamte Haus zu verhindern. Dass der Wohnhausbrand so glimpflich verlief, ist für die Feuerwehr auch ein Erfolg der Rauchmelderpflicht, die am 1. Januar 2017 in Kraft trat. „Wie wichtig die Rauchmelder sind, zeigt dieser Brand. Durch die frühzeitige Warnung der Bewohner konnten alle selbstständig, frühzeitig und vor allem ohne gesundheitliche Beeinträchtigung das Haus verlassen“, erklärte Florian Jung, Pressesprecher der Feuerwehr St. Ingbert.


Von Meldungen wie diesen hört Landesbrandinspekteur Timo Meyer regelmäßig. Er appelliert an alle, die bisher noch keinen Rauchmelder installiert haben, dies umgehend nachzuholen. „Auch ein Jahr nach Einführung der Rauchmelderpflicht höre ich immer wieder von Leuten, die sagen, dass der Vermieter noch keine Anstalten gemacht habe, die Rauchmelder zu installieren“, sagt Meyer. Auch Wohnungseigentümer berichteten ihm mitunter, sie hätten sich zwar Geräte gekauft, diese aber noch nicht angebracht. Manche wiederum glaubten irrtümlicherweise, sie seien nicht betroffen. „Die Rauchmelderpflicht gilt für alle“, betont Meyer.

Für den Einbau der Geräte sei der Eigentümer beziehungsweise der Vermieter zuständig. Der Mieter wiederum müsse sich darum kümmern, dass der Rauchmelder betriebsbereit ist, also etwa darauf achten, dass die Batterie nicht leer ist. „Es gibt Unterschiede zwischen den verschiedenen Modellen“, sagt Meyer. So klinge der Alarmton je nach Apparat anders, bei manchen müsse einmal im Jahr ein Funktionstest gemacht werden. „Ich bitte daher darum, die Bedienungsanleitung zu lesen und sich an die Herstellerangaben zu halten.“ Vermieter müssten ihre Mieter mit diesen Informationen versorgen – was aber nicht immer der Fall sei. Jeweils mindestens ein Rauchwarnmelder sei in Wohnungen einzubauen, und zwar in allen Schlafräumen, Kinderzimmern und Fluren, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen. Kontrolliert würde der Einbau der Geräte nicht.

Landesweite Zahlen, ob durch die Einführung der Rauchmelderpflicht die Einsätze der Feuerwehren gestiegen sind, gebe es erst Ende Februar. Es sei anzunehmen, dass es durch mehr Rauchmelder auch mehr Einsätze gebe, glaubt Meyer.

Einen Anstieg verzeichnet bereits die Berufsfeuerwehr in Saarbrücken, die seit 2016 eine solche Statistik führt. Demnach wurden 2016 30 Einsätze durch private Rauchwarnmelder ausgelöst, darunter waren acht Brandeinsätze und 22 blinde Alarme. Im Jahr 2017 seien die Zahlen deutlich gestiegen: Allein für die ersten drei Quartale, für die bislang Zahlen vorliegen, verzeichnet die Berufsfeuerwehr insgesamt 83 Einsätze, darunter 28 Brandeinsätze und 55 blinde Alarme. Die gestiegene Anzahl führt sie auf die Rauchmelderpflicht zurück. „Bei den blinden Alarmen handelt es sich in erster Linie um Anrufer, die einen Warnton eines Rauchmelders in einer fremden Wohnung wahrgenommen haben. Ob es sich um einen Warnton wegen der Batteriespannung oder einen anderen technischen Defekt handelte, wurde dabei nicht unterschieden“, teilt die Berufsfeuerwehr mit.



Timo Meyer weiß auch von solchen Fehlalarmierungen. „Ich habe aber den Eindruck, dass diese für die Feuerwehren zurzeit keine dramatische Mehrbelastung darstellen“, sagt er. Die meisten dieser Einsätze seien technischer Natur. So werde das Signal, dass die Batterie fast leer ist, mit dem Alarm verwechselt. „Es war gut, dass der Nachbar auf Nummer sicher gegangen ist und die Feuerwehr gerufen hat, als er den Alarmton aus der Wohnung des Nachbarn gehört hat“, sagt Meyer. Doch mit genauer Wartung ließen sich diese Einsätze verhindern.

Unter Umständen werde sich die Zahl der Fehlalarme wegen Rauchmeldern mangels Wartung erhöhen, je älter die Geräte seien. „Noch sind sie neu, die Batterien nicht alt. Aber mit der Zeit lagern sich in ihnen Staub und Schmutz ab“, sagt Meyer. Dadurch verschmutze die Linse, wodurch sie schon früher Alarm schlagen könnten. Nach zehn Jahren müssten die Rauchwarnmelder zudem ausgetauscht werden.

Landesbrand­inspekteur 
Timo Meyer
Landesbrand­inspekteur Timo Meyer FOTO: Timo.Meyer