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Personalnot im Krankenhaus
Wie der Winterberg neue Pflegekräfte sucht

 Das Klinikum Saarbrücken beschäftigt 760 Pflegekräfte, die umgerechnet 580 Vollzeitstellen entsprechen. Mit rund 570 Betten ist das Krankenhaus nach dem Universitätsklinikum in Homburg (1350 Betten) der landesweit zweitgrößte Krankenhausstandort.
Das Klinikum Saarbrücken beschäftigt 760 Pflegekräfte, die umgerechnet 580 Vollzeitstellen entsprechen. Mit rund 570 Betten ist das Krankenhaus nach dem Universitätsklinikum in Homburg (1350 Betten) der landesweit zweitgrößte Krankenhausstandort. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Gelder für neue Stellen sind da, aber kaum Bewerber. Deshalb will das Klinikum Saarbrücken nun neue Zielgruppen ansprechen. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Das landesweit zweitgrößte Krankenhaus, das Klinikum Saarbrücken, will sein Pflegepersonal deutlich aufstocken und alle Hebel in Bewegung setzen, um neue Mitarbeiter zu finden. „Wir stellen jeden ein, der fachlich geeignet ist und zu uns passt“, sagte Pflegedirektorin Sonja Hilzensauer der SZ. Als erste Erfolge vermeldet der Winterberg, dass in den ersten Tagen des Jahres acht zusätzliche Vollzeitkräfte eingestellt wurden und der Springerpool inzwischen auf 35 Pflegekräfte angewachsen ist. Sie springen immer dann ein, wenn auf einer Station kurzfristig Personal fehlt. Dieser Pool soll in einem ersten Schritt auf ungefähr 50 vergrößert werden.


Anders als das Universitätsklinikum in Homburg, das sich mit der Gewerkschaft Verdi auf 130 zusätzliche Pflegestellen geeinigt hatte, will die Führung des Krankenhauses auf dem Winterberg aber keine konkreten Zahlen nennen, wie viele zusätzliche Stellen sie insgesamt schaffen will – auch um bei den Mitarbeitern keinen Frust zu schaffen, wenn das Ziel am Ende verfehlt wird.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte den Krankenhäusern versprochen, dass ab 1. Januar 2019 jede zusätzliche Pflegestelle, die sie schaffen, von den Krankenkassen bezahlt wird. Die Frage ist allerdings, wo diese Pflegekräfte alle herkommen sollen. „Der Arbeitsmarkt ist leer“, sagt Edwin Pinkawa, Personaldirektor auf dem Winterberg. Das Klinikum will daher neue Zielgruppen ansprechen, etwa Menschen, die wegen schlechter Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor Jahren den Job verlassen haben, sowie junge Männer und Abiturienten.



Pflegekräften, denen aus familiären Gründen zuverlässige Arbeitszeiten wichtig sind, macht das Klinikum ein Angebot: Wer dem Springerpool angehört und deshalb regelmäßig die Station wechseln muss, dem wird im Gegenzug garantiert, dass er nie aus einer freien Schicht gerufen wird und keine Überstunden machen muss. Obendrein gibt‘s eine Zulage. Das sei für Menschen, die Kinder zu betreuen oder Eltern zu pflegen hätten, sehr attraktiv, sagt Hilzensauer. Auf diese Weise soll einerseits die Zahl der Pflegekräfte, die den Beruf aus familiären Gründen aufgeben, verringert werden, andererseits sollen Berufsaussteiger zurückgewonnen werden. Man könne auch jederzeit vom Springerpool auf eine Station wechseln, sagen Hilzensauer und Pinkawa.

Außerdem setzt die Klinikleitung auf Spezialausbildungen, um junge Menschen für die Pflege zu gewinnen, die man sonst gar nicht erreichen würde, konkret: männliche Jugendliche, Abiturienten und Technikbegeisterte. Dies gilt etwa für Operationstechnische Assistenten (OTA), also Spezialisten für OP und Notaufnahme, die in der klinikeigenen Schule für das ganze Land ausgebildet werden, aber bislang ohne staatliche Anerkennung sind. Pinkawa sagt, es sei ganz wichtig, dass der Beruf endlich anerkannt werde, man wünsche sich daher mehr Unterstützung von der Politik. Auch sollen mehr Intensivpfleger ausgebildet werden. Um diesen vierjährigen Modell-Ausbildungsgang, vom Land zunächst zugelassen für drei Jahrgänge, werde man bundesweit beneidet, sagt Pflegedirektorin Hilzensauer.

„Möglichst viele Mitarbeiter“ will das Winterberg-Klinikum also gewinnen, aber anders als an der Uniklinik und bei den SHG-Kliniken wird es dazu keinen Vertrag mit der Gewerkschaft Verdi geben. Personaldirekter Pinkawa sieht darin lediglich einen „Marketing-Gag“ ohne echten Mehrwert für die Mitarbeiter. Pinkawa sagt, er sei ein Verfechter von Flächentarifverträgen. „Die Zersplitterung ist keine Lösung.“ Auch sei die Klinikleitung zusammen mit dem Betriebsrat besser in der Lage, die personelle Besetzung einer bestimmten Station festzulegen, als ein Ministerium oder eine Gewerkschaftszentrale.