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Luftfahrt
Druck auf Bundesregierung wegen Kerosinablass wächst

Mainz. Von rolf seydewitz

Nach den zunehmenden Protesten gegen das Spritablassen von Flugzeugen hat die rheinland-pfälzische Landesregierung den Bund zu mehr Transparenz und einem raschen Handeln aufgerufen. SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer wirft Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in diesem Zusammenhang eine unverantwortliche Blockadehaltung vor. Der Bund müsse endlich dafür sorgen, dass alle Fälle von Treibstoff-Notablässen nach spätestens 24 Stunden publik gemacht werden, fordert Schweitzer.


Das sogenannte Fuel Dumping ist in Rheinland-Pfalz und im Saarland seit Jahren ein Aufreger. Nach offiziellen Angaben wurden im vergangenen Jahr bundesweit 580 Tonnen Kerosin abgelassen, ein Großteil davon – 370 Tonnen – über Rheinland-Pfalz. Die Spritablässe dienen dazu, das Gewicht der Flugzeuge vor einer außerplanmäßigen Landung zu reduzieren. Jedes beabsichtigte Kerosinablassen muss der Deutschen Flugsicherung (DFS) gemeldet werden, im militärischen Bereich dem Luftfahrtamt der Bundeswehr. Der Lotse weist den Piloten dann einen Luftraum zu, in dem das Flugbenzin abgelassen werden kann – ein bis zwei Tonnen pro Minute.

Das Kerosin wird von den Turbulenzen hinter dem Flugzeug „zu einem feinen Nebel verteilt“, der größtenteils verdunste und in der Atmosphäre verbleibe, so die Bundesregierung in einer älteren Antwort an die Grünen. Nur ein kleiner Teil erreiche den Boden, die Kontamination sei vernachlässigbar.



Genau das aber bezweifeln die Kritiker, zu denen auch die regionale Landtagsabgeordnete und Grünen-Verkehrsexpertin Jutta Blatzheim-Roegler aus Bernkastel-Kues zählt. Mit Spannung wird ein neues Gutachten erwartet, das nach Angaben der Bundesregierung im November vorliegen soll.

Unabhängig von dem ausstehenden Gutachten soll der Bund künftig rasch über jedes Kerosinablassen, die Menge, den Grund und das betroffene Gebiet informieren, fordert die Mainzer Landesregierung in einem Entschließungsantrag für den Bundesrat. Die Fuel-Dumping-Debatte hatte zuletzt auch wegen einer Unterschriftenaktion der Initiative Pro Pfälzerwald an Fahrt gewonnen, an der sich bislang nach Angaben der Initiatoren über 73 000 Menschen beteiligt haben. Rheinland-Pfalz und das Saarland sind nach Angaben der Bundesregierung wegen der Nähe zu den Flughäfen Köln/Bonn und Frankfurt überproportional oft betroffen.