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Kunst ohne Vorschriften

Metallbildhauer Wolfgang Raber präsentiert hier einen Teil der Krone der Skulptur, die im Quierschieder Eisengraben stehen wird. Foto: Thomas
Metallbildhauer Wolfgang Raber präsentiert hier einen Teil der Krone der Skulptur, die im Quierschieder Eisengraben stehen wird. Foto: Thomas
Quierschied/Saarbrücken. Sich dicke tun, sich in den Vordergrund spielen - das ist Wolfgang Rabers Sache nicht. Und dass die Öffentlichkeit mehr über seine Kunst erfährt als über ihn, daran ist ihm eher gelegen. Wir sind eingeladen bei ihm in Quierschied und staunen schon beim Betreten seines Einfamilienhauses Von SZ-Redakteurin Michèle Hartmann

Quierschied/Saarbrücken. Sich dicke tun, sich in den Vordergrund spielen - das ist Wolfgang Rabers Sache nicht. Und dass die Öffentlichkeit mehr über seine Kunst erfährt als über ihn, daran ist ihm eher gelegen. Wir sind eingeladen bei ihm in Quierschied und staunen schon beim Betreten seines Einfamilienhauses. Der 56-Jährige lebt mit seiner Frau im mehr als 100 Jahre alten elterlichen Anwesen, hat es konsequent "zurückgebaut", wie er schmunzelnd erzählt, also nahezu in den ursprünglichen Zustand versetzt - ohne modischen Krimskrams und Werkstoffen, die hier nicht hingehören. Das Haus strahlt Ruhe und Behaglichkeit aus. Und bietet Platz für anspruchsvolle Kunstwerke, die Raber im Laufe von Jahrzehnten geschaffen hat. Und dann geht's runter ins Atelier, dorthin, wo ein neues, großes Kunstwerk zu bewundern ist. Ein noch in Einzelteilen befindliches Gebilde, zusammengebaut ist es etwa acht Meter hoch. Wohl im Frühjahr wird die Skulptur die neugestaltete Parkanlage in der Ortsmitte in Quierschied (Im Eisengraben) schmücken. Das mächtige Kunstwerk ist aus Cor-Ten-Stahl, ein nur an der Oberfläche rostendes, bei Bildhauern sehr beliebtes Material. In einem Ensheimer Fachbetrieb, sagt Raber, wird das Kunstwerk noch gesandstrahlt. Dann werden die insgesamt eine Tonne schweren Einzelteile zusammengefügt und mit einem Kran in der Grünanlage aufgestellt.Dass das monumentale Objekt einen Bezug zur Gemeinde haben wird, soviel verrrät der Quierschieder Künstler schon heute. Indes will er fotografisch nur einen kleinen Ausschnitt preisgeben. Und deshalb freuen wir uns schon heute auf den Tag der Enthüllung.


Vergangenes Jahr trat Wolfgang Raber in der Landeshauptstadt in Erscheinung (SZ vom 30. April 2012). Da schuf er ein "pädagogisch-didaktisches Kunstprojekt" mit jungen Leuten des Zentrums für Bildung und Beruf Saar (ZBB, vormals AZB) im Stadtteil Burbach. Mit den Jugendlichen, die sich hier für einen Beruf qualifizieren möchten, arbeitet Raber als Betreuer und Dozent. "Das hält mich auf Trab", sagt der Metall-Bildhauer schmunzelnd und freut sich schon darauf, dass das Kunstwerk im "Burbacher Stern" genannten Verkehrskreisel aufgestellt wird. Auch das soll - wenn das Fundament steht - dieses Jahr noch über die Bühne gehen.

Der Künstler freut sich im Übrigen über jeden Entscheidungsträger in den Kommunen, "der bei Kunst und Kultur ein bisschen mitdenkt". Was das angeht, fühlt er sich in Quierschied gut aufgehoben. Oder auch in der Gemeinde Kleinblittersdorf. So hat er den Ortsteil Auersmacher mit einer Stahlsäule bereichert, die dem Jakobspilgerweg nach Santiago de Compostela gewidmet ist. Ein kleines Guckloch durch die Skulptur gestattet dem Wanderer einen wunderbaren Blick zurück. So sieht er die Vogesen im benachbarten Frankreich.

Wolfgang Raber ist froh darüber, dass er die Freiheit hat, sich keine Vorschriften machen zu lassen, wie er betont. So kann er sein ganzes Können ausleben und das realisieren, was ihm künstlerisch am Herzen liegt. Das Ergebnis dessen kann sich mehr als sehen lassen.



Der Burbacher Kreisel wird mit dieser Skulptur geschmückt, die Wolfgang Raber entworfen und mit Jugendlichen realisiert hat. Grafik: Frank Scheuer/ opensourcemedia
Der Burbacher Kreisel wird mit dieser Skulptur geschmückt, die Wolfgang Raber entworfen und mit Jugendlichen realisiert hat. Grafik: Frank Scheuer/ opensourcemedia