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Land unter im Haas'schen Garten

Es ist das Lebensmittel Nummer eins, verschafft uns Erfrischung. Doch bei Familie Haas aus Scheidt spielen die Positiv-Aspekte des Wassers eine nachgeordnete Rolle. Wasser ist bei Inge und Adolf Haas und Sohn Roland ein Reizthema Von SZ-Redakteurin Ulrike Paulmann

Es ist das Lebensmittel Nummer eins, verschafft uns Erfrischung. Doch bei Familie Haas aus Scheidt spielen die Positiv-Aspekte des Wassers eine nachgeordnete Rolle. Wasser ist bei Inge und Adolf Haas und Sohn Roland ein Reizthema. Weil es als Grundwasser auf ihrem Grundstück in der Kaiserstraße 4 unterschiedlich stark an die Oberfläche tritt, zurzeit ein Drittel des Gartens zur Seenlandschaft macht. Sogar Teile des betonierten Gehweges stehen zentimetertief unter Wasser. Der restliche Teil ist feuchter Acker. Die 74-jährige Inge Haas: "Etwas anzupflanzen ist hier nicht möglich." Sorgenvoll blickt sie auch auf ihr Haus - welche Folgen hat hier die Feuchtigkeit?Momentan, sagt die Familie Haas, ist es besonders schlimm. Seit 16 Jahren kämpft sie mit dem zu üppigen Grundwasser. Und genau so lang mit den Behörden. Denn die Familienmitglieder glauben, dass die Abhilfe schaffen können. Roland Haas: "Doch man wird immer verwiesen, keiner fühlt sich zuständig." Es gebe im übrigen noch mehr Betroffene. Adolf Haas vermutet, dass das Wasser zur Plage werde, weil eine Brunnenanlage der Stadtwerke in der Nähe weniger oder gar nicht mehr pumpe. Sein Sohn glaubt, dass die Ursache des Problems darin liegt, dass die natürliche Entwässerung kaum noch möglich ist - vor allem, weil der Scheidter Bach hinterm Haus einst mit Beton-Halbschalen kanalisiert und höher gelegt wurde. Sein Vorschlag: "Man müsste den Brunnen wieder anschalten oder stärker fördern lassen, um den Wasserspiegel zu senken." Das habe sich schon früher bewährt. Haas: "Danach wäre es sinnvoll, den Bach zu renaturieren." Wenn noch ein Durchlass eines Bahndammes zwischen Grundstück und Bach wieder geöffnet werde, könne das Wasser natürlich abfließen. Haas zufolge überprüft die Bahn zurzeit, wie es sich mit dem Durchlass verhält. Wie bewerten die entsprechenden Stellen das Ganze? "Das Problem ist keines, was die Stadtwerke lösen können", sagt Walter Schwingel von den Stadtwerken Saarbrücken. Er wiederholt, was er auch der Familie geschrieben hat: "Die Förderung von Grundwasser aus den Brunnen wurde in den letzten Jahren unverändert fortgeführt." Die Fördermenge bei beiden Brunnen in der Nähe des Grundstücks betrage etwa 30 000 Kubikmeter pro Monat, die Menge schwanke zuweilen gering. Aus seiner Sicht besteht kein Zusammenhang zwischen der Förderung und dem Grundwasserspiegel im Garten: "Nichtsdestotrotz werden wir schauen, ob wir die Prozesse so optimieren können, damit diese Brunnen nicht unnötig wenig fördern." Auch das Umweltministerium sieht keine Verbindung zwischen den Brunnen und der Grundwasserproblematik. Das Ganze sei von niemandem "verschuldet". Da es keine "nicht-natürlichen Ursachen" gebe, sei dies auch kein Fall fürs Ministerium oder für dessen Behörde, das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz. Sprecher Marcus Klein sagt, dass auch ein stärkerer Brunnenbetrieb keine Problemlösung bringe."Ich sehe keine Zuständigkeit bei der Stadt", erklärt Elisabeth Streit vom Amt für Klima- und Umweltschutz. Zumal es 2008 einen Wechsel in den Verantwortlichkeiten der unteren Wasserbehörde von der Stadt zum Land gegeben habe. Seit Jahren kennt sie das Problem der Familie, das immer mal wieder, je nach Witterung, auftaucht, spricht von einer "natürlich unbefriedigenden Situation". Streit: "Meines Erachtens nach sind es verschiedene Ursachen, die die Situation beeinflussen." Von anderen Anliegern habe es bislang keine Beschwerden gegeben. Zum Thema Bach sagt Bürgermeister Kajo Breuer: "Im Investitionsprogramm steht, dass 382 000 Euro im Jahr 2011 in die Renaturierung gesteckt werden sollen." Würde eine solche Maßnahme helfen? Elisabeth Streit ist skeptisch: "Die Vermutung, dass die Umgestaltung auf jeden Fall die Situation entspannen würde, kann ich so nicht bestätigen." Denn die Veränderung bedeute beispielsweise nicht, dass sich die Bach-Höhenlage verändere. Ändern, sagen Stadt und Ministerium, könnte die Familie die Situation möglicherweise selber - indem sie beispielsweise das Wasser abpumpt und (nach Gesprächen mit der Bahn über den Damm-Durchlass) ableitet. Dazu Roland Haas: "Das ist natürlich auch eine von mir angedachte Lösung." Doch hierbei gebe es diverse offene Fragen, auch in Sachen Kosten. Haas: "Außerdem bin ich in erster Hinsicht nicht Verursacher der Situation." Die natürlichen Entwässerungsmöglichkeiten seien ja nicht durch die Familie beseitigt worden. Roland Haas will jetzt versuchen, auch mit einer Unterschriftenaktion die Betroffenen-Zahl zu ermitteln. Außerdem hat er unter anderem vor, eine Planung für eine "verträgliche Lösung" auszuarbeiten.