| 21:14 Uhr

Gewerkschaft
Lehrerverbände fordern zusätzliche Stellen

Den Lehrern wurden viele zusätzliche Aufgaben ohne einen Ausgleich.
Den Lehrern wurden viele zusätzliche Aufgaben ohne einen Ausgleich. FOTO: dpa / Daniel Reinhardt
Saarbrücken. Inklusion, Zuwanderer und zusätzliche Verwaltungsaufgaben belasten Lehrer nach Angaben des Beamtenbunds. Von Florence Kallenborn

Die Lehrerverbände im Beamtenbund Saar (dbb) vertreten die Interessen der Hälfte der Lehrer im Saarland und stellen besorgniserregende Zustände an den Schulen fest. Deswegen fordern sie von der CDU/SPD-Landesregierung einen Stopp des Stellenabbaus, Verbesserungen der organisatorischen, personellen und rechtlichen Voraussetzungen zur erfolgreichen Inklusion und eine angemessene Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien.


Der dbb kritisiert, dass den Lehrern in den letzten Jahren viele zusätzliche Aufgaben gestellt wurden, ohne einen Ausgleich. So habe die Inklusion behinderter Schüler und der Unterricht mit Flüchtlingen ohne ausreichende Unterstützung durch Fachkräfte Kraft gekostet. Auch die Umsetzung des neuen Leistungsbewertungserlasses, der etwa die Kriterien zur Bewertung von Schülerprüfungen vorgibt, und die Erarbeitung digitaler Unterrichtskonzepte habe in den letzten Jahren zu einer enormen Zusatzbelastung und einer stark erhöhten Arbeitszeit der Lehrer geführt. Angesichts der neuen Aufgaben und der wachsenden Schülerzahl durch unerwartet viele Geburten und die Zuwanderer, fehle es an Lehrkräften und Fachpersonal saarlandweit. Nicht nur an Grund- und Förderschulen, sondern auch an weiterführenden Schulen sei der Zustand mittlerweile problematisch. Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbandes, nennt beispielhaft die Gymnasien. „Die Landesregierung ist gut beraten, wenn sie jetzt schon Vorsorge für notwendige Maßnahmen im Bereich der Arbeitszeit der Lehrkräfte an Gymnasien trifft.“

Besonders schwer wiegend seien die Mängel bei der Inklusion, also der Integration behinderter Schüler an Regelschulen. Für eine erfolgreiche Umsetzung bräuchte es nicht nur dringend mehr Lehrer, sondern auch ein Hilfezentrum, in dem Lehrer mit pädagogischen Fachkräften, Sozialarbeitern und Verwaltungsangestellten zusammen beraten und arbeiten könnten, damit sie bei Fragen einen fachkundigen Ansprechpartner haben.



Auch im Bereich der digitalen Medien seien Verbesserungen erforderlich. „Digitalisierung funktioniert nicht zum Null-Tarif“, bemängelte Simone Groh, Vorsitzende des Verbandes der Lehrer an Wirtschaftsschulen. Sie drängt auf eine angemessene technische Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien und kritisiert die gängige Praxis, dass die Wartung der Technikgeräte in den Aufgabenbereich der Lehrer fällt – und das oftmals ohne eine ausreichende Freistellung zu erhalten. Abhilfe sollten Schul- und Unterrichtsassistenten schaffen, die kleinere technische und Verwaltungsaufgaben übernehmen und somit die Lehrer entlasten. Sprachlich ausgebildete Fachkräfte sollen den Unterricht für und mit Flüchtlingen erleichtern.

„Wir freuen uns an Aufgaben mit den Schülern zu arbeiten. Und das gelingt auch – wenn die von uns genannten Voraussetzungen erfüllt werden.“ ,so Hahn.