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Lautes Trommeln für leise Kitas

Saarbrücken. Sie fassten sich an den Händen, pusteten in ihre Trillerpfeifen und als der Kreis geschlossen war, hallte Jubel auf: Rund 400 saarländische Erzieherinnen und Sozialarbeiter kommunaler Einrichtungen haben gestern in Saarbrücken demonstriert. Höhepunkt war eine Menschenkette rund um das Rathaus Von SZ-Mitarbeiterin Caroline Biehl

Saarbrücken. Sie fassten sich an den Händen, pusteten in ihre Trillerpfeifen und als der Kreis geschlossen war, hallte Jubel auf: Rund 400 saarländische Erzieherinnen und Sozialarbeiter kommunaler Einrichtungen haben gestern in Saarbrücken demonstriert. Höhepunkt war eine Menschenkette rund um das Rathaus. "Wir wollen, dass die kommunale Seite spürt, dass wir viele Menschen sind, und dass wir die Rathäuser umzingeln können", rief Alfred Staudt, Landesbezirksleiter der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), den Demonstranten zu.


In ganz Deutschland blieben gestern Kitas zu, im Saarland waren 35 Einrichtungen wegen Warnstreiks geschlossen, um Forderungen nach mehr Geld und einem Gesundheitstarifvertrag Gewicht zu geben. "In jedem Kindergarten soll jährlich eine Gesundheitsanalyse gemacht werden", erklärt Staudt. "Die Gesundheitsbelastung der Erzieherinnen hat in dem Maße zugenommen, wie die Anforderungen an sie gestiegen sind", ergänzt der Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Saar (GEW), Klaus Kessler. Es geht um psychische wie physische Beschwerden, etwa durch viel Bücken und Lärm.

Besonders unter letzterem leide sie, berichtet Ellen Renner, Kinderpflegerin in der Kita Lindenhof in Saarbrücken. Seit 36 Jahren arbeitet sie in ihrem Beruf. "Mein Gehör ist schlechter geworden. Ich brauche Hörgeräte." Ähnliches berichtet die Leiterin der Kita Rehbachstraße in Dudweiler, Stefanie Heisig: "Den einen macht der Rücken Probleme, andere sind hörtechnisch angegriffen." Lärmschutz in der Bausubstanz, kleine Gruppen, mehr Räume, damit soll dem geschundenen Betreuerohr geholfen werden.



Nach Ansicht der Arbeitgeber ging es bei dem Streik aber weniger um die Gesundheit als vielmehr ums Geld. Verdi hatte Verhandlungen um den Gesundheitstarifvertrag am 30. April für gescheitert erklärt. "Die Verhandlungen haben doch noch gar nicht begonnen!", entgegnet der Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbands Saar, Richard Nospers. Da aber im laufenden Tarifvertrag Friedenspflicht bis Ende des Jahres herrsche, schöben die Arbeitnehmer nun die Gesundheit vor, um in Streik zu treten und für mehr Geld zu kämpfen.

Seit nunmehr vier Jahren ist nämlich ungeklärt, in welche Gehaltsstufe die Erzieherinnen einzuordnen sind. Verdi führt ab heute Urabstimmungen durch. Am 15. Mai könnten unbefristete Streiks beginnen.