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Im Gedenken an den Judenmord
Luxemburg weiht sein erstes Holocaust-Mahnmal ein

Genau an der Stelle vor der Kathedrale, an der das Denkmal steht, wurde 1823 die erste kleine Synagoge Luxemburgs errichtet.
Genau an der Stelle vor der Kathedrale, an der das Denkmal steht, wurde 1823 die erste kleine Synagoge Luxemburgs errichtet. FOTO: Bodo Bost
Luxemburg. Von Bodo Bost

Fast die gesamte Luxemburger Regierung, Vertreter von Opfer- und Widerstandsgruppen, Abgeordnete des National- und des Stadtparlaments sowie fast die gesamte jüdische Gemeinde waren gekommen: Zur Enthüllung der Granitskulptur zur Erinnerung an die Shoah vor der Kathedrale von Luxemburg-Stadt am Sonntag. Zuerst erklärte Stadtbürgermeisterin Lydie Polfer, sichtlich ergriffen, die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Luxemburg. Genau an der Stelle, an der jetzt das Denkmal steht, wurde nämlich bereits 1823 die erste kleine Synagoge Luxemburgs errichtet.


Eine größere Synagoge wurde 1894 wenige Meter entfernt an der Ecke der rue Notre Dame und rue Aldringen errichtet, die 1941 von den deutschen Besatzern zerstört wurde. Nach der Zerstörung der Synagoge begann auch die Ermordung der jüdischen Bevölkerung Luxemburgs durch die deutschen Besatzer, wobei einige Luxemburger kräftig mithalfen.

Von den 658 Juden, die in der Zeit der Besetzung durch die Nazis aus Luxemburg in die Konzentrationslager und die Ghettos des Ostens deportiert wurden, kamen nur 44 lebend zurück und bildeten nach dem Krieg den Kern der heutigen neuen jüdischen Gemeinde, sagte Lydie Polfer. Albert Aflalo, der Präsident des „Consistoire israelite“ ging in seiner Rede auf die vielen Jahre des Streits ein, der der Errichtung des Monumentes vorausging. Und auch auf die Tatsache, dass Antisemiten auch heute wieder Menschen in den Nachbarländern von Luxemburg töten.



Dabei erwähnte er ausdrücklich den militanten Antisemitismus zugewanderter Muslime, aber auch ureuropäischen von rechts und links. Er begrüßte dabei die Tatsache, dass Luxemburg, nachdem die Regierung sich 2013 für die Mitschuld von Luxemburgern am Judenmord entschuldigt hatte, die Gedenkstiftung für die Shoah gegründet habe. Diese betreibe eine sehr aktive Aufklärungsarbeit im ganzen Land vor allem unter jungen Leuten.

Premierminister Xavier Bettel (Liberale Partei) ging in seiner auf Luxemburgisch und Französisch gehaltenen Rede auf die tiefen Wunden ein, die die Judenvernichtung in Luxemburg bis heute gerissen hat. Seine Regierung hatte sich 2013 bei der jüdischen Gemeinde für die luxemburgische Mitbeteiligung an der Judenverfolgung entschuldigt und nach Jahren des Schweigens eine Aufarbeitung dieser Geschichte eingeleitet. „Luxemburger haben sich in der Zeit der Shoah nicht mit Ruhm bekleckert“, sagte Bettel.

Das Staatsoberhaupt, Großherzog Henri, wohnte mit seiner Ehefrau der Einweihung bei, ohne eine Rede zu halten. Großherzogin Maria Teresa war vor einigen Wochen in die Kritik geraten, weil sie Hanan Al Hroub, die Ehefrau eines in Israel verurteilten palästinensischen Terroristen, in ihrem Palast empfangen hatte.

Auch Außenminister Jean Asselborn (Sozialist), der mehrmals die Kritik des Staates Israel wegen seiner pro-palästinensischen Haltung auf sich gezogen hatte und deswegen auch von Premierminister Bettel zurückgepfiffen worden war, fehlte als prominentester Regierungsvertreter bei der Einweihung. Oberrabbiner Alain Naccache übergab das Kiddusch (Totengebet) betitelte Denkmal seiner Bestimmung.

Nach der Einweihung des Denkmals erklärte der in der Gegend von Auschwitz in Polen geborene Bildhauer Shlomo Selinger, selbst ein Überlebender des Holocaust, dem Premierminister und dem großherzoglichen Paar sein Werk, das sehr stark an sein Denkmal am Ende der Skulpturenstraße am Bostalsee im Saarland erinnert.

Insgesamt 48 Skulpturen in Erinnerung an den Holocaust hat der 90-jährige Shlomo Selinger, der nach seiner Rettung aus dem Konzentrationslager Theresienstadt einige Jahre in Israel lebte und seit 1953 in Paris wohnt, bereits geschaffen, fünf davon sind, wie das jetzt in Luxemburg eingeweihte, nationale Gedenk-Monumente.

Das Mahnmal selbst trägt eine hebräische und luxemburgische Inschrift. Die luxemburgische Inschrift lautet: „Kaddisch fir d‘Judde vu Lëtzebuerg, die vun den Nazien ëmbruecht goufen – 1940-1945“.