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Macht Vielfalt Friedhöfe teurer?

Saarlouis. Ob ein Investor das frühere Kirchlein der aufgegebenen Jesuiten-Niederlassung "Canisianum" in Saarlouis in eine Urnengrabstätte verwandeln kann, bleibt weiter offen. Der Hauptausschuss des Saarlouiser Rates beauftragte am Donnerstagabend einstimmig die Stadtverwaltung, genauere Informationen einzuholen Von SZ-Redakteur Johannes Werres

Saarlouis. Ob ein Investor das frühere Kirchlein der aufgegebenen Jesuiten-Niederlassung "Canisianum" in Saarlouis in eine Urnengrabstätte verwandeln kann, bleibt weiter offen. Der Hauptausschuss des Saarlouiser Rates beauftragte am Donnerstagabend einstimmig die Stadtverwaltung, genauere Informationen einzuholen.Das Canisianum war nach dem Abzug der Jesuiten an den eigentlichen Besitzer der Immobilie, die Stadt, zurückgefallen. Die Stadt verkaufte es an einen Architekten, weil der ein Architekturbüro daraus machen wollte. Für den Gebäudebereich Kirche aber wurde nichts daraus, der neue Eigentümer verkaufte die Immobilie an einen Investor weiter. Der will eine Urnengrabstätte ("Kolumbarium") daraus machen. Etwas verschnupft reagierten Ratsmitglieder darauf, dass im Kaufvertrag der Stadt mit dem Architekten nichts über einen möglichen Weiterverkauf gesagt worden war.


CDU-Fraktionschef Tim Flasche will nun Klarheit, wie sich eine zusätzliche Grabanlage auf das "Überangebot" an Friedhofsplätzen in Saarlouis, vor allem auf die Gebühren, auswirken könnte. Je mehr Saarlouiser sich in einer Urne in der Kirche bestatten ließen, desto weniger Plätze auf den Friedhöfen würden belegt. Die Kosten für die städtischen Friedhöfe müssten dann auf immer weniger Bürger umgelegt werden. Flasche sagte, der Betreiber wolle mit der Stadt kooperieren - das Angebot will er nun in Zahlen ausgedrückt sehen. FWG-Fraktionschef Altomaro Locurcio sah das ähnlich und regte ein Gutachten an. Das solle klären, welche Risiken die Stadt eingehe, wenn sie das Einvernehmen mit dem Investor ablehne. Das Einvernehmen erst einmal nicht herzustellen, empfahlen auch SPD-Fraktionschef Peter Schmolenzky und Stellvertreter Peter Demmer. Patrizia Zimmer fragte danach, wer das Kolumbarium betreiben solle, falls der Investor später aussteigen sollte.

Erst einmal klare Informationen forderte der Rat einstimmig auch zu einem Antrag des Integrationsbeirates. Der will oberirdische Grabkammern, wie sie in Italien üblich sind. Dafür schlug er den Friedhof auf dem Kreuzberg in Fraulautern vor. Auch hier stellt sich aus Sicht von Rat und Verwaltung die Frage nach Wirtschaftlichkeit und Nachfrage angesichts solcher Grabkammern in Saarbrücken und bald auch in Völklingen. In Saarbrücken gebe es einschließlich im Bau befindlicher Kammern 84 Grabplätze, 60 Prozent davon belegt, erläuterte der Vorsitzende des Integrationsbeirates Patrizio Maci. In Völklingen seien 24 geplant, für Saarlouis stelle man sich zwölf Grabplätze vor.