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"Leistung und Wille allein hilft Frauen nicht weiter"

Kreis Neunkirchen. Brauchen Frauen eine staatlich festgesetzte Quote um beruflich nach oben zu kommen? Darüber wird zurzeit bundesweit lebhaft diskutiert. Die SZ fragte Frauen in herausgehobenen Positionen aus dem Kreis Neunkirchen nach ihrer Meinung. Von SZ-Redakteurin Solveig Lenz-Engel

Kreis Neunkirchen. An der Spitze des Landkreises steht eine Frau: Cornelia Hoffmann-Bethscheider. Sie bezieht ganz klar Stellung: "Ich spreche mich für die Einführung einer verbindlichen Frauenquote für Führungspositionen aus und begrüße das Abstimmungsverhalten der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer im Bundesrat". Die jahrelange freiwillige Selbstverpflichtung habe nicht zu einer wahrnehmbaren Veränderung geführt. Die verstärkte Präsenz von Frauen in Führungspositionen werde auch die Sicht auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Gleichstellung verändern. So würden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ebenso wie flexiblere Arbeitszeitmodelle stärker in den Fokus rücken, meint die Juristin. Außerdem zeigten andere europäische Länder, wie beispielsweise Norwegen, dass eine höhere Frauenquote Normalität sein kann und auf gesellschaftliche Zustimmung stößt.Neu-Bürgermeisterin von Eppelborn ist Birgit Müller-Closset. Sie plädiert dafür, dass "die augenscheinliche Dominanz von Männern ab einer bestimmten Hierarchiestufe transparent gemacht werden muss, indem eine breite öffentliche Diskussion, die alle gesellschaftlichen Bereiche umfasst, in Gang gesetzt wird und dadurch eine Änderung in Richtung höherer Frauenanteil in politischen und wirtschaftlichen Führungsetagen erreicht wird". Solange dies nicht geschehe in Deutschland, trete sie persönlich für eine gesetzliche Frauenquote ein und halte diese für absolut gerechtfertigt. Denn Leistung und Wille allein bringe Frauen nicht nach oben, ist die Verwaltungschefin überzeugt.


Andrea Juchem, ist geschäftsführende Gesellschafterin (Marketing, Vertrieb, Forschung und Entwicklung) der Eppelborner Juchem-Gruppe. "Nicht alle wichtigen gesellschaftlichen Veränderungen geschehen von selbst. Männer und Frauen haben oftmals vollkommen verschiedene Strategien und Herangehensweisen an Herausforderungen. Sie führen verschieden", so Andrea Juchem zur SZ. Und was sich in den kleinsten Familienunternehmen über Jahrhunderte als sinnvolles Konstrukt bewährt habe, könne in den großen Unternehmen nur von Vorteil sein. Und da das "Wegbeißen" von Konkurrenten nicht unbedingt zu den stärksten Eigenschaften von Frauen zähle, bekomme oft der Durchsetzungsstärkere den Job, nicht unbedingt die Qualifiziertere. "Ich fände es sehr viel besser, Unternehmen würden das von selbst erkennen und freiwillig für eine ausgewogene Verteilung sorgen". so Andrea Juchem Zudem könne es sich eine Gesellschaft gar nicht leisten, so viele gut ausgebildete Fach- und Führungskräfte nicht adäquat einzusetzen.

Ihre Schwester Susanne Juchem, ist in der Gruppe als geschäftsführende Gesellschafterin für Personal und Finanzen zuständig. Sie ist klar gegen die Quote: "Im Hinblick auf das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz kann die Frauenquote für mich nicht funktionieren. Der Bewerber, gleich welchen Geschlechts, der durch seine Qualifikationen am besten dafür geeignet ist, soll den Job bekommen" . Susanne Juchem möchte, dass Personalverantwortliche letztendlich selbst entscheiden können, ob eine Position besser mit einer Frau oder einem Mann zu besetzen ist. "Wenn ich in Zukunft auch noch darauf achten muss, dass ich eine Position nur mit einer Frau besetzen darf, so empfinde ich dies geradezu als Bevormundung", macht sie ihre Position deutlich.



Karin Weiskircher-Hemmer, die Rektorin des Neunkircher Gymnasiums am Steinwald, sieht beispielsweise im Schulbereich eine gute Entwicklung für Frauen, die in Führungspositionen wollen. Mittlerweile seien von 36 Gymnasiums-Leitern im Saarland acht Frauen. Auf der Fachleiter-Ebene seien die Pädagoginnen noch viel stärker vertreten.

Weiskircher-Hemmer glaubt aber, dass es bei den großen Unternehmen wohl nicht "ohne Druck" funktioniere, Frauen ganz nach oben zu bringen. Aber "nur Frau sein, reicht nicht, um eine bestimmte Position zu bekommen", glaubt die Schulleiterin daran, dass sich stets der geeignestste Bewerber, ungeachtet seines Geschlechtes, durchsetzten sollte.