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Magdeburg, eine Stadt mit einer sehr langen Geschichte

Magdeburg. Nach knapp sechsstündiger Fahrt mit den Deutschen Bahn hatten wir in Magdeburg unmittelbar nach der Ankunft schon unseren ersten Termin: mit Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper im Hasselbachsaal des Rathauses. Welche Ehre das für uns war, wurde uns erst richtig klar, als er uns mitteilte, dass wir die erste Schulklasse seien, die er hier empfange

Magdeburg. Nach knapp sechsstündiger Fahrt mit den Deutschen Bahn hatten wir in Magdeburg unmittelbar nach der Ankunft schon unseren ersten Termin: mit Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper im Hasselbachsaal des Rathauses. Welche Ehre das für uns war, wurde uns erst richtig klar, als er uns mitteilte, dass wir die erste Schulklasse seien, die er hier empfange. Unser Lehrer Eberhard Jung überbrachte Grüße von unserem eigenen Oberbürgermeister Karlheinz Schöner und machte den Magdeburger Amtskollegen neugierig auf unsere Heimat, indem er ihm Bücher und Broschüren über Homburg, den Saarpfalz-Kreis und das Saarland schenkte.Auch ein Buch unserer AG Geschichte über den Auschwitz-Überlebenden Alex Deutsch war dabei, der 1945 nach einem langen Leidensweg in Magdeburg als jüdischer Zwangsarbeiter beim Einmarsch der Amerikaner die Freiheit erlangt hatte. Wir stellten Lutz Trümper während der knapp einstündigen Begegnung zahlreiche Fragen und erfuhren dabei viel über seinen Lebensweg: sein Aufwachsen in der DDR, Geschichtsunterricht während seiner Schulzeit, seine Tätigkeiten an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg usw.



Aber auch seine Liebe zum 1. FC Magdeburg kam zur Sprache, die Bedeutung des Fußball-Idols Jürgen Sparwasser, mit dem Magdeburg 1974 Europapokalsieger wurde und der bei der Fußball-WM für die DDR gegen die westdeutsche Nationalmannschaft in Hamburg das Siegestor zum 1:0 schoss.

Natürlich ging Trümper auch auf "Otto den Großen und den großen Otto" (Otto von Guericke) ein, der jahrzehntelang als Bürgermeister segensreich für seine Heimatstadt tätig war, unter anderem mit diplomatischen Missionen, nachdem die Stadt 1631 während des Dreißigjährigen Krieges als Hochburg des Protestantismus "dramatisch zerstört" ("magdeburgisiert") wurde, wobei ein Großteil der Bewohner ums Leben kam.

Überhaupt kein Verständnis hat Trümper für rechtsradikale Neigungen und die Zerstörungswut einiger Jugendlicher heutzutage. Er erklärte uns weiterhin die Hintergründe des Beinamens "Ottostadt" und die Marketingstrategie. Auf unsere Frage, warum er seit vielen Jahren die Schirmherrschaft über den örtlichen Christopher-Street-Day ablehne, erhielten wir die ehrliche Antwort: "Das ist nicht meine Welt."

Am Abend besuchte uns der Historiker Pascal Begrich, der uns in einem Sitzungssaal der Jugendherberge über das Thema "Nationalsozialismus in Magdeburg" informierte und dabei auf das persönliche Schicksal von Alex Deutsch als Zwangsarbeiter am Industriestandort Magdeburg einging, auf die katastrophalen Bombardierungen am Kriegsende und die Massenmorde an Juden. Er versprach uns, Dokumente zu schicken, ebenso wie Maren Ballerstedt, die Leiterin des Stadtarchivs, die sich am Folgetag sehr darum bemühte, uns weiterführendes Material über Zwangsarbeiter in Magdeburg um 1945 zur Verfügung zu stellen.

Den ersten Tag ließen wir ausklingen mit einem Abendessen in einem böhmischen Lokal, in dem wir alle zusammen mit unserem Lehrer osteuropäische Spezialitäten und böhmisches Bier probierten, denn auch das ist ein Stück Kulturgeschichte. Anschließend machten wir noch einen Spaziergang zum Hasselbachplatz, dem gastronomischen Zentrum der Elbmetropole.

