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Finanzaffäre bei Landessportverband Saar
LSVS braucht Millionen-Finanzspritze

Die Stimmung beim Landessportverband für das Saarland (LSVS), hier die Rezeption, ist seit fast einem halben Jahr am Boden. Die neuesten Zahlen sind alarmierend.
Die Stimmung beim Landessportverband für das Saarland (LSVS), hier die Rezeption, ist seit fast einem halben Jahr am Boden. Die neuesten Zahlen sind alarmierend. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Vizepräsident Schumann kündigt „unangenehme Entscheidungen“ an. Teilweise werden ungewöhnlich hohe Gehälter gezahlt. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Zahlen lügen nicht. Beim Landessportverband Saar (LSVS), den seit Monaten eine millionenschwere Finanzaffäre beschäftigt, sind die Geschäftszahlen tiefrot. Der als Konsolidierungsberater angeheuerte Völklinger Rechtsanwalt Michael Blank und sein Kollege Günter Staab, der das Mandat der Rechtsaufsicht beim Innenministerium hat, legten in dieser Woche neue, alarmierende Zahlen auf den Tisch. Demnach beschert das laufende Geschäft bei dem Dachverband des Saar-Sports Monat für Monat ein Defizit von fast 200♦000 Euro. Im Jahr nach jüngsten Hochrechnungen mehr als 2,3 Millionen Euro. Hier sind schon erste Sparmaßnahmen berücksichtigt.


Bei einem Treffen des so genannten „kleinen Krisenstabes“, der zwischenzeitlich als „Lenkungsgruppe LSVS“ firmiert, ging es im Landtag in kleiner Runde um mögliche Wege aus der Finanzkrise. Mit am Tisch neben den beiden Sanierungsexperten: Die Fraktionschefs von CDU und SPD, Alexander Funk und Stefan Pauluhn, sowie die Staatssekretäre Jürgen Barke (SPD, Wirtschaft) und Christian Seel (CDU, Innen und Sport). Erstmals waren die LSVS-Vizepräsidenten Franz Josef Schumann und Franz Josef Kiefer dabei. Nach dem Rücktritt von LSVS-Präsident Klaus Meiser (CDU) teilen sich beide derzeit die ehrenamtliche Verbandsführung. Gegen sämtliche Präsidiumsmitglieder ermittelt der Staatsanwalt wegen Untreue-Verdacht und – bis auf eine Ausnahme – auch wegen möglicher Vorteilgewährung. Das Sagen beim LSVS hat ohnehin der medienscheue Berater Blank. Er musste auf Druck der Rechtsaufsicht mit einer umfassenden Handlungs- und Weisungsvollmacht ausgestattet werden.

Nach Informationen unserer Zeitung gehen Berater, Politik und amtierende LSVS-Spitze davon aus, dass der Verband sich aus eigener Kraft retten kann. Dafür bedarf es aber „tiefer Einschnitte“. Vizepräsident Schumann bestätigte, dass akuter Handlungsbedarf besteht: „Wir sind in einer heißen Phase. In den nächsten Tagen wird es harte, unangenehme Entscheidungen geben.“ Nähere Angaben wollte er nicht machen, bevor alle verbliebenen Präsidiumsmitglieder und der komplette Vorstand in der ersten Juni-Woche informiert werden. Schumann und Kiefer scheinen aber bereit, die vom kleinen Krisenstab vorgegebenen Hausaufgaben im Interesse des Sports zu erledigen.



Wie unsere Redaktion aus sicherer Quelle erfahren hat, braucht der LSVS, um als Körperschaft des öffentlichen Rechts nicht dem Steuerzahler zur Last zu fallen, kurzfristig frische Millionen. Die Liquidität des Verbandes ist wohl bis Juni gesichert, notfalls, wenn ein Darlehen der Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement komplett ausgeschöpft wird, auch bis September. Pro Quartal werden rund eine Viertelmillion Euro für Zinsen und Tilgung eines 20-Millionen-Kredits bei der Saar LB fällig. Dieses Darlehen valutiert derzeit angeblich noch bei rund 19 Millionen Euro. Bei diesem Geldgeber haben Konsolidierer Blank, Staatssekretär und Krisenmanager Barke und Vizepräsident Schumann in den nächsten Tagen einen entscheidenden Termin. Der Verband braucht frische Millionen, um den laufenden Betrieb und die Instandhaltung der Immobilien zu finanzieren. Die Rede ist von einem weiteren Kredit in Höhe von etwa zehn Millionen Euro. Es ist zu erwarten, dass die Bank, selbst wenn Ex-Sparkassenpräsident Schumann und ein Staatssekretär anklopfen, knallharte Auflagen und Bedingungen formuliert. Sicherheiten hat der LSVS, etwa die regelmäßigen Zahlungen von Saartoto aus dem Sportachtel oder seine Immobilien.

Unabhängig davon ist ein knallharter Sparkurs beim LSVS gefordert. Dies gilt insbesondere für die Personalkosten, die etwa 6,5 Millionen Euro im Jahr – fast die Hälfte der Einnahmen – ausmachen sollen. Offenbar ist das Gehaltsgefüge bei einem Teil der mehr als 100 Mitarbeitern in Schieflage. 15 Leute sollen mehr als 75♦000 Euro brutto im Jahr verdienen, einige sogar 100♦000 Euro plus. Preisklassen, die im öffentlichen Dienst keineswegs die Regel sind. Angeblich sollen auch einige Kräfte des Reinigungspersonals mit mehr als 40♦000 Euro jährlich auf der Gehaltsliste stehen. Arbeitsrecht wird damit offenbar zum Thema beim LSVS. Sanierer Blank hat bereits einen Fachanwalt an seiner Seite. Gleichzeitig mobilisiert die Gewerkschaft Verdi, zumal hinter der Zukunft der Mensa (Sportlertreff) dicke Fragezeichen stehen. Sie beschert die dicksten Verluste mit 678♦000 Euro im Jahr.