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Letztes Geleit für ermordetes Baby

Ein Trauerzug geleitet den kleinen Sarg auf dem Friedhof in Kleinblittersdorf. Fotos: Becker & Bredel
Ein Trauerzug geleitet den kleinen Sarg auf dem Friedhof in Kleinblittersdorf. Fotos: Becker & Bredel
Kleinblittersdorf. Wird ein Neugeborenes umgebracht, ist das meist das Ende einer verheimlichten Schwangerschaft. Alternativen wie Babyklappe oder anonyme Geburt sind rechtlich umstritten. Experten setzen auf Beratung während der Schwangerschaft. Von SZ-RedakteurMichael Jungmann

Hinweisschilder vor der Kleinblittersdorfer Pfarrkirche St. Agatha zeigen den Weg zur Trauerfeier. Der Name des Verstorbenen fehlt auf den Tafeln, stattdessen ist ein kleiner Engel aufgedruckt. Drinnen, vor dem Altar, steht ein winziger Sarg, etwa 60 Zentimer groß, weiß lackiert. Kerzen und kleine Engel stehen vor dem Sarg, den Tücher in Regenbogenfarben schmücken. Der Küster der Kirche hat Blumen mitgebracht. Bestatter Hubert Laubach und seine Helfer sind um eine würdige Trauerfeier für den unbekannten Säugling bemüht, dessen Leiche am Dienstag vor einer Woche im Gebüsch hinter dem Parkplatz eines Drogeriemarktes in Kleinblittersdorf gefunden wurde. Die Obduktion ergab: Der kleine Junge wurde wenige Stunden nach seiner Geburt umgebracht.

Mehr als 250 Trauergäste, darunter auch junge Mütter mit ihren Babys im Kinderwagen, hören dann in der Kirche, wie Pastor Peter Sens sagt: "Das Leben ist ein Geschenk, und solche Geschenke sind gefährdet. In unserer Mitte ist ein kleiner Sarg mit einem Kind, dem am ersten Tag das Leben geraubt wurde. Warum, können wir nicht sagen. Wer die Eltern sind, wissen wir nicht." Später wendet sich der Priester zu dem Baby im Sarg und sagt: "Wir wissen nicht, wer dich getötet hat. Wir kennen noch nicht einmal deinen Namen." Er spricht von Wut, Zorn, Trauer und Betroffenheit, "dass so etwas in unserer Gemeinde" geschehen konnte. In seine Fürbitten schließt der Pastor die Menschen ein, die das Kind getötet haben: "Wir beten auch für die Täter." Gott möge ihnen die Einsicht geben in das, was sie getan haben, dass sie sich ihrer Verantwortung stellen. Und Sens bittet um den Segen "für alle, die sich um Aufklärung bemühen".

Unter den Trauergästen ist auch der Kleinblittersdorfer Bürgermeister Stephan Strichertz. Er spricht von einer "Tragödie, die sich hier abgespielt hat". Mit ihren Kindern Ronja (10) und Armand (2) ist Alice Lang aus Großblittersdorf zum Waldfriedhof gekommen. Ihre Tochter habe geweint, als sie von dem Tod des Babys erfuhr. Sie will Blumen zu seinem Grab bringen. "Wir wollen Anteilnahme zeigen. Wenn der kleine Mann schon alleine sterben musste, dann soll er wenigstens nicht alleine beerdigt werden." Die Langs folgen dann - wie Hunderte Trauergäste - dem kleinen Sarg, den ein Bestatter mit weißen Handschuhen zu Grabe trägt.

Mehrere Teams der Mordkommission "Kreisel" sind derweil vor der Kirche und auf dem Waldfriedhof bei der Arbeit. Autokennzeichen werden notiert, mehrere Fahrzeuge werden überprüft. Auf den Einsatz von drei Hunden, die in Autos nach Spuren suchen sollten, wird verzichtet. Der Grund: Es war einfach zu viel Verkehr am Friedhof.



In der katholischen Kirche St. Agatha fand die Trauerfeier für den getöteten Säugling statt.
In der katholischen Kirche St. Agatha fand die Trauerfeier für den getöteten Säugling statt.