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Lehm drauf – Meiler dicht

Klebrige Angelegenheit: Helfer tragen den Lehm auf. Foto: Faber
Klebrige Angelegenheit: Helfer tragen den Lehm auf. Foto: Faber FOTO: Faber
Walhausen. Den härtesten Arbeitsschritt haben die Walhauser Laienköhler nun hinter sich. Am Samstag ist die Außenhülle des Kohlenmeilers mit Lehm verputzt worden. In der sengenden Hitze bereitete der klumpige und pappige Lehm den Verputzern große Schwierigkeiten. Improvisation war mehr denn je gefragt. Von SZ-Mitarbeiter Frank Faber

Auf dem Meilerplatz am Walhauser Heidekopf geht es zu wie auf einer Baustelle. Knapp einen Monat vor dem Start der siebten Köhlertage von 17. bis 31. August wird an diesem Tag die Außenhülle des Kohlenmeilers mit einer mindestens drei Zentimeter dicken Lehmschicht luftdicht verputzt. Sechs Tonnen Lehm, davon zwei als Reserve, hat die Arbeitsgemeinschaft Walhauser Vereine aus einer Püttlinger Grube geordert. Ihr Pech, der Lehm ist klumpig und pappig und so nicht sofort zu verarbeiten. "Wir müssen improvisieren, eine Herausforderung steht uns bevor", ahnt Oberköhler Tim Nagel. Heinz Fries wirft den Motor der Gartenhacke an und fährt mit dem Gerät über den Lehmhaufen. "Die großen Lehmbrocken müssen zerkleinert werden", erklärt Fries. In der Trommel des 39 Jahre alten Betonmischers bleibt der Lehm sogar kleben. "Knochenarbeit, wir müssen alles von Hand zu Fuß machen", stöhnt Pressesprecher Dietmar Böhmer. Zwei Mann sieben das klebrige Erdmaterial. In großen Bütten wird die Masse mit Wasser verdünnt und durch den Einsatz von Stabmixern, die sonst von Stuckateuren und Gipsern bedient werden, zusätzlich fast schon püriert.

Befördert mit Schubkarren gelangt der schlabberige Lehm zur Verputzerkolonne. Böhmer leitet drei Nachwuchsköhler beim Lehmauftrag an. Von oben bis unten mit Matsch verschmiert wie alle, helfen der neunjährige Jakob Heidenreich, Marvin Thome (13) und Leander Kaul (14), kräftig mit. "Zuerst muss der Lehm mit der Hand drangeschmiert werden", sagt Böhmer zu seinen Gehilfen. Später wird die aufgetragene rötliche Außenhaut des Meilers mit der Maurerkelle, oder der Traufel glatt gezogen. "Die Hülle muss luftdicht sein, später haben wir beim Betrieb so mehr Möglichkeiten, um die Zugluft zu regulieren", teilt Schatzmeister Berno Nagel mit. Am spätem Nachmittag haben es die Walhauser gepackt, der etwa drei Meter hohe Meiler ist rundum mit der Lehmschicht umhüllt. "Der Lehm darf niemals austrocknen, sonst reißt er und der Meiler ist nicht mehr dicht. Wenn es nicht regnet, wird er mit einem Feuerwehrschlauch benetzt.", so Oberköhler Nagel.

Erste Auflage war 1983

Zur Vorbereitung auf den Betrieb steht den Köhlern noch der Bau eines Windschirmes bevor. Gut vorangekommen ist auch die Truppe um Dietmar Nagel, die den Festplatz herrichtet und über dem Grillpavillon ein Dach installiert hat. "Ich denke, vorher war das von der Hygiene nicht professionell gewesen. Wir wollen uns gegenüber den Vorjahren weiter steigern", so Dietmar Nagel. Kopfnickend stimmt dem sein Vater Berthold zu. "Man sieht, wir haben dazugelernt", sagt der 84-jährige Berthold Nagel, der wie Achim Seibert und Eberhard Pfeifer seit der ersten Auflage der Köhlertage im Jahre 1983 dabei ist.

koehlertage.de