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Kündigungswelle beschlossen
LSVS will sich von 62 Mitarbeitern trennen

 Die Mensa der Sportschule, die in diesem Gebäude untergebracht ist, bringt die größten Verluste. Sie soll nun privatisiert werden.
Die Mensa der Sportschule, die in diesem Gebäude untergebracht ist, bringt die größten Verluste. Sie soll nun privatisiert werden. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Mit einem radikalen Sparprogramm will das Präsidium den Landessportverband sanieren. Die Mitarbeiter werden am Donnerstag informiert. Von Tobias Fuchs und Michael Jungmann
Tobias Fuchs

Beim krisengeschüttelten Landessportverband  Saar (LSVS) soll – wie bereits berichtet – jeder dritte Arbeitsplatz spätestens zum Jahresende wegfallen. Das Präsidium des Verbandes, der jährlich ein strukturelles Defizit von rund 2,5 Millionen Euro schreibt, hat am Mittwoch dem Sanierungskonzept des Konsolidierungsberaters Michael Blank „einstimmig schweren Herzens“ zugestimmt. Dies teilte Vizepräsident Franz Josef Schumann, der nach dem Rücktritt von Präsident Klaus Meiser mit Franz Josef Kiefer den LSVS ehrenamtlich leitet, am Mittwoch am späten Nachmittag mit.


Demnach sollen 62 von insgesamt 182 Stellen (davon sind 100 Planstellen) wegfallen. Darüber hinaus sollen nach Angaben von Blank 30 weitere Stellen gestrichen werden. Hier handelt es sich um befristete Jobs und Pensionierungen. Schließlich sollen noch 77 Mitarbeiter weiter in LSVS-Diensten verbleiben.

Blank plant mit diesem Schritt, die Personalkosten von 6,1 Millionen Euro, die etwa die Hälfte des Jahresbudgets für den Saar-Sport ausmachen, deutlich zu reduzieren. Der bislang hauseigene Reinigungsdienst, die EDV-Abteilung und Teile der Buchhaltung sowie die Mensa werden an externe Firmen vergeben. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass ein Teil der betroffenen Belegschaft hier Anschlussbeschäftigungen, aber wahrscheinlich nicht zu den bisherigen Konditionen, finden wird. Einige Reinigungskräfte sollen bis zu 40 000 Euro brutto im Jahr erhalten haben.



Der Personalrat wurde bereits am Mittwoch über die bevorstehende Kündigungswelle informiert. Die Belegschaft soll am Donnerstag nähere Details erfahren. Die wiederholt von der Politik gemachte Vorgabe, bei Personaleinsparungen „die Treppe von oben nach unten zu kehren“, wird teilweise umgesetzt. Bekannt ist, dass 15 Beschäftigte jährlich mehr als 75 000 Euro brutto bekamen. Schumann bestätigte, dass der LSVS sich auch von seinem jungen Geschäftsführer F. trennen will. Er sollte ursprünglich mit der amtierenden Hauptgeschäftsführerin Karin Becker eine „Doppelspitze“ bilden.

Zudem werden nach Angaben des Konsolidierungsberaters in einer vierseitigen Pressemitteilung zwei von sieben Geschäftsstellen der Fachverbände gestrichen. Damit fallen auch künftig zwei Geschäftsstellenleiter weg. Schumann wörtlich: „Ich kann verstehen, dass die Politik sagt, wir können nicht nur bei den Reinigungsfrauen zu Einschnitten kommen, sondern es muss auch andere treffen.“ Derweil strebt Blank die „Herbeiführung einer angemessenen Personalstruktur“ an.

Abgeben muss der LSVS die in Eigenregie geführte Mensa der Hermann-Neuberger-Sportschule. Dieser Sportlertreff verursacht bislang jährlich Verluste in Höhe von mehr als 600 000 Euro. Blank: „Die Mensa als der größte Verlustträger kann nicht gehalten werden.“ Ein externer Anbieter soll dann künftig die Sportler, Internatsschüler und Lehrgangsteilnehmer verpflegen.

Sanierer Blank erteilt einer Schließung von Sportstätten und Unterkünften eine klare Absage. Dies hätte nach seinen Worten „dazu geführt, dass die bundesweit anerkannte Hermann-Neuberger-Sportschule (HNS) zu einer reinen Trainingsstätte mit eingeschränktem Angebot herabgestuft worden wäre“. Blank betont weiter: „Die Infrastruktur für den Leistungs- und Spitzensport wäre zusammengebrochen. Ein ‚Kaputtsparen’ war von keiner Seite gewollt und wäre auch mit den Zielen der Satzung des LSVS nicht vereinbar gewesen.“

Damit Blanks Rechnung aufgeht und der LSVS aus eigener Kraft überlebt, müssen Mehreinnahmen erzielt werden. Dies soll unter anderem über Parkplatzgebühren (jährlich 150 000 bis180 000 Euro im Jahr) sowie die Vermarktung von Sporthallen und deren Namensrechten erfolgen.

Aus Sicht des Sanierungsexperten wird sich der Verband künftig wieder auf seine Grundaufgaben besinnen. Der LSVS erhalte die Chance, sich aus eigener Kraft zu sanieren und so seine Eigenständigkeit zu bewahren. Blank: „Die Förderung des saarländischen Sports soll wieder im Mittelpunkt stehen.“

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sagte unterdessen bereits zu, die Landesregierung werde das Sanierungskonzept „bestmöglich“ begleiten. Das Kabinett werde in der nächsten Woche „unterstützende Maßnahmen“, mit denen dem LSVS bei einer eigenständigen Sanierung geholfen werden könne, „intensiv beraten“. Der Regierungschef erklärte ausdrücklich: „Die Missstände beim Sportverband dürfen weder auf dem Rücken unserer Top-Athleten noch auf dem der vielen in Vereinen engagierten Saarländerinnen und Saarländer ausgetragen werden.“