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Leicht und lustig und doch schwergewichtig

Saarbrücken. Erst gab es etwas Geplänkel. Da habe sich jemand "rausgenommen, Kunst zu machen", erklärte der Vorsitzende des saarländischen Landesverbands Deutscher Schriftsteller (VS), Klaus Behringer. Obwohl die Stadt Saarbrücken das gar nicht erwartet hat bei ihrer Suche nach einem Stadtteil-Dokumentator: Kunst Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Saarbrücken. Erst gab es etwas Geplänkel. Da habe sich jemand "rausgenommen, Kunst zu machen", erklärte der Vorsitzende des saarländischen Landesverbands Deutscher Schriftsteller (VS), Klaus Behringer. Obwohl die Stadt Saarbrücken das gar nicht erwartet hat bei ihrer Suche nach einem Stadtteil-Dokumentator: Kunst. Aber dann doch Hans Gerhard gefunden hat, der von Sommer 2010 bis Sommer 2011 Wirklichkeit und Phantasie verbunden hat und - wie Klaus Behringer es formuliert - das Nauwieser Viertel und seine Menschen "bis zur Kenntlichkeit fiktionalisiert" hat.Ja, bestätigte Kulturdezernent Erik Schrader, die Stadt suche jedes Jahr Menschen, die einen Stadtteil dokumentieren. Da müsse keine Literatur rauskommen. Aber mit Gerhard habe die Arbeit besonders viel Spaß gemacht. Und der Politiker Schrader denkt dabei nicht nur an die Literatur, die entstanden ist, sondern auch an die politische Debatte, die der Schriftsteller Hans Gerhard im Kulturausschuss des Stadtrats ausgelöst hat, als er ankündigte, nicht nur ganz dicht an der Wahrheit über das Leben im Viertel zu schreiben, sondern auch das ein oder andere zu erfinden. Eine "Kennzeichnungspflicht" für wahr und falsch wollte sein Parteifreund Friedhelm Fiedler von der FDP, amüsierte sich Schrader. Aber : "Die Freiheit hat sich durchgesetzt."


Und so hat Hans Gerhard nun 24 Geschichten in einem Buch vereint. Nicht nur Geschichten aus dem Viertel, auch die "Flachs und Lärchen"-Story, mit der er 2010 den Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis gewann, ist in dem Band zu finden. Und "Student aus Deutschland", die Geschichte eines jungen Deutschen, der sich in England als Holländer ausgibt, weil er eine schöne Jüdin auf einer Party nicht gleich vegraulen will, steht zwischen den Deckeln des 277 Seiten dicken Buches. Eine Story, die wie alle Gerhard-Geschichten leicht und stellenweise lustig daherkommt - und doch schwer wiegt.

Hans Gerhard, "alles was wir brauchen", PoCul-Verlag, ISBN 978-3-929435-23-8, 14 Euro

Foto: Rolshausen