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| 20:29 Uhr

Männer sind an unseren Grundschulen Exoten"Mädchen sind tendenziell braver und ruhiger"

In den saarländischen Grundschul-Kollegien sind die Frauen klar in der Mehrheit. Im Regionalverband sieht das nicht anders aus. Zahlen des Ministeriums für Bildung und Kultur zeigen: Unter den 679 Grundschulpädagogen sind nur 85 Männer - gerade mal 13 Prozent. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. An der Saar-Uni gibt es einen Studiengang Lehramt für die Primarstufe Von Sarah Konrad und Monika Jungfleisch (beide SZ)

In den saarländischen Grundschul-Kollegien sind die Frauen klar in der Mehrheit. Im Regionalverband sieht das nicht anders aus. Zahlen des Ministeriums für Bildung und Kultur zeigen: Unter den 679 Grundschulpädagogen sind nur 85 Männer - gerade mal 13 Prozent. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. An der Saar-Uni gibt es einen Studiengang Lehramt für die Primarstufe. "Im Grundschullehramt gibt es insgesamt 60 Studienplätze. Rund 80 Prozent der jetzigen Erstsemester sind Frauen", sagt Unisprecher Thorsten Mohr. Auch an der Universität Landau seien angehende Grundschullehrer Exoten, sagt Michaela Kelkel. Die 21-jährige Saarländerin studiert dort Lehramt für die Primarstufe. "In Landau absolvieren alle Lehramtsstudenten dasselbe Grundstudium. Erst danach muss man sich für eine Schulform entscheiden", erzählt die junge Studentin. "Während des Grundstudiums, in den ersten vier Semestern, waren noch einige Männer in meinen Kursen. Aber in der Grundschulpädagogik sind männliche Kommilitonen eher selten", sagt Kelkel. Welche Folgen hat das in den Schulen? Sind Jungs gar benachteiligt, weil ihnen die "männliche" Erziehung fehlt?Mit diesem Thema hat sich Florian Junge in seiner Diplomarbeit beschäftigt und kam zu einem eindeutigen Ergebnis - ja. "Lehrerinnen agieren mit geschlechtstypischen Verhaltensweisen, weiblichen Kommunikationsstrukturen und zum Teil auch weiblichen Lehrmethoden im Unterricht", sagt der 30-Jährige. Männer und Frauen lösten Probleme unterschiedlich. Und auch beim Blick auf die Schulhöfe zeige sich: In der Erziehung setzten Männer und Frauen unterschiedliche Prioritäten. Während Lehrer die Jungs auch mal toben und raufen ließen, seien Lehrerinnen bemüht, Konflikte zu vermeiden. Verhaltensauffälligkeiten und schlechte Noten der Jungen können in einigen Fällen eine Konsequenz der fehlenden männlichen Erziehung sein, behauptet Florian Junge weiter. Dies kann Michaela Kelkel nur teilweise bestätigen. In Praktika sammelte die angehende Lehrerin schon Erfahrungen: "Männliche Lehrkräfte verhalten sich in gewissen Situation schon anders als weibliche. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Lehrer es eher tolerieren, wenn die Jungs auf dem Stuhl rumhampeln. Lehrerinnen sind davon oft sehr schnell genervt." Einmal, so die Studentin, habe ein männlicher Kommilitone mit ihr ein Praktikum gemacht, und gerade die Jungs seien nach dem Unterricht oft zu ihm gekommen. "Sie haben sich dann über Autos unterhalten und zusammen Fußball gespielt", sagt Kelkel: "Die Buben haben den Kontakt schon gesucht und waren froh, dass ein Erwachsener mit ihnen spielt." Aber dass ein Kind Probleme in der Schule hatte, nur weil ihm eine männliche Bezugsperson fehlte, sei ihr noch nicht untergekommen. "Selbst wenn ein Junge von einer alleinerziehenden Mutter, einer Kindergärtnerin und anschließend von einer Lehrerin erzogen wird, heißt das ja noch lange nicht, dass er ohne Männer aufwächst", meint Michaela Kelkel. "Er hat dann ja immer noch männliche Klassenkameraden und vielleicht einen Onkel oder Opa."

Florian Junge, der zusätzlich eine Fachausbildung zum Kinder- und Jugendtherapeuten gemacht hat, ergänzt: "Natürlich sind schlechte Noten und Verhaltensstörungen nicht nur auf fehlende männliche Lehrkräfte zurückzuführen, sondern auf eine Reihe von Ursachen." Dazu zählten die wachsende Zahl alleinerziehender Mütter, zu wenige männliche Erzieher in Kindergärten und Bewegungsmangel.

Was tun? Florian Junge ist für männliche Sozialarbeiter in Schulen und eine Fortbildung von Lehrerinnen in Unterschieden zwischen den Geschlechtern und in einer auf Jungen zugeschnittene Pädagogik.

