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Affäre um Landessportverband
LSVS-Vize Schumann geht in die Offensive

(Symbolbild).
(Symbolbild). FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken/St. Wendel. Der Sportfunktionär und Ex-Landrat wehrt sich gegen die Vorwürfe der Anklage. Der Verteidiger sieht seinen Mandanten unfair behandelt. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Franz Josef Schumann, gerade 70 Jahre alt geworden, hat sich als geschäftsführender Vizepräsident des krisengeschüttelten Landessportverbandes Saar (LSVS) ehrgeizige Ziele gesetzt. „Am 16. September ist Schluss. Dann wird die LSVS-Mitgliederversammlung ein neues Präsidium wählen.“ Schumann, Präsident des Fußballverbandes, steht dann für eine Fortsetzung seines ehrenamtlichen Engagements im Präsidium nicht mehr zur Verfügung. Er wolle „einen geordneten Verband“ an die Nachfolger übergeben, sagt der ehemalige CDU-Landrat von St. Wendel und Ex-Sparkassen-Präsident.


Er ist zuversichtlich, dass der hochverschuldete Sportverband im laufenden Geschäft schon bald wieder schwarze Zahlen schreibt: „Wir werden einiges ändern müssen.“ Nach einer aktuellen Kalkulation wird 2018 mit einem Defizit von 1,2 Millionen Euro gerechnet, 2019 dann aber wieder mit etwa 1,4 Millionen Euro Überschuss. Voraussetzung dafür: Der von Konsolidierungsberater Michael Blank vorgestellte Sanierungsplan wird Schritt für Schritt umgesetzt. Das bedeutet dann auch einen Abbau von mindestens 45 Mitarbeitern. Und einen neuen Kreditbedarf, so die Angaben von Blank, in Höhe von 15,2 Millionen Euro. Anfang August steht nach SZ-Informationen ein wohl vorentscheidender Termin mit der SaarLB als Kreditgeber an.

Franz Josef Schumann, LSVS-Vizepräsident und Präsident der Saar-Fußballer, hat einen vom Staatsanwalt angebotenen „Deal“ abgelehnt.
Franz Josef Schumann, LSVS-Vizepräsident und Präsident der Saar-Fußballer, hat einen vom Staatsanwalt angebotenen „Deal“ abgelehnt. FOTO: Ruppenthal


Im Rückblick stellt Schumann trotz des aktuellen Gegenwinds für den LSVS fest: „Das ist längst nicht alles so schlecht gewesen und gemacht worden, wie es jetzt dargestellt wird.“ Er selbst sieht sich zu Unrecht an den öffentlichen Pranger gestellt, da ihm wenige Tage nach seinem 70. Geburtstag eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Vorteilsgewährung und Untreue zugestellt wurde.

Schumann soll neben dem früheren LSVS-Präsidenten und Ex-Landtagspräsidenten Klaus Meiser (CDU) auf der Anklagebank vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Platz nehmen. Hintergrund ist ein einstimmiger Beschluss des LSVS-Präsidiums, wonach der Sportverband sich finanziell an dem Empfang von Innenminister Klaus Bouillon (CDU) zu dessen 70. Geburtstag in der Mensa der Landessportschule beteiligt. Bouillon hat dies abgelehnt. Der Staatsanwalt geht von Vorteilsgewährung und Untreue aus.

Schumann gibt sich überzeugt und kämpferisch: „Das stehe ich durch. Ich habe keine Straftat begangen, keinen Vorteil gewährt und nichts veruntreut.“ Nach Beratung mit seiner Familie und Freunden habe er entschieden, einen vom Staatsanwalt angebotenen „Deal“ in diesem Fall schlicht abzulehnen. Wäre er mit einem Strafbefehl über 90 Tagessätze wegen Vorteilsgewährung einverstanden gewesen, hätte die Justiz die Akten in diesem Fall zeitnah geschlossen.

Mehrere Präsidiumsmitglieder haben dieses Angebot des zuständigen Oberstaatsanwaltes akzeptiert. Schumann aus Überzeugung nicht. Deshalb erging die Anklage – auch wegen möglicher Untreue, von der bei den Strafbefehlen keine Rede mehr ist.

Schumann will gemeinsam mit seinem Anwalt Joachim Schmieden die Richter von seiner Unschuld überzeugen: „Der Tatbestand der Vorteilsgewährung ist nicht erfüllt.“ Und mit Blick auf das vom Staatsanwalt gewählte Vorgehen, aus angeblich verfahrensökonomischen Gründen einen Strafbefehl anzubieten oder dann die umfangreichere Anklage in Kauf zu nehmen, könnten manche kritische Stimmen auch an das böse Wort „Erpressung“ denken. Schumann ist sich sicher, dass keiner seiner Kollegen mit dem Beschluss dem Minister einen Vorteil gewähren wollte. Wirtschaftlicher Druck, etwa wegen drohender Prozesskosten, und der möglicherweise mehrtägige öffentliche Prozess haben aus seiner Sicht dazu geführt, dass dem angebotenen Strafbefehl als dem geringeren Übel zugestimmt wurde.

„Ich habe nichts zu verbergen“, sagt der Jurist Schumann und bereitet sich auf den Prozess vor, studiert bergeweise Akten. Verteidiger Schmieden sieht seinen Mandanten vom Staatsanwalt auch nicht unbedingt fair behandelt. Etwa zwei Wochen vor der Anklageerhebung sei der überhaupt erst zur Vernehmung geladen worden. Erst dann sei Akteneinsicht beantragt und gewährt worden. Fünf Leitz-Ordner mit über 2000 Seiten. Für eine umfassende Stellungnahme dazu sei überhaupt keine Zeit geblieben.

Dieses und andere Argumente wird Schmieden in einem Schriftsatz an die Wirtschaftsstrafkammer auflisten. Es ist davon auszugehen, dass er beantragen wird, die Anklage gegen Schumann nicht zur Hauptverhandlung zuzulassen.

Abgesagt wegen des laufenden Verfahrens hat Schumann seinen Besuch morgen vor dem Innenausschuss des Landtages. Das Gremium will über die laufende Sanierung des LSVS informiert werden.

Die Akten des Landgerichts sind derweil offenbar unterwegs zum LSVS-Untersuchungsausschuss. Damit ist Guido Britz, Verteidiger von Ex-LSVS-Präsident Klaus Meiser, einverstanden. Er hat allerdings Widerspruch beim Justizministerium dagegen eingelegt, Unterlagen zu weiteren Ermittlungsverfahren gegen seinen Mandanten an das Gremium zu schicken. Seine Begründung: Er, so Britz, habe keine Informationen, wie viele Verfahren die Staatsanwaltschaft gegen Meiser überhaupt eingeleitet habe.

Für die erhobene Anklage ist, so die Meinung des Verteidigers, das Landgericht nicht zuständig. Andere Betroffene hätten Strafbefehle vom Amtsgericht erhalten, warum soll dann sein Mandant vor das Landgericht zitiert werden? Eine nachvollziehbare Begründung fehle hier. Britz kündigt auch seinen Antrag an, die Anklage nicht zur Verhandlung zuzulassen. Die erhobenen Tatvorwürfe seien falsch. „Eine strafrechtliche Relevanz ist nicht gegeben, allenfalls ein Geschmäckle, mehr aber auch nicht.“