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Kirche
„Linker Katholik“ verteidigt Inhalte der Bistumsreform

 Eine Protestkundgebung gegen die geplante Bistumsreform im Oktober 2018 in Trier.
Eine Protestkundgebung gegen die geplante Bistumsreform im Oktober 2018 in Trier. FOTO: dpa / Harald Tittel
Saarbrücken/Trier. Von Udo Lorenz

Er selbst nennt sich „linker Katholik“ und christlicher Kritiker von Bischof Stephan Ackermann, steht aber hinter den geplanten Reformen im Bistum Trier, die ab dem Jahr 2020 neue kirchliche Inhalte und nur noch zehn Pfarreien im Saarland vorsehen: Der 63-jährige Albert Ottenbreit. Er ist Sozialarbeiter in der Saarbrücker „Wärmestube“  für Arme und Wohnungslose, ist seit über vier Jahrzehnten beruflich wie ehrenamtlich in der katholischen Kirche engagiert und überzeugt davon, dass die Umsetzung der Beschlüsse der Synode des Bistums für eine basisorientiertere diakonische Kirche sorgen werden. Ein Hindernis sieht er auch nicht darin, dass Saarbrücken dann nur noch eine Pfarrei (und mit 98 000 Katholiken größte Deutschlands) sein wird.


„Leider wird bislang nur über die Strukturen und viel zu wenig über die Inhalte der Synodenumsetzung geredet“, beanstandet Ottenbreit im Gespräch mit der SZ. „Es haben nicht der Bischof von Trier, sondern 280 Menschen aus dem ganzen Bistum drei Jahre miteinander nachgedacht, sich schlau gemacht und sind vor Ort gegangen, um ein Abschlussdokument der Synode zu erstellen und zu sagen: Wir wollen eine diakonische und mehr sozialraumorientierte Kirche.“ Die knapper werdenden Ressourcen von Personal, Geld und Räumen der Kirche sollten demnach verstärkt für solche Menschen eingesetzt werden, die besonderer Hilfe in der Gesellschaft oder in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld bedürften.

„Sich um Arme und Benachteiligte zu kümmern – sowohl konkret vor Ort wie gesellschaftspolitisch – das ist Kirche“, betont Ottenbreit. „Die Kirche soll zudem basisorientierter, näher beim Menschen werden.“ Wenn die Verwaltungen im Bistum auf nur noch zehn „Pfarreien der Zukunft“ im Saarland konzentriert würden („im Grunde die jetzigen Dekanate“), entstünden auch mehr Freiräume mit weniger Bürokratie.



Das bringe mehr Zeit für pastorale und seelsorgerische Arbeit. Es gebe nur noch einen leitenden Pfarrer, die anderen in der Pfarrei könnten inhaltlich arbeiten, könnten Seelsorge machen. In dem 70-seitigen Abschlussdokument der Synode wird unter anderem „Abschied genommen von der Vorstellung, dass in der Kirche nur hauptamtlich Tätige verantwortlich entscheiden können“. Glauben und Nicht-Glauben anderer Menschen werden ebenso respektiert wie Patchwork-Familien Geschiedener oder gleichgeschlechtliche Partner. Dazu werden neue Formen von Gottes-Feiern mit Predigten dazu befähigter Männer und Frauen sowie die Einbindung von Laien im Bestattungsdienst angeregt, erklärt Ottenbreit.

„Es geht nicht darum, Kirche vor Ort abzuschaffen, sondern die Verwaltungen zu zentralisieren für die Menschen vor Ort.“ Das aber würden die Kritiker um die vom früheren FDP-Landeschef Harald Cronauer angeführte Protestbewegung gegen Ackermanns XXL-Reform verkennen. „Denen geht es nur um Struktur, nicht um die Inhalte“, sagt Ottenbreit. Zugleich wirft er Bischof Ackermann vor, er habe den Fehler gemacht habe, zuerst über die Struktur statt über die Inhalte der Synodenumsetzung debattieren zu lassen. Zudem sei das Problem der sexualisierten Gewalt im Bistum immer noch nicht aufgearbeitet. Deshalb und weil ihr der Umgang mit Geld und Frauen in der katholischen Kirche missfalle, sei auch seine 28-jährige Tochter aus der Kirche ausgetreten, sagt Ottenbreit. Er selbst habe dagegen als praktizierender Katholik „überwiegend gute Erfahrung mit der Kirche gemacht“. Er findet, dass sich künftig noch mehr Menschen in den Reformprozess der Kirche einbringen sollten. „Basiskirche entsteht, indem ich mich nicht als Betreuter betrachte, sondern mit anderen gemeinsam in der Pfarrei anfange, Projekte zu planen“, so Ottenbreit. „Synodenumsetzung heißt nicht, alles wird neu. Aber die Leute, die sagen, es soll alles so bleiben, wie es ist, die machen die Augen zu vor der Realität. Es kann nicht alles so bleiben, wie es ist.“ Denn dass etwa Kirchengebäude aufgegeben werden müssten, sei angesichts der rückläufigen Zahl von Gottesdienstbesuchern bei gleichbleibend hohen Kosten doch nicht verwunderlich.