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Gesundheit
Krebsgefahr durch den Saar-Bergbau ist bislang nicht zu belegen

Der Quierschieder Allgemeinmediziner Karl-Michael Müller.
Der Quierschieder Allgemeinmediziner Karl-Michael Müller. FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken. Hat das Gas Radon die Lungenkrebsrate gerade in ehemaligen Bergbaugebieten im Saarland ansteigen lassen? Oder anders formuliert: Ist der Bergbau verantwortlich für eine Zunahme von Krebserkrankungen? Von Johannes Schleuning
Johannes Schleuning

Der Quierschieder Arzt Dr. Karl-Michael Müller hatte diesen Zusammenhang postuliert (wir berichteten). Aus Daten des saarländischen Krebsregisters hatte er in ehemaligen Bergbau-Gemeinden wie Quierschied, Friedrichsthal oder Sulzbach ein gegenüber dem Landesdurchschnitt deutlich erhöhtes Risiko für Lungenkrebserkrankungen abgeleitet. Wissenschaftlich seriös zu belegen ist das aber offenbar nicht.


In europaweiten Studien der Oxford-Professorin Sarah Darby ist zwar ein Zusammenhang zwischen der langjährigen Exposition gegenüber erhöhten Radonmengen in Wohnräumen und dem Auftreten von Lungenkrebs festgestellt worden. Jedoch wird die überwiegende Zahl der Lungenkrebserkrankungen nach übereinstimmenden Expertenangaben durch Rauchen verursacht. Nach Angaben der Strahlenschutzkommission sind Radon und dessen Zerfallsprodukte in Deutschland ebenso wie im Saarland für rund fünf Prozent aller Lungenkrebs-Sterbefälle verantwortlich. Lediglich beim Uranbergbau, bei dem stark erhöhte Radonwerte auftreten, konnte ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Radonexposition der Arbeiter und Lungenkrebserkrankungen festgestellt werden. Die sogenannte Wismut-Uranbergarbeiter-Kohortenstudie ist nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz die Studie mit der weltweit größten Kohorte beruflich radonbelasteter Bergarbeiter. Im Saarbergbau dagegen zeigte eine Längsschnittstudie an über 4500 Bergleuten aus dem Steinkohlebergbau über die Jahre 1980 bis 2002 kein erhöhtes Lungenkrebs- oder allgemeines Krebsrisiko („Quarzstudie Steinkohle Saar“). Ein Zusammenhang zwischen Bergbautätigkeit, Radon und der Lungenkrebsrate im Saarland lasse sich aus den vorliegenden Daten somit nicht fundiert herleiten, wie der Chef der Saarländischen Krebsgesellschaft Harald Schäfer erklärt. Der Quierschieder Arzt Karl-Michael Müller habe eine These aufgestellt, „für die es aus meiner Sicht keine fundierte Datengrundlage gibt“, so Schäfer. Auch das saarländische Gesundheitsministerium teilt die These Müllers nicht. Dessen Argumentation suggeriere, „dass die Einwirkung von Radon ursächlich sein könnte für eine Vielzahl von Krebserkrankungen. Dies ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand aber nicht der Fall“, erklärte eine Ministeriumssprecherin gegenüber der SZ.