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70 Jahre Vereinigung der Jäger des Saarlandes
„Man darf den Jagd-Auftrag nicht einengen“

Landesjägermeister Josef Schneider interessiert sich für die Ansitzeinrichtungen beim Jägerheim in Saarwellingen.
Landesjägermeister Josef Schneider interessiert sich für die Ansitzeinrichtungen beim Jägerheim in Saarwellingen. FOTO: Dieter Ackermann
Saarlouis. Landesjägermeister Josef Schneider erachtet sein Handwerk auch als aktiven Naturschutz. Von Dieter Ackermann

Als erfahrener Richter hat Josef Schneider (66) bis zum Eintritt in den Ruhestand viele Jahre lang Recht gesprochen. Sein persönliches Urteil darüber, ob das Saarland mit seiner in herrliche Natur eingebetteten Industriekulisse Jagd und Jäger überhaupt braucht, hat er letztlich schon mit der Annahme seiner Wahl zum heutigen Landesjägermeister der Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS) im Jahr 2014 gefällt. Im Vorfeld der Feierlichkeiten anlässlich des 70-jährigen Bestehens seines Verbandes (Infokasten) wich er in unserem Interview auch kritischen Fragen nicht aus.


Mit dem eigenen Jagdschein in der Tasche, den er 1979 erwarb, schuf er formal die Voraussetzung dafür, dass ihn die rund 4000 Mitglieder der VJS zu ihrem Landesjägermeister wählen konnten. Angesichts des schweren Standes der Jagd im öffentlichen Diskurs und mit Blick auf die Tatsache, dass die saarländischen Jagdscheininhaber nur etwa 0,4 Prozent der Landesbevölkerung ausmachen, drängt sich die Frage auf, was das Waidwerk für Schneider ganz persönlich bedeutet.

Seine klare Antwort: „Ich habe es nie bereut, vor langer Zeit den Jagdschein gemacht zu haben, weil die Jagd meine Liebe zur Natur in konkretes Engagement umsetzt und weil ich gesundes, köstliches Wildbret aus heimischen Wäldern überaus zu schätzen weiß.“



Dass dafür ein Tier sein Leben lassen musste, gibt ihm nicht zu denken? „Ethisch habe ich überhaupt kein Problem damit, weil das Erlegen von Wild zum jagdlichen Auftrag zwangsläufig dazugehört, den möglichst artenreichen Wildbestand an die natürlichen Gegebenheiten des jeweiligen Jagdreviers anzupassen.“

Immer mehr Menschen wissen aktuell tatsächlich Wildbret zu schätzen, aber kann das wirklich als Plädoyer für die Jagd gelten? Schneider will das so ausschließlich nicht gelten lassen: „So darf man den jagdlichen Auftrag nicht einengen. Ich bin in unserem Bundesland auch Landesjägermeister geworden, weil ich mithelfen möchte, das handwerkliche Jagen als aktiven Naturschutz in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels zukunftsfähig zu gestalten. Dazu gehört für mich unverzichtbar die tierschutzgerechte Jagdausübung. Deshalb lege ich so großes Augenmerk auf die Aus- und Weiterbildung unserer Jäger, bei der insbesondere das Training ihrer Schießfähigkeiten im Fokus steht.“

Aber gibt es denn in den Revieren an der Saar auch aktuelle Entwicklungen, die den Jägern Sorgen bereiten? „Insbesondere der Rückgang unseres Niederwildes verlangt unsere ganze Aufmerksamkeit.“ Auf die Bejagung dieser rar gewordenen Arten wie zum Beispiel Hasen und Rebhühner werde vielerorts seit Jahren freiwillig verzichtet. Zusätzlich kümmere man sich aktiv beispielsweise um Projekte wie „Artenreiche Kulturlandschaft Saarlouis“.

Von insgesamt 74 Jagdrevieren in diesem Landkreis hätten sich bereits 32 mit einer Gesamtfläche von rund 10 000 Hektar angeschlossen. Bei dem Versuch, unter anderem Bodenbrütern wie Rebhühnern, aber auch Feldlerchen in für sie optimierten Ackerflächen eine neue Überlebenschance zu bieten, hätten sich bereits erste Erfolge eingestellt. „Von unseren Bemühungen profitieren bejagbare, als auch nicht bejagbare Tierarten.“

Ausgehend von dieser Einschätzung bleibt Schneider auch bei der Frage keine Antwort schuldig, wie die Saarjäger noch vorhandene Vorbehalte in der Bevölkerung abbauen wollen. Erfolgreich seien zum Beispiel die vielen Initiativen im Rahmen der Aktion „Lernort Natur“, die sich kontinuierlich an Kinder und Jugendliche richten.