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Kritik an der „Schizophrenie der Gesellschaft“ im Bild

Marliese Jung-Dörr (links) erläuterte bei der Vernissage zur Ausstellung „Zwielicht“ im Bauernhaus Habach ihre Werke. Foto: Anika Meyer
Marliese Jung-Dörr (links) erläuterte bei der Vernissage zur Ausstellung „Zwielicht“ im Bauernhaus Habach ihre Werke. Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Kreis Neunkirchen. Zum 36. Internationalen Museumstag gab es auch im Kreis Neunkirchen zahlreiche Angebote. Marliese Jung-Dörr wollte mit ihren Gemälden zum Nachdenken anregen. Die Interpretation ihrer Bilder ließ sie aber offen. ani

"Ich mache gerne mal etwas anders", erklärte die Illinger Künstlerin Marliese Jung-Dörr bei der Vernissage zu ihrer Ausstellung "Zwielicht" im Bauernhaus Habach. Deshalb gab es keine Eröffnungsrede und schon gar keine Laudatio: "Ich brauche niemanden, der wissenschaftlich über meine Bilder redet. Da versteht man sowieso nichts." Auch Bild-Titel gibt es keine: Die Deutung bleibt uneingeschränkt dem Betrachter überlassen.

Der Ausstellungstitel "Zwielicht" bezieht sich zum einen auf die dämmrigen Räume des Bauernhauses, zum anderen auf die Doppeldeutigkeit in Jung-Dörrs Werken: In zweifachem Licht, das heiß im einen oder im anderen Licht kann der Inhalt betrachtet werden. So bei einem Bild, das zwei Rehe auf einem Felsplateau, gefährlich nahe am Abgrund, zeigt. "Man kann die Situation so weiterdenken, dass sie abstürzen, oder dass sie den sicheren Weg zurück wählen", erklärte die Künstlerin den Sekt nippenden und nachdenklich blickenden Besuchern, die sich sogleich an eigenen Deutungsvarianten versuchten. Im übertragenen Sinn will Jung-Dörr hier auf eine "Schizophrenie der Gesellschaft" hinweisen, die Tiere einerseits schützen will, andererseits aufisst. Ebenso lässt das Bild eines Jungen vor den Umrissen von Atommeilern offen, wie es weiter geht: Die drohende Gefahr verstehend, doch hilflos wirkt das Kind vor dem Koloss. "Die Bilder lassen uns bewusst werden, dass wir eine Wahl haben", sagte Besucherin Rita Paul-Schenke. Drei Puppenköpfe in altmeisterlicher Manier starren mit unveränderlichem Gesichtsausdruck: "Puppen sehen grausam aus, wenn man sie lange betrachtet", findet die Malerin. Fast dämonisch wirken die Puppengesichter der "Bösen Tanten". Eine Audio-Installation im ehemaligen Stall lässt Sprichwörter erklingen, aufgesagt von Kindern. In der Atmosphäre der Ausstellung schwankt der Besucher zwischen heiteren Visionen spielender Kinder in früheren Zeiten des Bauernhauses und einem durch geisterhaftes Übereinanderlegen der Stimmen ausgelösten Unbehagen. Besucher Stefan Längler gefällt gerade das Unklare, Verborgene in Jung-Dörrs Werken: "Die vielen Symbole regen zum Nachdenken an." Aloysius Scholtes von der Stiftung Kulturgut Eppelborn sieht es genauso. Man wolle im Bauernhaus nicht nur "hübsche Kunst, die man gleich wieder vergisst" präsentieren.

Verborgenes in einem ganz anderen Sinne gab es am Museumstag in Ottweiler zu sehen. Das Schulmuseum öffnete seine normalerweise nicht zugänglichen Archive mit etwa 4000 Objekten. Der Leiter, Prof. Horst Schiffler, der diese selbst erläuterte, zeigte sich zufrieden mit den Besucherzahlen. "Auch unser Flohmarkt mit Bilddoubletten läuft gut."

In Wemmetsweiler startete die Ausstellung "20 Jahre Heimatmuseum". Hans-Jürgen Glaab erklärte: "Zum Jubiläum zeigen wir eine Art Zusammenfassung unserer vergangenen Wechselausstellungen."



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HintergrundZum 36. Internationalen Museumstag mit dem Motto "Vergangenheit erinnern - Zukunft gestalten: Museen machen mit!" hatten der Deutsche Museumsbund, Icom (International Council of Museums) Deutschland und regionale Institutionen aufgerufen. Die Aktion soll auf die Vielfalt der Museumsarbeit hinweisen und zum Erkunden von Schätzen in der eigenen Umgebung motivieren. Viele Besucher nutzten am Sonntag die Sonderaktionen zum Internationalen Museumstag. Im Kreis lockten unter anderem Malerei im Bauernhaus Habach, das Schulmuseum Ottweiler und das Heimatmuseum Wemmetsweiler. ani