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Lebenshilfe feierte Sommerfest

Wehrden. "Komm schnell, mein Schatz", ruft Vera Berthold-Blank, und ein paar Sekunden später fällt ihr eine junge Frau um den Hals, die in der Lebenshilfe e.V. Völklingen von ihr betreut wird.Es ist Samstagnachmittag, und die Lebenshilfe feiert ihr Sommerfest. Die allgemeine Wiedersehensfreude ist groß, obwohl viele der Betreuten fast jeden Tag hierher kommen Von SZ-Mitarbeiterin Daniela Moschberger

Wehrden. "Komm schnell, mein Schatz", ruft Vera Berthold-Blank, und ein paar Sekunden später fällt ihr eine junge Frau um den Hals, die in der Lebenshilfe e.V. Völklingen von ihr betreut wird.Es ist Samstagnachmittag, und die Lebenshilfe feiert ihr Sommerfest. Die allgemeine Wiedersehensfreude ist groß, obwohl viele der Betreuten fast jeden Tag hierher kommen. 50 Mitarbeiter betreuen etwa 200 geistig oder körperlich behinderte Menschen. Teilweise kommen die Betreuer zu den Behinderten nach Hause. In den Räumen der Lebenshilfe selbst findet die Tagesförderung statt. Dort lernen die geistig oder körperlich behinderten Menschen, was sie im Alltagsleben brauchen. Außerdem besuchen 130 Kinder von null bis sechs Jahren die Frühförderung der Lebenshilfe: "Wir richten unsere Betreuung am Bedarf der Kinder aus, versuchen sie - wenn möglich - fit zu machen für die Schule und bauen für das Kind und seine Familie ein Netzwerk an Hilfen auf", erklärt Ralph Schneider, Geschäftsführer der Lebenshilfe. An diesem Tag lassen die Kinder sich bemalen, toben sich auf einer Minihüpfburg aus oder meißeln Figuren aus Kalkstein. Die Wiese um das Gebäude der Lebenshilfe ist vollgestellt mit Tischen und Bänken sowie mit Ständen mit Essen und Trinken. Vera Berthold-Blank, die umschwärmte Betreuerin, kommt aus dem Begrüßen gar nicht mehr heraus. 300 Gäste, ein Großteil davon die Betreuten und ihre Familien, erwartet Schneider zum Sommerfest. Darunter auch Uwe Bronner. Er ist 48 Jahre alt, blind und sitzt im Rollstuhl. Er besucht täglich die Tagesförderung. Für ein Sommerfest ist Bronner merkwürdig schick - Hemd, Krawatte und Hut -, denn er hat etwas Besonderes vor: "Wann bin ich dran?", fragt er. Fünf Minuten später hält Uwe Bronner ein Mikrofon in den Händen und trägt, mit Unterstützung einiger Betreuer, ein Lied vor. Das Publikum ist begeistert - und Bronner auch. Er und die anderen Betreuten feiern das Sommerfest als großes Ereignis. Bands anhören, Lose ziehen und den kleinen Flohmarkt durchstöbern - eine Ansammlung von Höhepunkten, bevor bald der Alltag wieder losgeht.



HintergrundDie Lebenshilfe e. V. Völklingen hat ihren Sitz in der Waldstraße 20 in Völklingen-Wehrden. Am 15. Februar 1965 schlossen sich 16 Bürger der Stadt Völklingen zusammen, um gemeinsam eine Selbsthilfe-Organisation zu gründen. Ziel und Zweck war es damals, Maßnahmen und Einrichtungen zu fördern, die eine wirksame Entwicklungschance für geistig Behinderte aller Altersstufen bedeuten sollte. red