| 21:21 Uhr

Lagerfeuer an der Post-Ruine

Saarbrücken. In den 50er Jahren zierte sie eine Briefmarke, heute ist sie das Gegenteil dessen, was man eine Zierde nennt: die ehemalige Hauptpost unterhalb des Saarbrücker Hauptbahnhofs. Vor 16 Jahren zog die Post in ihr neues Gebäude direkt neben dem Bahnhof um. Seitdem steht das 1930 eingeweihte alte Postgebäude leer - und kommt immer weiter herunter. "Das Gebäude ist eine Ruine Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Saarbrücken. In den 50er Jahren zierte sie eine Briefmarke, heute ist sie das Gegenteil dessen, was man eine Zierde nennt: die ehemalige Hauptpost unterhalb des Saarbrücker Hauptbahnhofs. Vor 16 Jahren zog die Post in ihr neues Gebäude direkt neben dem Bahnhof um. Seitdem steht das 1930 eingeweihte alte Postgebäude leer - und kommt immer weiter herunter."Das Gebäude ist eine Ruine. Das kann man nicht anders sagen", spricht Peter Becker, der Chef der Saarbrücker Polizei, offen aus, was andere nur hinter vorgehaltener Hand murmeln. Becker kennt sich mit der ehemaligen Hauptpost besser aus, als ihm lieb ist, musste die Polizei doch dort in den vergangenen Jahren immer wieder nach dem Rechten sehen.



In das Gebäude wurde mehrfach eingebrochen, teilweise wurden dafür sogar Mauern durchbrochen. Obdachlose hatten sich in dem maroden Gebäude niedergelassen. Skater haben das Gebäude mit seinen großen Treppen und Fluren als Spielplatz genutzt. Und Metalldiebe haben alles rausgeholt, was rauszuholen war. Wer aus diesem Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, etwas machen will, muss viel Geld investieren, sagt Peter Becker.

Interesse daran gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Das Vorhaben eines Investors, die Post zum Verbrauchermarkt umzubauen, passte vor zwei Jahren nicht zu den Stadtentwicklungsplänen des Baudezernats. Ein großes Einkaufszentrum in der ehemaligen Bergwerksdirektion und ein weiteres ein paar Meter weiter in der ehemaligen Post war der Stadtverwaltung zuviel. Gut sieben Jahre zuvor war bereits der Plan gescheitert, aus der Post ein Fitness- und Wellnesszentrum mit Hotel zu machen. Auch die Ideen, das Finanzministerium oder die Polizei in die Post einzuquartieren, wurden nicht bis zum Ende verfolgt.

Im April vergangenen Jahres trennte sich schließlich die Deutsche Post AG von dem Gebäude. Sie verkaufte ein ganzes "Immobilienpaket" an das US-amerikanische Unternehmen Lone Star. Inzwischen werde das Gebäude von der Firma Lorac Investment Management in Luxemburg verwaltet, teilte Post-Sprecher Heinz-Jürgen Thomeczek gestern auf Anfrage mit. Nach SZ-Informationen gibt es Gespräche über neue Investoren. Die Verhandlungen ziehen sich allerding hin - Ausgang ungewiss.

Bewegung gibt es dagegen auf dem Platz zwischen alter und neuer Post. Dorthin hat die Polizei in Absprache mit der Stadt die so genannte Randständigen-Szene "umgesiedelt", die bisher auf den Treppen vor dem Hauptbahnhof lagerte. "Die Schreierei, die Bierflaschen, die Verschmutzung, das Aussehen der Leute, freilaufende Hunde - das hat Angst gemacht", sagt Peter Becker. Es habe da einige Polizeieinsätze gegeben. Am Bahnhof, der ja ein Tor zur Stadt ist, sei das ein unhaltbarer Zustand gewesen.

Die Stadt hat an der alten Post Bänke aufgestellt. So habe es "keines Drucks bedurft", die bis zu 30 Personen große Gruppe zum "Umziehen" zu bewegen. Bald soll zwischen alter und neuer Post auch eine Toilette für die Gruppe aufgestellt werden. "Es wurde da auch schon ein Lagerfeuer gemacht. Das dürfen sie natürlich nicht", sagt Becker. Die Polizei habe darauf hingewiesen. Seither habe es keinen Grund mehr gegeben, einzuschreiten. "Das ist eine deutliche Verbesserung der Situation", sagt Peter Becker - zumindest für den Hauptbahnhof. "Das Gebäude ist eine Ruine. Das kann man nicht anders sagen."

Peter Becker, Polizei