Und was sagen die Jungs an Grundschulen? Für Maximilian Backes (7) aus Saarbrücken steht fest, wo Lehrerinnen besser sind und wo Lehrer sich leichter tun. "Sport und Mathe können Lehrer besser unterrichten", sagt der Grundschüler: "Unser Lehrer spiel öfter mit uns Fußball." Für Musik und Deutsch eignen sich nach Maximilians Ansicht hingegen Lehrerinnen besser. Jungs stellen sich ihren Traumlehrer so vor: Er sollte freundlich, witzig und sportlich sein, aber auch konsequent durchgreifen und Regeln aufstellen. Regionalverband. Grundschullehrer wünschen sich mehr Männer in den Kollegien. Jürgen Meyer (44) aus Riegelsberg kann die Forderung nach männlichen Lehrkräften zwar nachvollziehen. Aber er ist auch überzeugt, dass die durchschnittlich schlechteren Schulnoten der Jungs nichts mit dem Frauenüberschuss zu tun haben. "Die besseren Noten der Mädchen haben meiner Meinung nach eher was mit ihrem Entwicklungsstand und weniger mit weiblichen Lehrkräften zu tun", erklärt der 44-Jährige aus Riegelsberg. "Mädchen sind tendenziell braver und ruhiger als Jungen, zumindest beobachte ich dies aus meiner Perspektive als männliche Lehrkraft. Ich glaube aber nicht, dass das Geschlecht der Schüler zu einer Bevorzugung oder Benachteiligung führt. Schließlich haben wir seit Pisa eindeutige Vorgaben für die Benotung. Sie hat sich seitdem eher vereinheitlicht. Meiner Beobachtung nach sind Mädchen jedoch reifer als Jungen. Dies macht sich besonders ab dem dritten Schuljahr deutlich bemerkbar. Ein Grundschultag mit fünf Stunden Unterricht ist für die Schüler sehr anstrengend, das erfordert von den Kindern schon viel Disziplin. Darin sind die Mädchen eher im Vorteil," sagt Meyer weiter.

Marie-Christine Jost unterrichtet an der Maria-Montessori-Grundschule Rußhütte. Sie beantwortet die Frage, ob Männer an Grundschulen fehlen, eindeutig: "Ja. Es wäre wichtig, dass es mehr männliche Lehrkräfte gäbe. Bei uns an der Montessori-Schule unterrichten nur Frauen. Dabei gibt es gewisse Dinge, die Männer vielleicht besser oder auf jeden Fall anders regeln würden. Für das Kollegium wäre es schön, ein paar männliche Lehrkräfte zu haben, um sich zu bestimmten Themen einfach mal eine Männermeinung einholen zu können", sagt die Saarbrückerin. Sie erklärt weiter: "Bei der Sexualerziehung trennen wir Jungen und Mädchen manchmal. Wenn dann aber eine Lehrerin die Jungs unterrichtet, ist das auch eher witzlos." Doch nicht nur für das Kollegium, auch für die Schüler wünscht sich Marie-Christine Jost männliche Unterstützung.

Große Unterschiede im Lehr-Stil

Sie hat nämlich beobachtet, dass die Jungs gezielt den Kontakt zu männlichen Praktikanten oder Integrationshelfern suchen, wenn diese an der Schule sind. "Es ist wichtig, dass die Jungen ein männliches Vorbild haben. Sie sprechen mit den Praktikanten auch über ganz andere Themen als mit uns. Männer in der Grundschule sind genauso wichtig wie männliche Erzieher im Kindergarten. Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Mütter alleinerziehend sind", sagt die Grundschullehrerin. Aber dass Jungs verhaltensauffällig sind, weil sie nur von Frauen erzogen wurden, ist auch Marie-Christine Jost nicht bekannt.

Der pensionierte Grundschullehrer Klaus Vollmann-Lohrig aus Kutzhof sieht im Lehrverhalten weiblicher und männlicher Lehrkräfte an Grundschulen gravierende Unterschiede. Diese seien besonders im Sportunterricht deutlich erkennbar.

"Lehrerinnen bevorzugen eher gymnastische Übungen, lieben Tanz, Seilhüpfen oder das Spielen mit Bändern. Jungen mögen das weniger. Lehrer hingegen bieten Ballsportarten an, wie Fuß-, Hand-, Volley-, Völker-, Basketball oder Hockey. Sie ringen, sie boxen, sie raufen. Hierbei kommen Mädchen zu kurz. Lehrer machen Reaktionsspiele, lieben Wettkampfspiele, wohingegen Lehrerinnen öfter Gemeinschafts-, Harmonie-, und Eleganzspiele bevorzugen", zieht der 71-Jährige nach 40 Berufsjahren Bilanz.

Seine Forderung: eine Männerquote. Die Lehrstellen sollten je zur Hälfte von Männern und Frauen besetzt sein, damit Mädchen und Jungen die Vorzüge beider Lehr-Verhalten zugute kämen. mj/sarah

"Rund 80 Prozent der jetzigen Erstsemester sind Frauen."

Thorsten Mohr, Sprecher der Universität des Saarlandes, über den Studiengang für angehende Grundschulpädagogen

"Sport und Mathe können Lehrer besser unterrichten."

Maximilian Backes (7), Grundschüler aus Saarbrücken

Zur Person

Der 30-jährige Wallerfanger Florian Junge hat an der Trierer Universität Diplom-Pädagogik studiert und beschäftigte sich in seiner Diplomarbeit mit der Thematik "Männlichkeit im Grundschulalter im Hinblick auf die Feminisierung des Bildungswesens". Zurzeit absolviert Junge eine dreijährige Fachausbildung zum Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten an der Akademie für Psychotherapie und Interventionsforschung der Universität Potsdam. mj