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Offener Brief an die Landesregierung
Eltern machen Druck bei Digitaler Bildung

Wie sieht zeitgemäßes Lernen aus? An saarländischen Schulen ist unter anderem ein Ausleihsystem für Tablets geplant.
Wie sieht zeitgemäßes Lernen aus? An saarländischen Schulen ist unter anderem ein Ausleihsystem für Tablets geplant. FOTO: dpa / Carmen Jaspersen
Saarbrücken. Die Landesregierung will das Saarland zum Vorreiter in der Digitalen Bildung machen. Aus Sicht der Landeselterninitiative ist bislang aber nicht viel geschehen. Von Nora Ernst
Nora Ernst

Bei der Bildung haben sich CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag hohe Ziele gesteckt. Dort heißt es, „die Koalitionspartner wollen das Saarland zum Vorreiter im Bereich der Digitalen Bildung machen“. Die Landeselterninitiative für Bildung hatte das Vorhaben gelobt, als der Koalitionsvertrag im Mai vergangenen Jahres präsentiert wurde. „Inzwischen machen wir uns Sorgen um die Realisierung“, sagt Sprecher Bernhard Strube. Es sei nicht erkennbar, wie die Versprechen aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt werden sollen.


Deshalb hat die Initiative einen offenen Brief an die Landesregierung geschickt, um zu erfahren, was für die kommenden zwei Jahre geplant ist und wie viel Geld dafür bereitsteht. Und die Landesregierung hat geantwortet: mit einer langen Liste von Maßnahmen und Projekten, die bereits laufen oder noch geplant sind. Ein Sprecher des Bildungsministeriums bekräftigt das Ziel: „Wir wollen im Bereich Digitaler Bildung ganz weit vorne mitspielen. Die Grundlagen dazu haben wir bereits gelegt und gezielt in den Ausbau von Infrastruktur und in verschiedene Projekte in den Schulen und der pädagogischen Lehreraus- und weiterbildung investiert.“

So nimmt das Ministerium rund 1,5 Millionen Euro in die Hand, um gemeinsam mit dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) die Medienbildung an Schulen weiterzuentwickeln. Damit sollen bestehende Projekte fortgesetzt werden, zum Beispiel die Ausbildung von Medienscouts an Schulen oder das Testen von Online-Fortbildungen für Lehrer. Für die nächsten Jahre ist unter anderem ein Ausleihsystem für Tablets geplant sowie die Beratung von Schulen über IT-Sicherheit und medienrechtliche Fragen und Informatik-Angebote in der Lehrerbildung.



Bereits 2016 wurde am LPM ein Zentrum für Medienbildung eingerichtet, um Medienbildung in Fortbildungen stärker zu verankern. Acht Personen befassen sich am LPM damit. Das Zentrum soll nun zu einer Beratungsstelle für Schulen ausgebaut werden.

Das Bildungsministerium will zudem die Ausbildung von Lehramtsanwärtern stärker auf Medienpädagogik ausrichten. Alle Anwärter an den Studienseminaren für die Sekundarstufe I und II an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen  sollen künftig einen Medienkurs absolvieren. Im kommenden Schuljahr soll dies auf die Primarstufe ausgedehnt werden.

Die Landeselterninitiative hatte in ihrem Brief auch gefragt, wie mögliche rechtliche Probleme gelöst werden sollen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte vor kurzem darauf hingewiesen, dass die Rechtsgrundlagen an Schulen noch aus einer Zeit stammten, in der der Einsatz digitaler Unterrichtsmedien die Ausnahme war. Datenschutzrechtliche, versicherungs- und haftungsrechtliche Fragen beim Einsatz von Smartphones und Tablets seien nicht geklärt.

Das Ministerium verweist darauf, dass im Juni in Otzenhausen auf Initiative des saarländischen und des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums Experten genau diese Fragen diskutiert hätten. Auf dieser Grundlage wolle man nun eine Rechtsgrundlage schaffen und das Schulordnungsgesetz anpassen.

Auch die Staatskanzlei bekräftigt ihren Willen, das Saarland zum Vorreiter in der Digitalen Bildung zu machen. Der neue Bevollmächtigte für Innovation und Strategie des Landes, Ammar Alkassar, der im August seine Arbeit aufgenommen hatte, hatte damals bereits angekündigt, die Digitale Bildung zu einem seiner ersten Projekte zu machen. Im Herbst werde er eine Arbeitsgruppe im neuen Format einladen, sagt eine Sprecherin der Staatskanzlei. Diese solle das Bildungskonzept der Landesregierung beraten und sich auf einen Zeitplan mit Etappenzielen einigen.

Doch all die Maßnahmen nützen wenig ohne eine angemessene IT-Ausstattung an den Schulen. Dafür seien die Mittel aus dem Digitalpakt „fest eingeplant“, so der Sprecher des Ministeriums. Dieser Pakt mit dem Bund sieht vor, dass das Saarland ab 2019 rund 60 Millionen Euro vom Bund für den Ausbau der digitalen Infrastruktur der Schulen bekommt. Dafür und für weitere Projekte des Bundes hat das Saarland Kofinanzierungsmittel in Höhe von rund 10 Millionen Euro im Jahr 2019 und rund 17 Millionen Euro im Jahr 2020 eingeplant. Das Problem: „Das Geld hat der Bund trotz vieler Ankündigungen noch nicht bereitgestellt“‚ sagt der Sprecher des Bildungsministeriums. Deshalb sei das Land mit 500 000 Euro in Vorleistung getreten und habe einen Förderwettbewerb ausgerufen. Die Kommunen steuerten ebenfalls 500 000 Euro bei. Fast ein Drittel der Schulen, insgesamt 89, beteiligte sich. 24 Schulen überzeugten mit ihrem Medienkonzept und werden jetzt als „Medienschulen“ vom Ministerium finanziell gefördert.