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Saarbrücken
Lafontaine wünscht sich Schüler radikaler

 Oskar Lafontaine, Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag
Oskar Lafontaine, Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag FOTO: dpa / Jörg Carstensen
Saarbrücken. Sie sollten das Wirtschaftssystem infrage stellen. Die AfD hält die Klimaproteste für gesteuert – von wem? Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine unterstützt die Schülerproteste für mehr Klimaschutz, wünscht sich aber, dass die jungen Menschen stärker die Systemfrage stellen. Die Demonstrationen müssten in Verbindung gebracht werden mit dem Wirtschaftssystem, sonst seien sie „sinnlos und eine Mogelpackung“, sagte Lafontaine. „Mit einer zerstörerischen Wirtschaftsordnung kann man die Umwelt nicht bewahren.“ Er wünsche sich, dass dies „noch viel stärker in den Vordergrund“ der Demonstrationen trete. Lafontaine unterstützt das Ziel, langfristig aus der Kohleverstromung auszusteigen. Statt die Windenergie auszubauen, setzt er auf Gaskraftwerke und eine bessere Wärmedämmung.


Der Vorsitzende der AfD-Fraktion, Josef Dörr, zeigte sich überzeugt, dass die Klima-Proteste der Schülerbewegung „Fridays for Future“  gesteuert sind. Von wem, dazu sagte er nichts. Dörr sagte lediglich: „Um die Umwelt geht es bestimmt nicht.“ Dörr weiter: „Wir wissen ja auch nicht ganz genau, wer uns letzten Endes regiert. (…) Dem Volk sagt man nicht alles.“ In Frankreich, mutmaßte Dörr, könnte es darum gehen, mit den Schülerprotesten von den Protesten der Gelbwesten abzulenken – allerdings gebe es die Schülerdemos ja nicht nur in Frankreich, räumte er selbst ein.

 Josef Dörr, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag
Josef Dörr, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag FOTO: dpa / Oliver Dietze


Sein Fraktionskollege Rudolf Müller machte die Medien mitverantwortlich für die Mobilisierung der Schüler:  „Wenn sie darüber nicht so ausführlich berichten würden, wäre der Aufmarsch sicher nicht so groß.“ In einer Pressemitteilung der AfD-Fraktion war kürzlich von einer „radikalen Ökokaste“ und „militanten Umweltaktivisten“ als Urheber der freitäglichen Klimaproteste der Schüler zu lesen. Die AfD bezweifelt, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht ist.

Als „absoluten Schwachsinn“ und „Verschwörungstheorie“ bezeichneten die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Hermann Scharf und Magnus Jung, die Sichtweise der AfD. Beide äußerten Sympathie für die jungen Demonstranten und sprachen sich für entschlossenere Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel aus. Scharf pochte aber auf die Einhaltung der Schulpflicht. Wenn die Proteste über Wochen und Monate weitergingen, seien die Schüler am Ende die Leidtragenden. „Wenn sie jeden Freitag drei Stunden Mathematik hätten und nachher Lücken haben, ist das auch nicht im Sinne des Erfinders.“

Jung sagte: „Natürlich kann man auch außerhalb des Unterrichts demonstrieren, aber dann hätte das wahrscheinlich nicht die politische Wirkung.“ Natürlich werde es dokumentiert, wenn ein Schüler nicht da sei, „aber das soll es dann auch erst einmal gewesen sein“. Zum ersten Mal seit langer Zeit engagierten sich viele junge Menschen für ein wichtiges Thema, da sei es nicht angemessen, „über Schulrecht und Schulpflicht zu diskutieren“. Die Politik solle sich stattdessen „zunächst mal auf die Debatte einlassen, die die jungen Menschen mit uns führen wollen“.