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Affäre beim Landessportverband
LSVS-Sanierer muss für frisches Geld sorgen

An der Landessportschule hat Anwalt Franz Abel in den LSVS-Räumen ein kleines Büro bezogen.
An der Landessportschule hat Anwalt Franz Abel in den LSVS-Räumen ein kleines Büro bezogen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Opposition beklagt eklatante Interessenkonflikte bei der Aufklärung der Affäre. Die Rechtsanwaltskammer prüft den Fall nun. Von Michael Jungmann und Daniel Kirch
Michael Jungmann

Beim krisengeschüttelten Landessportverband (LSVS), dem die Zahlungsunfähigkeit droht, hat der St. Ingberter Rechtsanwalt Franz Abel als vom Präsidium bestellter Sanierungsberater („Konsolidierungsbearater“) das Ruder übernommen. In der Verwaltung der Landessportschule bezog der Anwalt, der LSVS-intern weisungsbefugt und nur der Rechtsaufsicht beim Innenministerium gegenüber berichtspflichtig ist, zwischenzeitlich ein kleines  Büro. Heute steht unter anderem angeblich ein Treffen mit dem Personalrat an.


Ein Notar hat gestern Abels Handlungsbefugnis, mit der er für den LSVS im Außenverhältnis auftreten kann, offiziell beurkundet. Unmittelbar danach standen, so war zu erfahren, weitere wichtige Termine an, denn der Sanierungsexperte muss dringend dafür sorgen, dass der angeschlagene Verband flüssig bleibt. Wie berichtet, wird zum Monatsende ein siebenstelliger Betrag für Zinsen und Tilgungsraten eines Darlehens fällig.

Gegenüber unserer Zeitung betonte Abel: „Die Liquiditätslage ist derzeit das dringendste Problem. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir zahlungsfähig bleiben werden.“ Aktuell bemüht sich der Anwalt um eine Bestandsaufnahme beim LSVS, um dann eine verlässliche Finanzplanung erstellen zu können.



Derweil wird nicht nur in Juristenkreisen diskutiert, ob Abels Engagement beim LSVS zu einer Interessenkollision in dessen St. Ingberter Kanzlei führt. Denn Abels Sozius Professor Guido Britz verteidigt als Strafrechtler LSVS-Präsident Klaus Meiser, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Vorteilsgewährung und Untreue ermittelt. Zudem sind Abel und Meiser alte Bekannte. Abel sagt: „Ich kenne Meiser seit etwa 25 Jahren aus gemeinsamen Zeiten beim 1. FC Saarbrücken, damals war ich Vergleichsverwalter bei dem Verein. Auch die Tatsache, dass wir uns gelegentlich in privater Runde treffen, hindert mich nicht in meinem Amt, das ich jetzt übernommen habe. Das ist schlicht eine Frage meiner persönlichen Integrität.“

Das sieht die Opposition im Landtag anders. „Ist im Innenministerium niemand auf die Idee gekommen, dass man vor der Bestellung eines Konsolidierungsberaters klären muss, ob Interessenkonflikte bestehen?“, fragt Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine. Abel sei „nicht zuletzt als ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Saarbrücken seit vielen Jahren Teil des LSVS-Beziehungsgeflechts“. Die AfD-Fraktion erklärte zu der personellen Konstellation: „Abgesehen davon, dass dies standeswidrig ist, ist eine solche Beauftragung an Geschmacklosigkeit nicht zu übertreffen.“

Zu einer möglichen Interessenkollision mit seinem Anwaltskollegen Britz stellt Abel klar: „Richtig, wir sind im selben Büro. Das ist bekannt. Wir haben aber völlig unterschiedliche Aufgaben und arbeiten unabhängig voneinander. Ich habe hier einen Sanierungsauftrag, allerdings als Franz Abel und nicht als Mitglied der Sozietät. Es besteht da keine Unvereinbarkeit. Das läuft alles im Rahmen standesrechtlicher Vorgaben.“

Ob dem so ist, muss die Rechtsanwaltskammer im Zweifel beurteilen. Deren Präsident, Justizrat Raimund Hübinger, erklärte auf Anfrage gegenüber unserer Zeitung: „Die Frage einer möglichen Interessenkollision wurde an uns herangetragen. Wir beschäftigen uns damit. Noch liegen aber nicht alle Informationen auf dem Tisch.“

Auch unabhängig von der Personalie Abel sieht die Opposition die Landesregierung mit dem Krisen-Management überfordert. Lafontaine erklärte, nach einer Neuordnung der Sportförderung müsse sichergestellt sein, „dass das bisherige System, bei dem eine Hand die andere wäscht, durch stärkere Trennung von Entscheidung und Kontrolle so gestaltet wird, dass ein finanzielles Desaster wie das jetzige verhindert wird“. Die AfD warf den Verantwortlichen „blinden Aktionismus“ vor. Es sei unabdingbar, dass nun endlich der Landesrechnungshof tätig werde. Die FDP erklärte mit Blick auf eine mögliche schwarze Kasse („Verstärkungsfonds“), aus der Meiser nach Darstellung der Staatsanwaltschaft insbesondere vor der Landtagswahl 2017 Gelder an Sportvereine verteilt haben soll, es sei schwer vorstellbar, dass die CDU-Führung und der zuständige Minister Bouillon davon nichts gewusst hätten.