Der zweite Tag unserer Reise begann früh mit einer zweistündigen Stadtführung durch Magdeburg - bei herrlichem Kaiserwetter. Dabei erfuhren wir viel über die Besonderheiten der Stadt, ihre Geschichte und ihre Architektur. Den wohl extravagantesten Farbtupfer im Stadtbild Magdeburgs stellt das Hundertwasser-Bauwerk "Die Grüne Zitadelle" dar, die gut zu Magdeburg passt.

Im Anschluss an die Stadtführung besichtigten wir den Magdeburger Dom, den dritthöchsten Kirchenbau Deutschlands. Die antisemitische Darstellung einer "Judensau" in einem abschließbaren Vorraum stand in scharfem Gegensatz zu den zahlreichen biblischen Szenen der Alabasterverkleidung an der Kanzel, deren Kunstfertigkeit und Detailgenauigkeit beeindrucken.

Dann erwiesen wir im Dom Otto I. (912-973), dem einzigen deutschen Kaiser, der von seinen Zeitgenossen den Beinamen "der Große" erhielt, anlässlich seines 1100. Geburtstages die Ehre, indem wir eine Rose auf seinem Grab niederlegten und eine Andacht miterlebten. Nachdem wir uns den Sonderstempel der Magdeburger Post zu Ottos Geburtstag für unsere Karten besorgt hatten, verbrachten wir den Nachmittag und Abend vor allem im Kulturhistorischem Museum.

Bei der Führung durch die Sonderausstellung "Otto der Große - Kaisertum von der Antike zum Mittelalter" sahen wir beeindruckende Mengen an Schätzen, die uns zum Staunen brachten: kostbare Bücher und die vielen Goldmünzen aus dem Mittelalter.

Das Abendprogramm eröffnete Professor Gerd Althoff aus Münster im Kaiser-Otto-Saal mit seinem Vortrag über das Leben und Wirken Ottos des Großen. In seiner Laudatio stellte er den Jubilar als umsichtigen und machtbewussten Staatsmann mit christlichen Herrschertugenden dar, der das Reich stabilisierte und mit Augenmaß und Kompromissfähigkeit regierte.

Anschließend wurden uns bei der "Langen Nacht" im Kulturhistorischen Museum allerlei Attraktionen geboten: mittelalterliche Musik, ein Theatermonolog Ottos des Großen und eine Modenschau mit mittelalterlichen Kostümen. Im authentisch hergestellten mittelalterlichen Dorf im Innenhof des Museums konnte man einem Kettenhemdstricker bei der Arbeit in einer Schmiede zuschauen, mittelalterliche Speisen und Getränke ausprobieren, und ein Gaukler sorgte als Feuerspucker für Unterhaltung und Kurzweil.

Plötzlich kamen bewaffnete Wächter auf unseren Mitschüler David Bellaire zu, beschuldigten ihn, bei der Feuershow nicht applaudiert zu haben, und befestigten ihn unter dem Gelächter der Zuschauer am Pranger, dem mittelalterlichen Schandpfahl zur Vollstreckung von Ehrenstrafen.

Dort musste David eine Weile schmachten, während sich andere Mitschüler zusammen mit unserem Lehrer an der Modenschau mit eleganten Schönheiten in mittelalterlicher Königinnentracht erfreuten, die von jungen Damen der "Schule für Mode und Design" arrangiert wurde.

Den letzten Tag unseres Aufenthaltes verbrachten wir im Guericke-Zentrum an der Elbe. Bei einer Führung erweiterten wir unser Wissen über Otto von Guerickes Biografie, sein Lebenswerk und seine Bedeutung als herausragender Bürgermeister, Naturwissenschaftler und Diplomat. Besonders interessant waren die physikalischen Versuche, die für erstaunte Gesichter sorgten angesichts der enormen wissenschaftlichen Erkenntnis Guerickes im 17. Jahrhundert.

Die Magdeburger begegneten uns mit großer Gastfreundschaft, Offenheit und Herzlichkeit. Es machte Spaß, auf der Rückfahrt gemeinsam diesen Bericht zu schreiben. Wir haben etwas Unvergessliches erlebt, das sich nicht mehr wiederholen lässt. Die Teilnehmer der Projektfahrt der Klasse 10c des Saarpfalz-Gymnasiums