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Leningrad Cowboys in der Garage: Der Sprit ist aus

St. Johann. Musiker denken sich für ihre Bühnendekoration mitunter obskure Dinge aus. Dass aber eine Band ihr Schlagzeug als bunten Traktor verkleidet, ist neu. Leider war das aber auch schon alles, was man vom Auftritt der Leningrad Cowboys am Mittwochabend in Erinnerung behalten wird

St. Johann. Musiker denken sich für ihre Bühnendekoration mitunter obskure Dinge aus. Dass aber eine Band ihr Schlagzeug als bunten Traktor verkleidet, ist neu. Leider war das aber auch schon alles, was man vom Auftritt der Leningrad Cowboys am Mittwochabend in Erinnerung behalten wird. Gut 400 Fans in der Garage zeigten sich erfreut, dass die Finnen nach Jahren wieder den Weg nach Saarbrücken fanden.Die zehn Musiker, die ihre langen Haare dank viel Chemie standesgemäß wie Einhörner nach vorne abstehen ließen, sind in dieser Zeit aber keineswegs besser geworden.



Im Gegenteil: Die Familie Popolski, die vor einigen Wochen an gleicher Stelle deutlich mehr Menschen in die Garage lockte, hat den Cowboys-Traktor auf der Standspur überholt. Lustige Frisuren, ein wenig musikalisches Talent, passable Polka- und Ska-Interpretationen, viel zu oft nachgespielte Songs (u.a. Steppenwolfs "Born To Be Wild" und Metallicas "Enter Sandman") und ein Traktor auf der Bühne - das ist nicht alles, was es braucht, um zu überzeugen.

Während die Familie Popolski mit Witz, Raffinesse und perfektem Entertainment punktete, muss man den Leningrad Cowboys leider attestieren, dass ihr Tank leer ist. Ihrem Auftritt fehlte es an Ideen und Esprit. Diese Show mag vor Jahren ein großer Spaß gewesen sein. Heutzutage hat das den Charakter eines Kalauers. Ein Sänger als Krabbe verkleidet oder als Elvis Presley, der nicht annähernd wie der "King" singen kann, da tut einem die Band sogar leid.

Das Allerschlimmste war jedoch das Schlagzeugsolo. Das mag für diejenigen ein unvergessliches Erlebnis sein, die sehr selten ein Konzert besuchen. Doch wer bitte braucht ernsthaft diese Schau-mal-wie-toll-ich-bin-Show? Fazit: Der Traktor gehört in die Garage - aber nicht in die Saarbrücker. kfb