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Glockenstreit in Hülzweiler
Bald läuten die Hülzweiler Glocken leiser

Dank gedämpfter Metallhämmer könnte der Glockenklang unter 60 Dezibel fallen.
Dank gedämpfter Metallhämmer könnte der Glockenklang unter 60 Dezibel fallen. FOTO: Hans-Günther Groß
Hülzweiler. Im Streit um die Lautstärke der Kirchenglocken zeichnet sich eine Lösung ab. Doch kommt jetzt genug Geld zusammen, um diese zu finanzieren? Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Seit einem Monat sind sie bereits verstummt, die Glocken der Hülzweiler Pfarrkirche St. Laurentius. Und nicht nur die treuen Kirchengänger vermissen sie. Immer wieder wird Pfarrer Hans-Georg Müller auch von anderen Ortsbewohnern auf die neue sonderbare Stille angesprochen. Und so scheute er in den vergangenen Wochen keine Mühe, um eine Lösung zu finden, damit die Glocken wieder läuten dürfen und ihr Schall dennoch den gesetzlichen Richtwert von 60 Dezibel nicht überschreitet.


Entstanden war der Konflikt, nachdem sich ein Dorfbewohner beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz beschwert hatte, weil er sich nachts durch den Glockenschlag gestört fühlte. Darauf wurde die Lautstärke gemessen, die mit 67 Dezibel tatsächlich den Grenzwert überschritt. Eine Lösung wäre es gewesen, die Glocken nachts abzuschalten. Doch St. Laurentius verfügt bislang nur über eine alte Glockensteuerung, die sich nur an- oder ausmachen lässt. „Wir haben die Glocken immer ein Mal im Jahr ausgemacht, am Abend des Gründonnerstags. Doch die Steuerung befindet sich im Turm, eine Etage über der Orgel. Man kann nicht jeden Morgen und jeden Abend nach oben klettern“, erklärt Pfarrer Müller. Jetzt soll eine komplett neue Steuerung angeschafft werden. Außerdem sollen die Metallhämmer so gedämpft werden, dass die Glocken tatsächlich Tag und Nacht schlagen können – und das „juristisch einwandfrei“, wie der Pfarrer sagt.

Dafür hat Müller einen saarländischen Kunstschmied gefunden, der über großes Fachwissen und Erfahrung in Arbeit mit Kirchenglocken verfügt. „Er war letzte Woche hier, um sich das Ganze anzuschauen. Nächste Woche wird ein Probelauf mit einer Glocke stattfinden“, sagt Müller. Gelingt dies, könnte die Lösung auf die weiteren Glocken übertragen werden. Zuerst werden aber der Fachmann sowie das Unternehmen, das die Steuerungssysteme herstellt, für die Kirchengemeinde Kostenvoranschläge anfertigen. Die ganze Angelegenheit könne ziemlich teuer werden. „Ich hoffe, dass der Kostenrahmen unter einer fünfstelligen Summe bleibt“, sagt der Pfarrer.



Um die Finanzierung zu stemmen, wird die Gemeinde auf die Unterstüzung der Hülzweiler Bevölkerung angewiesen sein. Vom Bistum Trier hätte es nur Geld gegeben, wäre die alte Steuerung marode und unbrauchbar geworden. „Für eine Systemumstellung sind keine Zuschüsse vorgesehen“, so Müller. Auch die Kirchengemeinde selbst kann die Summe nicht aufbringen. In den vergangenen Jahren sei bereits viel in die Kirchenrenovierung investiert worden, für diese umfangreichen Arbeiten an der Steuerung und den Metallhämmern sei kein Geld mehr übrig. Doch der Geistliche ist zuversichtlich, dass bei einer Haussammlung im Dorf einiges zusammen kommt: „Ich bin davon überzeugt, dass uns die Bevölkerung helfen wird. Wir haben bereits in der Vergangenheit viel Unterstützung erhalten.“

Steht die Finanzierung, können die Arbeiter loslegen. Doch neben Geld brauchen die Hülzweiler Bürger, die den Klang ihrer Kirchenglocken vermissen, noch eines: Geduld. Denn es handelt sich dabei um Präzisionsarbeiten. „Das passiert nicht von heute auf morgen. Es ist nicht wie einen Chip einzusetzen oder eine Batterie zu wechseln, es braucht Zeit“, sagt Müller und blickt dennoch optimistisch in die Zukunft: „Jetzt, wo wir wissen, wie die technische Lösung aussieht, sind wir schon einen großen Schritt weiter gekommen.“